# taz.de -- Geplante Return Hubs der EU: Abschiebeknäste im Nirgendwo
> Die EU beschloss Abschiebezentren in Drittstaaten. Nur: Wo sollen sie
> entstehen? Eine taz-Recherche zeigt: Länder wie Usbekistan, Uganda oder
> Senegal werden es wohl nicht.
IMG Bild: Hinter Stacheldraht: Das von Italien gebaute Abschiebezentrum im albanischen Gjadër. Ein Vorbild für die EU?
Drohnen fliegen über [1][dem ehemaligen Luftwaffenstützpunkt von Gjadër],
ganz im Norden Albaniens. Am Boden im Einsatz sind 150 Polizeibeamte, in
wechselnden Schichten. Sie überwachen 70 Menschen, die in dem von Italien
betriebenen Lager untergebracht sind. Ihr Asylantrag in Italien war
abgelehnt worden. Doch in ihre Herkunftsländer abschieben, konnten die
Behörden sie nicht. Ab Februar kamen sie in das Zentrum in Gjadër – ein
Abschiebegefängnis außerhalb der EU, in dem Menschen bis zu 30 Monate, in
Ausnahmefällen auch auf unbestimmte Zeit, festgehalten werden können.
Mitte Juni durfte eine Delegation die auf dem verlassenen Militärgelände ab
2023 aufgebaute Einrichtung besuchen. Mit dabei war Flaminia Delle Cese vom
International Rescue Committee. Dass EU-Staaten nun Menschen in
geschlossene Einrichtungen in Drittstaaten wie Albanien bringen, sei eine
„grausame, kostspielige und kontraproduktive Lösung, die den Menschen ihre
Würde und ihre grundlegenden Menschenrechte nimmt“, schreibt Delle Cese in
einer Stellungnahme. Die Inhaftierten hätten ihr von psychischen Problemen
berichtet, die nicht angemessen behandelt würden. Handys seien ihnen
abgenommen worden. Der Zugang zu Informationen sei eingeschränkt, Kontakt
zu Angehörigen kaum möglich. Ein Mann habe seit seiner Ankunft nicht mehr
mit seinem vierjährigen Sohn sprechen können.
Die Inhaftierung in dem Lager in Albanien, das mit 153.000 Euro pro Platz
fast achtmal so viel kostet wie ein Platz in einem Aufnahmelager in
Italien, habe spürbare Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der
Menschen, auch Kranke würden dort festgehalten, warnt Delle Cese. „Ein
Haftzentrum ist für sie schlichtweg der falsche Ort.“ Und: „Dieses
gefährliche Modell ist ein alarmierender Schritt in die falsche Richtung.“
Es dürfe „niemals zum Vorbild für den Umgang der EU mit Asyl und Migration
werden“.
Doch genau das ist nun geschehen. Die italienische Ministerpräsidentin
Giorgia Meloni hat in Gjadër faktisch den ersten der sogenannten Return
Hubs in Betrieb genommen – [2][noch bevor das EU-Parlament am 17. Juni für
diese Abschiebezentren in Drittstaaten eine Rechtsgrundlage geschaffen
hat]. Konservative und Rechtsextreme stimmten gemeinsam für eine Neufassung
der EU-Rückführungsverordnung, die es den Mitgliedstaaten fortan gestattet,
eigenmächtig Zentren wie jenes in Gjadër einzurichten.
Ob das tatsächlich geschehen wird, ist allerdings offen. Denn welche
Staaten außerhalb der EU sich für die Return Hubs zur Verfügung stellen,
ist bisher völlig unklar.
## 13 Länder für die Return Hubs im Blick
EU-Migrationskommissar Magnus Brunner (EVP) dagegen steht hinter dem
Projekt. „Wir haben die Regeln geschaffen, wir schaffen die Basis“, sagt
der Österreicher. Die Umsetzung, betont er, sei aber „Sache der
Mitgliedstaaten“. Brunner hat seit seinem Amtsantritt Ende 2024 unermüdlich
für „innovative Lösungen“ geworben – ein Codewort für den neuen Typ
Abschiebezentren außerhalb der EU. Kritik bügelte er mit dem Argument ab,
dass die Rechte der Asylbewerber in diesen Zentren selbstverständlich
gewahrt würden.
Doch das ist zweifelhaft – wie überhaupt vieles bei den Return Hubs. Unklar
ist, wie lange die Menschen dort bleiben sollen. Was mit ihnen geschieht,
wenn sie nach Ablauf dieser Frist nicht in ihr Herkunftsland abgeschoben
werden können. Welches Recht in den Return Hubs für sie gilt, welche
Verantwortung die EU für die Menschen übernimmt.
