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       # taz.de -- Automatisierte Durchsuchung: Chatkontrolle im Eilverfahren
       
       > Das Europaparlament hat am Dienstag beschlossen, dass es kurz vor der
       > Sommerpause über die Chatkontrolle entscheidet. Kritiker wittern einen
       > Coup.
       
   IMG Bild: Kommt die Chatkontrolle wieder, können Onlineplattformen private Chats durchsuchen, um Inhalte von Kindesmissbrauch aufzuspüren
       
       Der [1][Streit um die Chatkontrolle] bei WhatsApp, Instagram und anderen
       Onlineplattformen geht in eine neue, aus Sicht von Kritikern irreguläre
       Runde. Das Europaparlament stimmte am Dienstag in Straßburg für einen
       Eilantrag, der eine erneute Abstimmung am Donnerstag möglich macht. Dann
       könnte die umstrittene automatisierte Suche nach Kinderpornografie in
       privaten Onlinechats wieder zugelassen werden – nachdem das Parlament sie
       im März gestoppt hatte.
       
       Für eine Neubefassung hatte sich Parlamentspräsidentin Roberta Metsola
       eingesetzt. Sie folgte damit einem Wunsch der 27 EU-Staaten, hatte jedoch
       kein entsprechendes Mandat der Abgeordneten. Lediglich die konservative
       Europäische Volkspartei, die vom CSU-Politiker Manfred Weber geleitet wird
       und der auch Metsola angehört, hatte sich für eine Wiederaufnahme
       ausgesprochen. Kritiker sprechen von einem Coup der Parlamentschefin gegen
       das Parlament.
       
       Protest blieb letztlich folgenlos: So wies der fraktionslose EU-Abgeordnete
       Martin Sonneborn darauf hin, „dass das Durchprügeln der Chatkontrolle im
       Eilverfahren leider gegen die Geschäftsordnung des EU-Parlaments verstößt“.
       Metsola stellte Sonneborn nach einer Minute das Mikrofon ab. Nicht viel
       besser erging es Abgeordneten der Piraten und der AfD. „Ich halte mich an
       alle Regeln, das kann ich Ihnen versichern“, so Metsola.
       
       ## Abstimmung kurz vor der Sommerpause
       
       Daran gibt es allerdings weiter Zweifel. Denn für das nun eingeleitete
       Dringlichkeitsverfahren gelten besondere Regeln. Um die Chatkontrolle zu
       stoppen, müssten bei der entscheidenden Abstimmung am Donnerstag 360
       Abgeordnete – eine qualifizierte Mehrheit – dagegen stimmen. In den letzten
       Stunden vor der parlamentarischen Sommerpause, die am Freitag beginnt, ist
       diese Hürde jedoch kaum zu nehmen; die Gegner fürchten eine Niederlage.
       
       Wenn sich die Befürworter durchsetzen, können die Onlineplattformen wieder
       ohne Vorwarnung private Chats durchsuchen, um Bilder oder Videos von
       sexuellem Kindesmissbrauch aufzuspüren. Die Chatkontrolle diene dem Schutz
       der Kinder, meinen die Befürworter.
       
       Kritiker sehen einen Bruch des Datenschutzes und warnen vor Missbrauch.
       Internetaktivist Patrick Breyer sprach von einem „dunklen Tag für
       Privatsphäre und Demokratie“.
       
       7 Jul 2026
       
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