# taz.de -- Polizeibeauftragter legt Bericht vor: Diskriminierung an der Grenze
> Der Polizeibeauftragte des Bundes stellt die Grenzkontrollen der
> Bundespolizei infrage. Racial Profiling sei vor allem dort ein Thema.
IMG Bild: Es müsse sichergestellt werden, dass Menschen nicht allein wegen ihres Äußeren kontrolliert werden
„58 Prozent ist eine Zahl, die sich sehen lassen kann“, sagt der
Polizeibeauftragte des Bundes, Uli Grötsch (SPD), am Mittwoch in der
Bundespressekonferenz. Er spielt damit auf die von ihm eröffneten Verfahren
an – die sind um 58 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Damit ist
er seinem selbsterklärten Ziel, sein Amt bekannter zu machen, zumindest ein
Stück näher gekommen.
Als Polizeibeauftragter vertritt er den Bundestag bei der parlamentarischen
Kontrolle der Bundespolizei, des Bundeskriminalamts und der Polizei des
Bundestags – er ist also unabhängig von der Bundesregierung. Sowohl
Bürger:innen als auch Beschäftigte der Polizeibehörden können sich an
Grötsch wenden, um ihn auf Fehlentwicklungen oder Fehlverhalten aufmerksam
zu machen.
Grötsch ist der Erste in seinem Amt, es wurde erst 2024 von der
Ampelkoalition geschaffen. CDU und CSU hatten im Bundestagswahlkampf 2025
noch angekündigt, das Amt wieder abschaffen zu wollen. Er sagt vor der
blauen Wand der Bundespressekonferenz, er werde inzwischen von der
„überwiegenden Zahl“ der Bundestagsfraktionen akzeptiert.
Laut seinem Bericht hat er letztes Jahr 421 Verfahren eröffnet, von denen
ein Großteil (77 Prozent) von Bürger:innen initiiert wurden. Nur 23
Prozent kamen von Beschäftigten aus den Polizeibehörden. In etwa 12 Prozent
der Fälle geht es um Diskriminierung und Racial Profiling, also die
Kontrolle von Personen aufgrund ihrer Hautfarbe oder anderer ethnischen
oder religiösen Merkmale.
## Diskriminierung und Racial Profiling
In 10 Fällen hat der Beauftragte das Verhalten von Polizist:innen
beanstandet. In seinem Bericht schreibt er, es müsse sichergestellt werden,
dass Menschen nicht allein wegen ihres Äußeren kontrolliert werden. Grötsch
fordert, Kontrollsituationen häufiger zu evaluieren und Polizist:innen
stärker für das Thema zu sensibilisieren.
Racial Profiling kommt, laut Grötschs Bericht, vor allem im Zusammenhang
mit Grenzkontrollen vor. Die seien auch für die Polizeibeamt:innen
eine hohe Belastung und führten zu einer Vielzahl an Überstunden. Die
Infrastruktur für die Beamt:innen sei nach wie vor nicht ausreichend:
„Nach all den Jahren stehen an 20 Kontrollstellen immer noch Dixi-Klos“,
sagt er in der Bundespressekonferenz.
Uli Grötsch stellt angesichts rückläufiger Zahlen bei unerlaubten Einreisen
und bei Asylanträgen die Verhältnismäßigkeit der Grenzkontrollen in
jetziger Form infrage. Clara Bünger ist Innenpolitikerin der Linken im
Bundestag und begrüßt die Kritik des Polizeibeauftragten. Sie sagt der taz:
„Grenzkontrollen belasten besonders Pendlerinnen, Lieferfahrer und
Geflüchtete. Es ist höchste Zeit, sie einzustellen.“
Auch von anderer Seite kommt Unterstützung für Grötschs Forderungen. Parto
Tavangar arbeitet bei der Beratungsstelle ReachOut, die Betroffene
rassistischer und rechter Gewalt in Berlin unterstützt. Sie begrüßt die
Forderung, Polizeieinsätze bei Racial Profiling zu evaluieren. Das reiche
allerdings nicht aus: Es brauche dringend unabhängige Stellen, die den
rassistisch diskriminierenden Kontrollen durch die Polizei nachgehe. Der
Polizeibeauftragte des Bundes ist zwar unabhängig, kann aber selbst keine
offiziellen Ermittlungen oder disziplinarische Schritte einleiten.
8 Jul 2026
## AUTOREN
DIR Pascal Maier
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