Die größte offene Frage aber ist, welche Länder sich überhaupt für einen
Return Hub hergeben. Denn außer dem auf Menschen aus Italien beschränkten
Pilotprojekt in Albanien gibt es bislang nur Medienberichte, welche Staaten
die EU im Blick haben soll: Ägypten, Armenien, Äthiopien, Ghana, Libyen,
Mauretanien, Montenegro, Ruanda, Senegal, Tunesien, Uganda und Usbekistan
werden genannt.
Sobald erste Medien im Mai über diese Liste berichtet hatten, dementierte
als erste Usbekistans Regierung in Taschkent deutlich: „Die angesprochene
Angelegenheit entspricht nicht der Wahrheit.“ Verhandelt werde lediglich
über „eine Vereinfachung der Visabestimmungen für unsere Bürger“.
Als Vorbild für die Return Hubs gilt der [3][Migrationsdeal zwischen
Großbritannien und Ruanda], der 2022 besiegelt wurde. London sagte Ruanda
damals sagenhafte 800 Millionen Euro für Unterbringung und
Krankenversicherung von zunächst rund 300 abgeschobenen Migrant:innen zu
– deren Abschiebung aber mit Blick auf die schwierige Menschenrechtslage in
Ruanda, das von [4][Machthaber Paul Kagame] autoritär regiert wird, von
britischen Gerichten unterbunden wurde.
Trotz dieses Debakels hat auf der anderen Seite des Atlantiks die
US-Regierung im Juni 2025 ein Abkommen mit Ruandas Regierung in Kigali
unterzeichnet, wonach 250 Migranten aus den USA dorthin ausgeflogen werden
sollen. Im August 2025 wurden die ersten sieben Migranten deportiert. Auf
taz-Anfrage, ob ähnliche Deals mit europäischen Staaten verhandelt werden,
sagt Ruandas Außenminister Olivier Nduhungirehe: „Es gibt noch nichts
Konkretes und wir möchten zum jetzigen Zeitpunkt nicht darüber sprechen.“
## In Uganda durchkreuzt ein Korruptionsfall den Plan
Im Nachbarland Uganda, das bereits rund zwei Millionen Geflüchtete aus
seinen Nachbarländern aufgenommen hat, hatten die Niederlande bereits im
Herbst 2024 wegen eines möglichen Return Hubs angeklopft. Im September 2025
unterzeichneten der damalige Außenminister David van Weel und sein
damaliger ugandischer Amtskollege Abubakhar Jeje Odongo eine
Absichtserklärung für ein „kleines Pilotprojekt“: Die Niederlande sollten
demnach abgelehnte Asylbewerber nach Uganda ausfliegen dürfen, wenn es
nicht möglich ist, sie in ihr Herkunftsland zurückzuschicken. Vorrangig
ging es dabei um Somalier, in deren Heimat ein Krieg einer Abschiebung
entgegenstehe. „Wir müssen uns stärker auf das Machbare konzentrieren,
anstatt auf das Unmögliche“, sagte van Weel damals.
Doch das angepeilte Abkommen kam nie. Die Zusammenarbeit mit Uganda sei
„derzeit auf Eis gelegt“, sagte das niederländische Außenministerium
aktuell auf taz-Anfrage. Grund seien die Ereignisse rund um [5][die Wahlen
in Uganda im Januar 2026]. Da versuchten Sicherheitskräfte den
Oppositionsführer Bobi Wine zu verhaften, der sich ins Exil flüchten
musste. Unter diesen Umständen konnten die Niederlande sich offenkundig
erst mal keinen Return Hub in Uganda vorstellen. Auf Anfrage verwies das
Außenministerium in Den Haag auf „nationales, europäisches und
internationales Recht“, dem die Return Hubs entsprechen müssten.
Kurz nach der Unterzeichnung der Absichtserklärung mit den Niederlanden war
auch Österreichs Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (Neos) in Ugandas
Hauptstadt Kampala zu Gast. Meinl-Reisinger hatte sich zuvor mit ihrem
niederländischen Amtskollegen in Sachen Return Hubs beraten, die
österreichische Tageszeitung Der Standard hatte darüber zuerst berichtet.
Österreich unterhält ähnlich wie die Niederlande seit Jahrzehnten enge
Beziehungen zu Uganda, vor allem zur mächtigen Regierungspartei NRM. Auf
taz-Anfrage wollte das Außenministerium in Wien nichts zu möglichen
Gesprächen mit Drittstaaten sagen.
