# taz.de -- Hygienemangel in Hamburgs U-Haft: Keine frische Wäsche im Knast
> Ein Häftling sagt der taz, dass er trotz Hitzewelle nur ein T-Shirt und
> eine Unterhose für eine Woche erhielt. Die Behörde sagt, alles lief
> regulär.
IMG Bild: In den Zellen der Hamburger Untersuchungshaft kann es heiß werden – trotzdem soll es nicht genügend Wechselwäsche geben
Die [1][Hitzewelle um den 27. Juni] mit bis zu 40 Grad war nicht nur für
Hamburgs Obdachlose eine [2][große Belastung]. Auch im Gefängnis sei es
[3][schwer auszuhalten] gewesen, berichtet Leon Pawletzki der taz. Er sitzt
zurzeit im Haus C der Hamburger Untersuchungshaftanstalt. Jeden Freitag ist
dort Wäschewechsel. Aber am 26. Juni, dem Vortag der drohenden Hitzewelle,
habe er nur ein T-Shirt, eine Unterhose und ein paar Strümpfe für die ganze
kommende Woche erhalten.
Er schwitzte sehr stark in der Zelle. Wie heiß es dort war, kann Hamburgs
Justizbehörde nicht sagen, aber dass es Kühlgeräte nur bei einigen
Aufsichten gebe und Klimanalagen nur in den besonders gesichterten
Hafträumen der Stationen A2 und B2. Also nicht in den normalen Zellen wie
der von Leon Pawletzki. Er habe so stark geschwitzt, das seine Haut
darunter litt. „Es ist extrem rot geworden“, berichtet er. „Wenn man
versucht hat, den Schweiß wegzuwischen, dann ist die Haut abgerieben.“
Seine Kleidung habe er nicht wechseln können, sagt Pawletzki. Normalerweise
könne er drei, vier T-Shirts und Unterhosen in die Wäsche geben und bekomme
dafür die gleiche Anzahl frischer Wäschestücke zurück. „Diesmal haben sie
gesagt: „Nein. Du darfst nur ein T-Shirt tauschen“, erinnert er sich. „Und
dann hab ich da halt ein T-Shirt abgegeben und ein frisches bekommen. Das
Gleiche war mit der Unterhose und den Socken.“ Sein Eindruck sei gewesen,
dass die Insassen, die den Wäschetausch vornehmen, nicht genug
Wechselwäsche hatten.
Nach dem Wochenende sei die Hautreizung so stark gewesen, dass er zum Arzt
gegangen sei. Der gab ihm Salbe, die kortisonhaltig ist, und
Mullkompressen, um sie unter die Achseln zu tun. Auf Veranlassung der
Krankenschwester habe er dann auch noch ein frisches T-Shirt bekommen, aber
keine frische Unterwäsche.
## Rechtlicher Anspruch auf täglich frische Unterwäsche
Täglich frische Unterwäsche, so lautet ein [4][Urteil des
Oberlandesgerichts Hamm] aus dem Jahr 2014, gehört heute zu dem Standard,
der als Mindestmaß der Gesundheitspflege angesehen wird. Deshalb haben
Gefangene darauf einen Anspruch. Auch in Hamburg ist das formal so
geregelt. So erklärt die Justizbehörde auf taz-Anfrage: „In der
Untersuchungshaftanstalt Hamburg erhalten die Gefangenen einmal wöchentlich
ein Set mit Wechselwäsche, darin befinden sich mehrere T-Shirts und u. a.
für jeden Tag frische Unterwäsche (Unterhosen, Socken). Darüber hinaus ist
den Gefangenen die Handwäsche der Kleidung täglich möglich.“
Auch an jenem 26. Juni hätten die Insassen in Haus C „Wechselwäsche für
jeden Tag bekommen“, versichert Justizsprecher Dennis Sulzmann. Wegen
fehlender Angaben zur Person des mutmaßlich benachteiligten Gefangenen
könne „keine Prüfung des geschilderten Einzelfalls erfolgen“. Doch auch
nachdem die taz Namen und Zellennummer nannte, bleibt die Justizbehörde
dabei, dass der Wäschewechsel im besagten C-Flügel „regulär“ verlief. Sie
gab aber auf die Frage, wie viele Wäschestücke die Insassen der Station 5
und wie viele speziell Leon Pawletzki an jenem Freitag, den 26. Juni,
ausgehändigt bekam, keine Antwort.
Co-Sprecher André Otto erläutert aber nun das Prozedere. In der Praxis sei
es so, dass die Gefangenen am Anfang der Haft oder auch jederzeit auf
Antrag „einmalig“ mit Anstaltswäsche ausgestattet würden. Dann könnten
diese einmal wöchentlich getragene Wäsche abgeben und dafür „1 zu 1 im
Tausch“ frische Wäsche erhalten. Was der einzelne Gefangene tausche, sei
„individuell“.
## Wäscheleinen sind verboten
Nur bleibt Leon Pawletzki dabei, dass er an jenem Freitag nicht mehr als
ein T-Shirt Wäsche wechseln durfte. Auch am Freitag, den 10. Juli, habe er
nur zwei T-Shirts, zwei Unterhosen und ein paar Socken für die ganze Woche
bekommen. Zwar habe er noch eigene verschwitzte Kleidung in der Zelle. Aber
die per Hand zu waschen, sei praktisch nicht möglich. „Man hat so eine
kleine Plastikwanne unterm Bett und da könnte man theoretisch drin
waschen“, sagt Pawletzki. Nur bekomme er die Kleindung nicht trocken, weil
die Anstalt in den Zellen keine Wäscheleinen erlaube.
„Die müssen einfach mehr Wäsche am Freitag austeilen“, fordert Pawletzki.
Gefangene sollten sieben Sets T-Shirts und Unterwäsche bekommen, damit sie
diese täglich wechseln könnten. Darin wird er zumindest von der Hamburger
Linksfraktion unterstützt. „Bei Temperaturen von bis zu 40 Grad ist saubere
Wäsche im Gefängnis keine Gefälligkeit, sondern eine grundlegende
Vorraussetzung für Hygiene und Gesundheitsschutz“, sagt deren
justizpolitischer Sprecher Jan Libbertz. Hitzeschutz und Hygienestandards
seien Teil der Verantwortung des Staates für eine menschenwürdige
Unterbringung. „Gerade vor dem [5][Hintergrund zunehmender Extremhitze]
muss der Strafvollzug seine Abläufe und Versorgungsstrukturen anpassen“,
sagt der Abgeordnete Libbertz. „Wenn es das nächste Mal über 30 Grad sind,
kann auch mal ohne Nachfrage eine Ersatzunterhose ausgegeben werden.“
12 Jul 2026
## LINKS
DIR [1] /Hitze-im-Norden/!6190256
DIR [2] /Hitzeaktionsplan-fuer-Hamburg/!6090238
DIR [3] /Hitzetote-im-Juni/!6194818
DIR [4] https://www.lawblog.de/archives/2014/09/29/taeglich-frische-unterwaesche-auch-im-knast/
DIR [5] /Heisse-Tage-und-Tropennaechte/!6188804
## AUTOREN
DIR Kaija Kutter
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