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       # taz.de -- Antisemitismusvorwürfe bei 48h Neukölln: Die Kunst der Grenzüberschreitung
       
       > 48 Stunden Neukölln sagt eine Audiotour über Gaza entlang von
       > Stolpersteinen ab. Die Künstler wittern Zensur, wollen aber nicht
       > erklären, was das sollte.
       
   IMG Bild: Mit Stolpersteinen wird den Opfern der Shoah gedacht. Ein guter Ort, um über Gaza zu reden?
       
       Das Rezept ist simpel: maximale Provokation, anschließend maximale Empörung
       über angebliche Zensur. Nach diesem Drehbuch lief es auch am vergangenen
       Wochenende beim [1][Kunst- und Kulturfestival 48 Stunden Neukölln]. Geplant
       war die performative Audiotour „Walking the Gaza Monologues“. Die Texte
       basieren auf Berichten Jugendlicher aus dem Gazastreifen, die seit 2010 von
       ihrem Alltag in den von Israel besetzten Gebieten berichten, von ihren
       Träumen und Sehnsüchten. Die palästinensische NGO Ashtar hat die Berichte
       in ein Theaterstück verwandelt, das international aufgeführt wurde, 2010
       auch in der Schaubühne in Charlottenburg.
       
       Der für das Festival geplante Audiospaziergang sollte hingegen durch die
       Straßen Neuköllns führen, „entlang einer [2][ausgewählten Route von
       Stolpersteinen]“. Dabei sollten sich „die Zeitachsen zweier Völkermorde zu
       Parallelen entwickeln“, hieß es in der Ankündigung. Was damit konkret
       gemeint ist, wollten die Künstler*innen der taz auf Nachfrage nicht
       näher erläutern.
       
       Die Aktion stieß auf heftige Kritik: „Das ist keine Kunst, die Grenzen
       auslotet. Das ist eine kalkulierte Grenzverletzung“, schrieb der
       [3][Vorsitzende des jüdischen Vereins WerteInitiative, Elio Adler, in einem
       offenen Brief] am Freitagabend. Die Aktion stelle die Shoah und den Krieg
       Israels gegen die Terrororganisation Hamas in eine Linie. „Diese
       Gleichsetzung ist historisch falsch, sie ist perfide – und sie ist nach der
       Arbeitsdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA),
       zu der sich die Bundesrepublik und das Land Berlin bekennen,
       antisemitisch“, so Adler. Der Verein forderte die Veranstalter von 48
       Stunden Neukölln auf, die Rundgänge abzusagen.
       
       ## Aus dem Programm gestrichen
       
       Die Veranstalter kamen der Forderung am Samstagabend nach und entfernten
       den Programmpunkt, nachdem die Tour Freitag und Samstagnachmittag bereits
       stattgefunden hatte. In der ursprünglichen Bewerbung sei die genaue
       Ausgestaltung nicht ersichtlich gewesen, heißt es in einer Stellungnahme.
       „Sobald wir im Zuge des laufenden Festivals auf die konkrete Umsetzung
       aufmerksam gemacht wurden und wir die volle inhaltliche Tragweite erkennen
       konnten, haben wir umgehend reagiert und das Projekt unverzüglich aus dem
       Programm genommen“, so die Festivalleitung. Sie stellt klar: „Die
       Instrumentalisierung von Orten des historischen Gedenkens für aktuelle
       politische Konflikte sowie jede Form von Antisemitismus oder Relativierung
       haben in unserem Festival keinen Platz.“
       
       Die israelische Botschaft kritisierte die Veranstalter scharf: „Der
       eigentliche Skandal ist, dass offenbar niemandem auffiel, wie
       geschichtsvergessen und moralisch verwerflich diese Idee überhaupt war“,
       schrieb sie auf X. Der Vorfall sei kein Einzelfall. Die Erinnerung an die
       Shoah werde zunehmend für aktuelle politische Agenden instrumentalisiert.
       
       Für die Künstler*innen besteht der Skandal in der Absage. Das Festival
       sei von „politischen Akteuren zensiert“ worden, schrieben sie auf
       Instagram. Damit habe sich das Festival „[4][mitschuldig gemacht und dem
       politischen Druck nachgegeben]“. Die Aktion setzten sie unabhängig vom
       Festival fort. Statt des Spaziergangs entlang der Stolpersteine fand eine
       synchronisierte Liveübertragung der „Gaza Monologues“ statt, verbunden mit
       einer Spendenaktion für die Autor*innen der Monologe und den
       psychosozialen Hilfsfonds des Ashtar Theatre für Kinder in Palästina.
       
       7 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Kunstfestival-48-Stunden-Neukoelln/!6018500
   DIR [2] /Stolpersteine-erinnern-an-15-Jaehrigen/!6171783
   DIR [3] https://werteinitiative.de/brief_gaza_monologues2/
   DIR [4] /Im-Namen-der-Staatsraeson/!6191721
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Lilly Schröder
       
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