In Kampala wird auf die Anfragen aus Europa mit Skepsis begegnet. Mit
Argusaugen hatte Ugandas Flüchtlingsminister Hilary Onek verfolgt, wie
Ruanda wegen des von Menschenrechtsanwälten schlussendlich erfolgreich
verhinderten Flüchtlingsdeals mit London international verurteilt wurde.
Onek legte deswegen die Return-Hub-Pläne für sein eigenes Land vorerst auf
Eis.
Doch auch Delegationen aus den USA klopften 2025 in Kampala wegen eines
Abschiebedeals an. Als sich abzeichnete, dass Flüchtlingsminister Onek dies
ablehnte, rief US-Präsident Donald Trump Präsident Yoweri Museveni an – und
drohte ihm mit hohen Zöllen und Visabeschränkungen. Museveni stellte
Bedingungen: Die USA dürften nur Menschen ohne kriminelle Vergangenheit in
sein Land abschieben, sie sollten sich freiwillig abschieben lassen und
afrikanischer Herkunft sein. Das sollte die Aussicht auf mögliche Jobs bei
den vielen Unternehmen der geschäftstüchtigen Mittelklasse afrikanischer
Geflüchteter in Uganda erleichtern. Womöglich haben Abgeschobene gar
Verwandte oder Bekannte vor Ort, so die Hoffnung.
Im April landeten die ersten 8 von insgesamt 500 Abgeschobenen aus den USA
in Uganda, sie wurden vom UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR versorgt. Ugandas
Regierung verlieh ihnen einen vorläufigen Flüchtlingsstatus. Das
Flüchtlingsministerium erhielt eine Millionensumme in Dollar, unter anderem
auch für die Gehälter von Mitarbeitenden und die Infrastruktur in den
Lagern.
Doch die Antikorruptionsbehörde IGG blockierte die Auszahlung der Gelder.
Anfang Juni wurden sechs ranghohe Funktionäre des Flüchtlingsministeriums
festgenommen. Sie sollen Bestechungsgelder von Geflüchteten eingefordert
haben, damit sie diesen einen Flüchtlingsstatus geben. Unter ihnen waren
der Flüchtlingskommissar Patrick Okello und dessen Vize Douglas Asiimwe,
die über Asylanträge entscheiden und die auch die Verhandlungen mit den
Europäern über die Return Hubs führen sollten. Die internen Ermittlungen
laufen, die Verhandlungen mit Uganda über die Return Hubs sind zunächst vom
Tisch.
## Tunesien will nicht Grenzpolizist Europas sein
Sehr viel früher als das von Europa weiter entfernte Ostafrika hatte die EU
schon darüber nachgedacht, ob Nordafrika für Abschiebelager infrage kommt.
Seit Jahren mehren sich die Berichte darüber, dass Tunesien Migranten aus
West- und Zentralafrika an der algerischen Grenze einfach in der Wüste
aussetzt. Journalist:innen, die darüber berichten, drohen in Tunesien die
Ausweisung oder andere Sanktionen. Über die Praxis der mit algerischen
Sicherheitskräften koordinierten Aussetzungen ist deshalb nur wenig
bekannt. Berichten lokaler Menschenrechtsorganisationen zufolge soll nun
ein EU-Abschiebezentrum an der algerisch-tunesischen Grenze entstehen.
Geplant wäre das demnach zunächst für Migrant:innen ohne
Aufenthaltsstatus, die auf dem Mittelmeer gerettet wurden – und die in
Tunesien aber stets Gefahr laufen, verhaftet und im Grenzgebiet ausgesetzt
zu werden. Präsident Kais Saied betont immer wieder, dass man nicht
Grenzpolizist Europas werden wolle. Die Migranten nennt er gleichzeitig
eine Gefahr für die arabische Kultur Nordafrikas. Die UN-Organisation hat
er aus der Gegend um die Hafenstadt Sfax verbannt – dem Schwerpunkt der
Operationen gegen die Bootsabfahrten in Richtung der italienischen Insel
Lampedusa.
Schwer vorstellbar also, dass Tunesien die Unterbringung weiterer
Flüchtlinge in einem europäischen Return Hub akzeptiert. Andererseits
benötigt Saied unbedingt Kredite aus dem Ausland. Dass Tunesien also an
Bord wäre, wenn etwa die UN-Migrationsagentur IOM im Rahmen von
Rückführvereinbarungen beteiligt wird, halten nicht wenige Analysten
deshalb für wahrscheinlich.
