# taz.de -- Die Wahrheit: „Der Papst hat gratuliert“
> Das Wahrheit-Interview: Der Sprengmeister Jürg-Fridolin Bieri über seinen
> Auftrag bei den exkommunizierten Piusbrüdern.
IMG Bild: Sprengmeister Bieri bei der Planung
taz: Jürg-Fridolin Bieri, am kommenden Sonntag werden Sie in Menzingen im
Schweizer Kanton Zug die Sprengung des Generalhauses der
Priesterbruderschaft St. Pius X. leiten …
Bieri: Richtig. Bei diesem Haus handelt es sich um das im Grunde genommen
recht hübsche Schloss Schwandegg. Die Piusbrüder haben es sich 1990 unter
den Nagel gerissen. Es hat lange unter Denkmalschutz gestanden, aber vor
einem Monat hat das zuständige Amt die Sprengung angeordnet.
taz: Höchste Zeit, sollte man meinen.
Bieri: So sehen das auch die meisten Einwohner von Menzingen. Es ist ja
kein Geheimnis, dass zahlreiche Piusbrüder schwere Sexualstraftaten
begangen haben. Infolgedessen ist schon der bloße Anblick des Generalhauses
dieser Bruderschaft eine Zumutung.
taz: Gibt es dazu eine Stellungnahme aus dem Vatikan?
Bieri: Zu der geplanten Sprengung hat Papst Leo XIV. dem hiesigen
Gemeindepräsidenten ausdrücklich gratuliert.
taz: Wie geht das Ganze technisch vor sich?
Bieri: Zunächst einmal musste die Kriminalpolizei in sämtlichen
Gebäudeteilen Spuren sicherstellen. Danach gingen dort auch mehrere
Exorzisten zu Werke. Hinterher sind mein Team und ich dann zwei Wochen lang
damit beschäftigt gewesen, Türen und Fenster auszubauen, die
Versorgungsleitungen zu kappen, die idealen Einsturzrichtungen zu bestimmen
und die Reihenfolge der Zündungen festzulegen, die im Millisekundentakt
erfolgen werden. Anschließend haben wir die Ladungen angebracht:
Emulsionssprengstoffe, wasserfeste Industriesprengstoffe und
Gelatinedynamit.
taz: Das dürfte ja einen gewaltigen Wumms geben …
Bieri: Die Stadt Menzingen wird vorher vollständig evakuiert. Damit
Schaulustige trotzdem auf ihre Kosten kommen, wird die Sprengung live auf
Youtube übertragen.
taz: Was sagen denn die Piusbrüder zu dieser Angelegenheit?
Bieri: Die sind natürlich fuchsteufelswild. Einer hat sogar versucht, sich
in der Schlosskapelle an den Altar zu ketten, und zwar nackt.
taz: Hapuh.
Bieri: Sie nehmen mir das Wort aus dem Mund.
taz: Man fragt sich ja, was diese Brüder eigentlich reitet. Müsste ihnen
nicht allmählich dämmern, dass sie ausgespielt haben?
Bieri: Es ist schwer, sich in die Gedankenwelt extrem abergläubischer
Menschen zu versetzen. Da sollten Sie besser einen Neuropsychologen fragen.
taz: Und wie geht’s nach der Sprengung weiter? Werden Sie sich auch um
andere Einrichtungen der Bruderschaft kümmern, also beispielsweise deren
Exerzitienhäuser, Priesterseminare und Seniorenheime?
Bieri: Mit Vergnügen. Die Vorverhandlungen mit den jeweiligen Behörden
laufen bereits und lassen sich sehr gut an. Wir stoßen überall auf offene
Ohren. Bei der Aussicht darauf, diese Gebäude endlich zusammenkrachen zu
sehen, haben viele Amtsträger vor Freude geweint. Und Sie glauben gar
nicht, wie viele ehemalige Ministranten der Bruderschaft mein Team und mich
zu unserer Arbeit schon beglückwünscht haben. Die sind völlig aus dem
Häuschen. Einige haben ein Vermögen dafür geboten, einmal selbst auf den
roten Knopf drücken zu dürfen …
taz: Wann werden Sie mit alledem fertig sein?
Bieri: In schätzungsweise einem Jahr.
taz: Welche Menge an Trümmerschutt wird bis dahin anfallen?
Bieri: Pi mal Daumen zehn Milliarden Tonnen.
taz: Womit wir bei der Frage wären, wer für die Kosten aufkommt.
Bieri: Selbstverständlich die Bruderschaft selbst. Die Konten sind bereits
alle gesperrt und sämtliche sonstigen Vermögenswerte beschlagnahmt worden.
taz: Da lacht einem ja das Herz im Leibe!
Bieri: Aber nur, wenn Sie kein Piusbruder sind.
taz: Können die nicht umschulen und einen nützlichen Beruf ergreifen?
Bieri: Dafür fehlt es ihnen mehrheitlich sowohl an der Bereitschaft als
auch an dem nötigen Grips. Viele sind inzwischen einfach untergetaucht und
in aller Welt auf der Flucht. Und wie ich gehört habe, wollen die am besten
betuchten Piusbrüder sich von Elon Musk auf den Mond schießen lassen, um
der irdischen Gerechtigkeit zu entgehen.
taz: Das wäre ihnen zu gönnen.
Bieri: Finde ich auch.
taz: Vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch.
10 Jul 2026
## AUTOREN
DIR Gerhard Henschel
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