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       # taz.de -- Bericht des Robert-Koch-Instituts: Über 4.300 Hitzetote in einer Woche
       
       > Tausende Menschen sollen laut RKI an Folgen der Hitze gestorben sein – so
       > viele wie in der Hochphase der Coronapandemie. Betroffen sind vor allem
       > alte Menschen.
       
   IMG Bild: Besonders dramatisch ist die Hitze für alte Menschen in der aufgeheizten Wohnung
       
       kna | In der ersten Hälfte des Jahres sind nach Schätzungen des
       Robert-Koch-Instituts rund 5.100 Menschen in Deutschland hitzebedingt
       gestorben, davon über 4.300 allein in der letzten Juniwoche. Solche
       Dimensionen gab es zuletzt während der Hochphase der Coronapandemie im
       Winter 2020. Das berichtet das in Köln ansässige Science Media Center (SMC)
       am Donnerstag unter Berufung auf aktuelle Daten der Forschungseinrichtung
       der Bundesregierung.
       
       Laut Bericht des RKI machen Menschen im Alter von über 75 Jahren über 80
       Prozent der Hitzetoten aus. Außerdem verstürben mehr Frauen als Männer, was
       sich aber durch den höheren Frauenanteil in den älteren Gruppen erklären
       lasse.
       
       ## Viele unbekannte Faktoren
       
       Die Wissenschaftler des SMC weisen darauf hin, dass es bei der Schätzung
       von Hitzetoten viele unbekannte Faktoren gibt. Heiße Temperaturen könnten
       beispielsweise durch einen Hitzschlag zum Tod führen. „Doch oftmals sterben
       Menschen aufgrund einer Kombination von Faktoren wie Vorerkrankungen und
       Hitze. Daher wird Hitze selten als klarer Todesgrund erfasst, sodass genaue
       Daten nicht erhebbar sind.“
       
       Die Schätzungen des RKI-Wochenberichts beruhen auf Daten des Statistischen
       Bundesamts, wonach in der letzten Juniwoche etwa 23.600 Menschen starben.
       Das waren knapp 30 Prozent mehr als der mittlere Wert der Vorjahre, der bei
       etwa 18.200 Toten lag. Um die hitzebedingten Sterbefälle zu schätzen,
       modellierten die Forschenden, wie viele Todesfälle es stattdessen unter
       Bedingungen mit Temperaturen bis maximal 20 Grad Celsius gegeben hätte.
       Dabei spielen auch zum Beispiel langfristige Sterblichkeitstrends und
       saisonale Veränderungen eine Rolle.
       
       ## Gesundheitsrisiken ab 20 Grad Durchschnittstemperatur
       
       Ab einer Wochenmitteltemperatur – also den durchschnittlichen Tages- und
       Nachttemperaturwerten einer Woche – von etwa 20 Grad lässt sich nach
       Angaben der Wissenschaftler typischerweise ein Effekt von Hitze auf die
       Sterblichkeit beobachten. In der letzten Juniwoche betrug diese Temperatur
       in Deutschland über 26 Grad, regional wurden tagsüber Rekordtemperaturen
       von teilweise über 41 Grad gemessen.
       
       Zwischen 1992 und 2025 kam es nach Berechnungen des RKI immer wieder zu
       einzelnen Spitzen in den Hitzetotenzahlen. Dies war zum Beispiel in den
       Jahren 1994 und 2003 mit jeweils über 10.000 Hitzetoten der Fall. In der
       jüngeren Vergangenheit fielen die Hitzeperioden unterschiedlich aus: 2023
       und 2024 schwankte die Fallzahl um etwa 3.000 Verstorbene, vergangenes Jahr
       waren es um die 2.500 Hitzetote.
       
       Die bis zur letzten Juniwoche geschätzten 5.120 Hitzetoten im Jahr 2026
       sind im historischen Vergleich bereits ein höherer Wert. „Sollte es im Lauf
       des Sommers noch eine weitere vergleichbare Hitzephase geben, könnten im
       Gesamtjahr historische Höchstwerte erreicht werden“, erklärte das Science
       Media Center. Insgesamt aber mache Hitze einen eher kleinen Anteil an allen
       Todesursachen aus. Zum Vergleich: In Deutschland sterben im Schnitt knapp 1
       Million Menschen pro Jahr, starke Hitzejahre haben laut Schätzungen des RKI
       für rund 10.000 hitzebedingte Sterbefälle gesorgt.
       
       Neben der Zahl der Hitzetoten ist die hitzebedingte Morbidität – also durch
       Hitze verschlimmerte oder verursachte Erkrankungen – ebenfalls eine
       relevante Kenngröße. Betroffen sind vor allem Gruppen wie Vorerkrankte,
       ältere Menschen, Kinder, Schwangere und Menschen mit psychischen
       Erkrankungen. Diese Zahlen seien allerdings noch schwieriger zu erfassen.
       
       ## Kälte sorgt für mehr Todesfälle in Europa
       
       Die Leiterin der Forschungsgruppe Umweltrisiken am Helmholtz Zentrum
       München, Alexandra Schneider, wies zugleich darauf hin, dass bislang in
       Europa noch die Kälte zu mehr Todesfällen führt als die Hitze. „Dies ändert
       sich allerdings mit der globalen Erwärmung.“ Neben Todesfällen sollten auch
       hitzebedingte Erkrankungen, Krankenhauseinweisungen, die Belastung des
       Gesundheitssystems und die damit verbundenen Kosten in die Debatte
       einbezogen werden, forderte Schneider.
       
       Veronika Huber vom Institut des Spanischen Nationalen Forschungsrats
       erklärte auf Anfrage des SMC, es handele sich bei den Todeszahlen eher um
       konservative Schätzungen. Es sei zudem wissenschaftlich gut untersucht,
       dass sich die Hitze auf das Sterbegeschehen mit Verzögerungen von bis zu
       einigen Tagen oder sogar Wochen auswirke. „Die hitzebedingte Mortalität ist
       nur die Spitze des Eisberges. Es wäre wünschenswert, zum Beispiel auch
       hitzebedingte Krankenhauseinweisungen, das Aufsuchen von Notfallaufnahmen
       oder Rettungsdiensteinsätze nach einem extremen Hitzeereignis zeitnah
       abschätzen zu können.
       
       9 Jul 2026
       
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