# taz.de -- Nach Forderungen aus Union: Selbst Reiches Ministerium hält AKW-Reaktivierung für teuer
> Unionspolitiker behaupten, die Reaktivierung deutscher AKWs koste 10
> Milliarden Euro. Ausgerechnet das Wirtschaftsministerium weist diese
> Zahlen als unseriös zurück.
IMG Bild: Während der letzten Kraftwerksrevision im Oktober 2021 wurde der Reaktordruckbehälter des AKW Isar 2 letztmalig komplett entladen
Ausgerechnet das von [1][Katherina Reiche (CDU) geführte
Bundeswirtschaftsministerium] weist Zahlen zurück, wonach die
Wiederinbetriebnahme der sechs zuletzt abgeschalteten deutschen
Atomkraftwerke vergleichsweise günstig wäre. Auch dem Neubau von AKWs steht
das Ministerium einem Bericht an den Bundestagsausschuss für Wirtschaft und
Energie zufolge skeptisch gegenüber.
Immer wieder beklagen Reiche und andere Unionspolitiker:innen
[2][den deutschen Atomausstieg.] Unionsfrakionschef Jens Spahn etwa fordert
ein Wiederanfahren mit der Behauptung, das sei mit Kosten von rund 10
Milliarden Euro vergleichsweise günstig. Anlass für diese Diskussion sei
eine Studie der US-amerikanischen Beratungsgesellschaft Radiant Energy
Group, so das Ministerium in seinem Bericht. Danach kostet eine
Reaktivierung rund 11,9 Milliarden Euro. Die Studie basiere auf limitierten
Annahmen zu Aspekten wie Kosten, Zeitplänen, Finanzierung, heißt es in dem
Bericht. Voraussetzungen wie Genehmigungsfragen, Finanzierung und
Entsorgung seien nicht nachvollziehbar berücksichtigt.
„Eine verlässliche Kostenschätzung einer nach Atomgesetz rechtlich nicht
erlaubten Wiederinbetriebnahme der außer Betrieb genommenen Kernkraftwerke
kann auf Basis der vorliegenden Informationen nicht vorgenommen werden“,
schreibt Reiches Ministerium. Das gelte auch für die Strompreise. Der
Streckbetrieb der letzten drei Atomkraftwerke von Januar bis Mitte April
2023 habe nur geringe Auswirkungen auf den Strompreise gehabt.
## Sehr hohe Kostensteigerungen bei neuen Meilern
Das Ministerium bekämpfe die atomaren Phantomschmerzen bei der Union,
kommentierte der grüne Bundestagsabgeordnete und früher
Wirtschaftsstaatssekretär Michael Kellner den Bericht: „Frau Reiche zeigt
überzeugend, warum die Atomkraftwerke nicht wieder in Betrieb genommen
werden.“
Auch gegenüber neuen Meilern ist das Ministerium skeptisch. Internationale
Beispiele zeigten, dass Neubauprojekte „mit teils sehr hohen
Kostensteigerungen und Zeitverzögerungen“ verbunden waren, vor allem in den
USA, Frankreich, Großbritannien und Finnland. Vielen Bauvorhaben fehlten
Investoren. „Zudem ist zu beachten, dass auch die Kosten für den Rückbau
sowie [3][die Endlagerung] nicht unberücksichtigt bleiben dürfen“, schreibt
das Ministerium.
9 Jul 2026
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## AUTOREN
DIR Anja Krüger
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