# taz.de -- Statistik des Bundesinnenministeriums: Täglich Gewalt gegen Bahn-Mitarbeiter
> Im Februar löste der tödliche Angriff auf einen Schaffner Entsetzen aus.
> Zahlen aus dem Bundesinnenministerium zeigen: Angriffe gehören zum
> Alltag.
IMG Bild: Beamte der Bundespolizei und Mitarbeiter der DB Sicherheit gehen auf dem Hauptbahnhof gemeinsam Streife
dpa | Bedrohungen, Schläge, Angriffe: Allein in den ersten fünf Monaten des
Jahres sind 1.630 Beschäftigte der Bahn und 4.672 Beamte der Bundespolizei
Opfer von Straftaten geworden. Dies teilte das Bundesinnenministerium auf
eine Anfrage des Linken-Abgeordneten Dietmar Bartsch mit. Gehe es so
weiter, steuere man dieses Jahr auf einen neuen Negativrekord der Gewalt
zu, sagte Bartsch der Deutschen Presse-Agentur.
Mit Blick auf Bahn-Beschäftigte weist die polizeiliche Eingangsstatistik
für die Zeit von Januar bis Ende Mai 662 Fälle von Körperverletzung aus,
175 Mal gefährliche Körperverletzung und 661 Bedrohungen. Bei den
Straftaten gegen Bundespolizisten ging es in 3.734 Fällen um
Widerstandshandlungen. Hinzu kamen 1.427 tätliche Angriffe und 875
Bedrohungen. Die Bundespolizei ist unter anderem für die Sicherheit bei der
Bahn zuständig.
## Schockierender Todesfall
Im Februar hatte der tödliche Angriff auf einen 36 Jahre alten Schaffner in
Rheinland-Pfalz Entsetzen ausgelöst. Er war während einer Ticketkontrolle
von einem Fahrgast ohne Fahrschein zusammengeschlagen worden und im
Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen. Im Prozess gegen den
mutmaßlichen Täter wird für Donnerstag ein Urteil erwartet.
„Der entsetzliche Tod des Zugbegleiters Serkan C. im Februar, der das ganze
Land schockiert hat, [1][hat offensichtlich nichts verändert“,] sagte
Bartsch. „Mehr als 650 Körperverletzungen, ebenso viele Bedrohungen
gegenüber dem Personal der Bahn in nur fünf Monaten. Geht es so weiter,
droht in diesem Jahr bei der Bahn ein neuer Negativrekord der Gewalt.“
## Neuer Gipfel bei der Bahn gefordert
Der Linken-Abgeordnete hatte zu Jahresbeginn schon einmal ähnliche Zahlen
für die ersten zehn Monate 2025 erfragt. Damals wurden im Schnitt jeden Tag
fünf körperliche Angriffe auf Bahn-Beschäftigte registriert. Rechnerisch
waren es dieses Jahr 5,5.
Hinzu kämen rund 30 geschädigte Bundespolizisten pro Tag, sagte Bartsch:
„Das macht sprachlos.“ Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und
Bahnchefin Evelyn Palla müssten den Schutz des Personals durch alle
erdenklichen Maßnahmen verbessern. „Bahn und Innenminister sollten erneut
zu einem Gipfel zusammenkommen, um Entsprechendes zu verabreden und auf den
Weg zu bringen“, forderte der Linken-Politiker.
## Deutsche Bahn betont Veränderungen
[2][Die Deutsche Bahn widersprach] der Einschätzung, dass sich seit dem Tod
des Bahnmitarbeiters im Februar nichts verändert habe. Vielmehr seien
unmittelbar danach Maßnahmen zum Schutz von Mitarbeitenden und Fahrgästen
ergriffen worden, sagte ein Sprecher.
In Regionen, [3][in denen Übergriffe zunähmen,] würden neue
Sicherheitskonzepte erprobt. Der Sprecher nannte als Beispiele eine
Eins-zu-eins-Begleitung: Kundenbetreuer und Kundenbetreuerinnen hätten eine
Person mit Sicherheitskenntnissen an ihrer Seite. Im Juli sei ein
„Trageversuch mit stichfesten Westen“ hinzugekommen. Auch Bodycams hätten
sich bewährt, erklärte der Bahnsprecher.
Der CDU-Innenpolitiker Alexander Throm nannte die Zahlen aus der Statistik
gleichwohl beunruhigend. „Dieser Verrohung und Gewalt muss Einhalt geboten
werden“, sagte Throm. Er verwies auf das neue Bundespolizeigesetz, das in
dieser Woche den Bundestag passieren werde. Durch biometrische Erkennung
und den Einsatz von KI würden Gefahren an Bahnhöfen früher erkannt, meinte
der CDU-Politiker.
8 Jul 2026
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