# taz.de -- Ikkimel im „Morgenmagazin“: „Poppstar“ überfordert ZDF-Publikum
> Die feministische Rapperin Ikkimel tritt im Frühstücksfernsehen auf. Und
> trifft beim konservativen Publikum auf kollektive Schockstarre.
IMG Bild: Sängerin Ikkimel: „Ich bin schlau und wunderschön, oh Baby, alles an mir glitzert/ Pussy gut, er ist so süß, ich werd' zu seiner Kitty Cat“
Um 5.30 Uhr morgens steht Ikkimel meistens im Club und ballert Ketamin auf
dem Klo. An diesem Montagmorgen steht die Berliner Rapperin auf der Bühne
des ZDF-„Morgenmagazins“. „Fußballmänner, alles Penner/ Bierbauch,
Bratwurst, leckerschmecker“, rappt Mama Ikki, wie Fans die 29-Jährige
nennen. Die Kamera schwenkt ins Publikum, das wie eine Ausflugsgruppe eines
Mehrgenerationenprojekts wirkt. Auf den Rängen sitzen U14- und Ü50-Jährige
vereint in einer kollektiven Schockstarre. Keiner bewegt sich zur Musik
oder wippt mit, stattdessen: irritierte, überforderte und versteinerte
Blicke.
Ikkimel, gekleidet in bauchfreiem Tanktop und kurzem lila Paillettenrock,
der nicht ansatzweise ihren Arsch bedeckt, dafür ihre großflächigen
Oberschenkeltattoos freilegt, rappt selbstbewusst weiter: „Ich bin schlau
und wunderschön, oh Baby, alles an mir glitzert/ Pussy gut, er ist so süß,
ich werd' zu seiner Kitty Cat“.
Der Zusammenprall der Welten scheint die Rapperin eher zu amüsieren als zu
verunsichern. Immer wieder kichert sie, zum Schluss ruft sie: „Wir freuen
uns auf die Frauen-WM nächstes Jahr!“ Moderator Andreas Wunn meint danach,
Scherben aufsammeln zu müssen: „Liebe Fußballmänner, nicht beleidigt sein,
das ist Provokation und Kunst und trifft gerade so richtig einen Nerv bei
der Gen Z.“
Tatsächlich: Ikkimel, bürgerlich Melina Gaby Strauß, hat auf Spotify mehr
als zwei Millionen monatliche Hörer*innen. Mit ihrem [1][jüngst
veröffentlichten Album „Poppstar“], das sie als „fotzig, feminin und geil“
beschrieb, ist sie derzeit auf Platz 1 der Album-Charts. Auf Instagram und
Tiktok erreicht die „größte Fotze Europas“, wie sie sich selbst bezeichnet,
knapp eine halbe Million Follower.
## Mehr als reine Provokation
Ihre Texte handeln von Partys, Drogen und Sex. Ikkimel arbeitet bewusst mit
Grenzüberschreitungen, in „Giftmord“ singt sie: „Frauen brauchen kein
Schimpfwort, unsere Waffe heißt Giftmord/ Ermorde den Hurensohn, wenn er
grade nicht hinschaut“.
Aber Ikkimel ist mehr als reine Provokation. Die studierte Sozial- und
Kulturanthropologin steht für antikonservative Rollenbilder, für
Provokation als politisches Mittel. Indem sie traditionelle
Männlichkeitsbilder ironisch hinterfragt, schamlos über Sex rappt und
sexistische Sprache aus einer radikal weiblichen Perspektive heraus
umdeutet, verkörpert sie für viele junge Frauen eine neue Form weiblicher
Selbstbestimmung. Ihre Kritik an patriarchalen Strukturen verpackt sie in
partytaugliche Beats, witzige und selbstironische Reime. Mit ihrem Lied
„Who’s That“ hat sie einen Tiktok-Trend angestoßen, in dem Tausende ihre
Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt teilten. Die Rapperin bezieht auch
politisch Position – in ihren Texten („Ich steh auf blaue Flecken, außer
auf der Wahlkarte“) sowie in Person, [2][als prominentes Gesicht der
Linkspartei], etwa auf Heidi Reichinneks Tiktok-Kanal oder [3][beim
Parteifest der Berliner Linkspartei am 1. Mai].
Als Frau, die – wie männliche Rapper seit jeher – bewusst provoziert, ist
Ikkimel aber zugleich eines der größten Hassobjekte der Republik. „Ich
wünsche dir eine syrische Gruppenvergewaltigung“, schreiben ihr Männer.
„Pass auf, wenn du durch Berlin läufst“, oder „Hoffe du stirbst bald“.
Ikkimel macht die Hassnachrichten öffentlich. Sie zeigen: Der Vorwurf des
„Männerhasses“, der ihr gemacht wird, steht in keinem Verhältnis zum realen
Hass, der Frauen in diesem Land entgegenschlägt.
8 Jul 2026
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## AUTOREN
DIR Lilly Schröder
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