Den zahlreichen NGOs, die sich für Migrant:innen und Geflüchtete in
Tunesien einsetzen, erschiene das wie ein Hohn. Die 66-jährige Saadia Mosah
etwa hatte mit ihrer NGO Mnemti Menschen aus Subsahara-Afrika geholfen und
wurde wegen „finanzieller Unregelmäßigkeiten“ – ein vorgeschobener Grund,
wie allgemein vermutet wird – zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Return
Hubs würden in Tunesien wohl zu noch mehr Repressionen gegen alle führen,
die sich für eine humane Umsetzung der neuen EU-Strategie einsetzen.
## Katastrophale Lage in Libyen, trotzdem ein Kandidat?
Auch das Nachbarland Libyen ist – trotz der katastrophalen
Menschenrechtslage – als Return-Hub-Standort im Gespräch. Die Legitimation
des Parlaments in Bengasi ist lange abgelaufen, Wahlen hätten bereits 2018
stattfinden sollen. Derweil kontrolliert General Chalifa Haftar Ost- und
Südlibyen mit seiner eigenmächtig aufgebauten Armee.
Abkommen mit der EU-Kommission geben den Machthabern in diesem politischen
Vakuum Legitimität. Giorgia Meloni reiste mehrmals nach Libyen, Emissäre
aus Brüssel sind regelmäßig bei Haftar, der nach seinem Angriff auf
Tripolis in europäischen Hauptstädten lange als Warlord galt. Neben der
italienischen arbeitet auch die griechische Regierung an einem bilateralen
Abkommen mit Haftar. Dessen Küstenwache erhielt – wie zuvor die Regierung
in Tripolis – Schiffe und neue Überwachungstechnik.
In West- und Ostlibyen ist eine Art Wettbewerb um die Gunst Europas
entstanden. In großen Verhaftungsaktionen werden Tausende Flüchtlinge und
Migranten von der Straße oder ihren Wohnungen in Camps gebracht. Später
folgt die Abschiebung in das Niemandsland an der Grenze zu Sudan oder in
die Sahara.
Eine taz-Anfrage zum Stand der Verhandlungen zu möglichen Return Hubs hat
die Regierung in Tripolis nicht beantwortet. Insider berichten aber von
gemeinsamen Überlegungen, die auf dem Mittelmeer Geretteten zusammen mit
aus Europa eingeflogenen abgelehnten Asylbewerbern aus Drittländern
unterzubringen.
Doch solche Zentren müssten wohl von den UN verwaltet werden. Diese geraten
durch gezielt geschürte Gerüchte schon jetzt in die Schusslinie.
Kontrahenten des Regierungschefs Abdulhamid Dbeiba – etwa der oberste Mufti
Sadiq Ghariani – nutzen den wachsenden Zorn auf die steigende Zahl der
Migrant:innen im Land aus. Die IOM und der UNHCR würden weitere
Migrant:innen in Libyen ansiedeln, warnte der Hardliner Ghariani. Den
Regierungschef Dbeiba nannte er einen „Kollaborateur“ dieser ausländischen
Verschwörung. Anfang Juli zerstörte ein wütender Mob UN-Büros in Tripolis.
UN-Missionsleiterin Hanna Tetteh warnt vor der Brisanz des Themas
Migration.
In Libyen wie auch in Tunesien setzen Italien und die EU-Kommission schon
länger auf nationale Programme zur Abschiebung von Migrant:innen ohne
Aufenthaltsrecht. Da die Regierungen in Tripolis und Tunis die seit dem
arabischen Frühling ausgearbeitete Reform von Asyl- und Aufenthaltsrecht
nie umgesetzt haben, betrifft dies Millionen Ausländer. Zehntausende, die
auf dem Meer gestoppt werden, kommen in Aufnahmezentren, die von lokalen
Behörden gemanagt werden. Fast wöchentlich heben von den Regierungen
bezahlte Flieger mit freiwilligen Rückkehrern von Tripolis und Tunis in
Richtung Westafrika ab. Die UN-Organisationen UNHCR und IOM werden darüber
oft nicht informiert. Es ist nicht undenkbar, dass in Zukunft auch Menschen
dort untergebracht werden, die über Libyen und Tunesien in die EU
eingereist sind und dorthin zurückgebracht werden.
Welches politische Gewicht das Thema mittlerweile in Nordafrika hat, zeigt
ein internationales Projekt in der libyschen Hafenstadt Misrata. Libyen,
Katar, Italien und die Türkei errichten dort eine Operationszentrale, in
der Fachleute und Soldaten für Sicherheit auf dem Mittelmeer sorgen und
Migrationsrouten überwachen sollen. Libysche Menschenrechtsaktivisten
warnen vor dem Projekt. Sollte das dazugehörige Aufnahmelager wie geplant
im umzäunten und schwer bewachten riesigen Freihafen von Misrata entstehen,
wäre ein von außen kaum nachvollziehbarer Asylprozess möglich – parallel zu
den sowieso schon laufenden Abschiebungen über den Flughafen von Misrata.
## In Senegal hat man von Return Hubs „noch nie gehört“
Auch die westafrikanischen Staaten Ghana und Senegal hat die EU für „Return
Hubs“ in den Blick genommen. Auf taz-Anfrage heißt es beim Innenministerium
Senegals jedoch nur, man habe „noch nie davon gehört“. Ohnehin ist
fraglich, ob Senegal Kapazitäten für den Betrieb solcher Lager hätte. Das
Land durchläuft eine politisch turbulente Phase. Im Mai feuerte Präsident
Bassirou Diomaye Faye den Premierminister Ousmane Sonko und löste die
Regierung auf. Das frühere Duo Faye-Sonko hatte die Wahlen 2024 maßgeblich
durch die Unterstützung einer jungen Wählerschaft gewonnen und sich dabei
bewusst von der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich distanziert.
Die Unterbringung aus Europa abgeschobener Migrant:innen gilt in Dakar
entsprechend als politisch heikel. Und Sonko pocht stets darauf, dass
Senegal – deren junge Bevölkerung sich ebenfalls zu Tausenden auf dem Weg
übers Mittelmeer macht – sich nicht als Erfüllungsgehilfe europäischer
Interessen sieht.
Ghana könnte für ein entsprechendes Modell grundsätzlich offener sein.
Anfang September 2025 nahm Ghana insgesamt 14 aus den USA abgeschobene
Westafrikaner auf, obwohl sich darunter kein einziger ghanaischer
Staatsbürger befand. Regionale Solidarität war dafür wohl eher weniger
ausschlaggebend. Das Land steckt seit 2022 in einer schweren Schuldenkrise
und ist auf internationale Finanzhilfen angewiesen.
## Die EU-Staaten sollen die „Schmutzarbeit“ machen
Ebenso unklar wie mögliche Standorte für die europäischen Return Hubs ist
auch die Rolle der EU. Die Rechtsextremen im EU-Parlament hatten
durchgesetzt, dass die Mitgliedstaaten unbehelligt von Brüssel weitgehend
freie Hand bekommen. In einem Brief zum jüngsten EU-Gipfel im Juni
forderten indes 19 EU-Staaten eine aktivere Beteiligung der EU. Diese solle
in die Koordinierung und Finanzierung einsteigen. Der Vorstoß, der von
Italien und Dänemark angeführt wurde, schaffte es sogar bis in den
Gipfelbeschluss. Die EU solle „die intensivierte Arbeit in allen Bereichen,
einschließlich der externen Dimension und umfassender Partnerschaften, im
Einklang mit dem EU-Recht und dem Völkerrecht fortsetzen“, heißt es darin.
Damit wächst der Druck auf die EU-Kommission, aktiv mitzumachen.
Allerdings gibt es auch Gegenwehr. So erklärte Frankreichs Staatschef
Emmanuel Macron nach dem EU-Gipfel, dass sein Land keine Abschiebezentren
errichten werde. „Ich glaube, dass das weder wirksam ist noch unseren
Prinzipien entspricht“, so Macron. Er habe noch nie ein Abschiebelager in
einem Drittland gesehen, das funktioniert. Macron sprach sich auch dagegen
aus, Mittel aus dem EU-Haushalt zum Bau von Abschiebezentren zu verwenden.
„Ich lehne es ab, dass dafür Mittel aus dem nächsten Budget genutzt
werden.“ Darüber ist das letzte Wort allerdings noch nicht gesprochen. Die
Debatte über das neue EU-Budget für die Jahre 2028 bis 2034 wird beim
nächsten EU-Gipfel im Oktober fortgesetzt.
Wenn die EU am Ende doch noch Geld für Return Hubs geben sollte, dann wäre
auch die EU-Kommission mit im Boot. Migrationskommissar Magnus Brunner
hätte vermutlich nichts dagegen, es würde ihm mehr Einfluss geben. Nur die
„Schmutzarbeit“, die Suche nach willigen Drittländern, will die
EU-Kommission vorerst anderen überlassen.
14 Jul 2026
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