# taz.de -- WM-Viertelfinalist Schweiz: Die letzten Exoten
> Das europäische Kap Verde? Das Curaçao der Alpen? Das Mittelmeer-Haiti?
> Was wir über die Schweiz wissen, den unbekanntesten Viertelfinalisten der
> WM.
IMG Bild: Schweizer Fußballalltag
## Ein Fußballland
Was denn sonst? Über 4.517 kartierte Fußballfelder wurden gezählt. Die
Anzahl der Berge wird mit der Angabe über 3.000 dagegen nur geschätzt.
Schon dreimal hat die Schweiz ein WM-Viertelfinale erreicht. Einmal verlor
sie gegen die Tschechoslowakei, ein Land, das es gar nicht mehr gibt. Ein
zweites Mal gegen Ungarn, das auch keine Fußballmacht mehr ist. Und das
dritte Scheitern in einem WM-Viertelfinale war die „[1][Hitzeschlacht von
Lausanne]“, das torreichste Spiel der WM-Geschichte: eine 5:7-Niederlage
gegen Österreich. Und warum erinnert sich niemand daran? Weil all das 1934,
1938 und 1954 passiert ist. Ansonsten ist die Schweiz gern gesehener
Gegner, wenn Deutschland weltgeschichtlich aufmuckt: 1920 das erste
Länderspiel nach dem Ersten Weltkrieg, 1950 das erste Länderspiel nach dem
Zweiten Weltkrieg, 1990 erstes Länderspiel mit Ex-DDR-Kickern.
## Ein Land mit Fußballsprache
Mag sein, dass in der Schweiz das gleiche Spiel betrieben wird, beschrieben
wird es anders: Ein Fußballer ist ein Tschütterler, weil er tschuttet, und
das ist eine Einschweizerung von „to shoot“. Tschuttet er in den Winkel,
trifft er ins Angeli. Schießt er völlig daneben, war’s ein Füdlipass. Und
ist er nur Ersatzspieler, ist er ein [2][Bänkliwärmer]. Sehr schön ist auch
Bitschigletta, Fallrückzieher, das ans italienische Wort für Fahrrad
angelehnt ist, und sich am englischen Begriff „bicycle kick“ orientiert.
Andere Eigenarten wie „Goalie“, „Corner“, „Penalty“ oder „Match“ fallen da
kaum noch auf. Dass die Auswahl „[3][Nati]“ gerufen wird, wobei das „t“ als
„z“ gesprochen wird, ist natürlich auch … interessant.
## Ein Land mit Fußballverbänden
Die Abgeschiedenheit hinter den Bergen hat eine Vorliebe für Vereinsmeierei
hervorgebracht, die die Schweiz bis heute prägt. Jeder darf dabei
mitmachen. Auch die Fifa und die Uefa. Kümmern die sich doch um Fußball –
und spielt man den nicht in Vereinen? Klar, dass auch ihre Verbände so
organisiert sein müssen, zumal sie einen Vorstand haben plus eine Satzung,
in der was von Fußball und Weltfrieden steht. Heißt also: Hier gilt
selbstverständlich auch steuerlich das Vereinsrecht, ein hübscher Rabatt –
12 statt 21 Prozent [4][Steuern]. Dass diese Vereine einen eigenen
Wolkenkratzer und Privatjets besitzen sowie Milliardensummen umsetzen, geht
für die Eidgenoss:innen voll in Ordnung. Schließlich sind sie keine
Hinterwäldler und Freunde mit Geld immer willkommen.
## Ein Land der Demokratie
Die Schweizer:innen lieben es, über wirklich alles Volksabstimmungen
abzuhalten. Bekannt wurde etwa die Hornkuh-Initiative (2018), die per
Volksvotum Anreize gegen die Enthornung von Kühen und Ziegen setzen wollte
– vergeblich. Der Neubau von [5][Minaretten] wurde 2009 verboten. Stadien
werden bis heute gebaut, sonst wäre der Schweizer Fußball nicht da, wo er
jetzt steht. Einfach ist das aber nicht. Seit über 20 Jahren soll in Zürich
ein Stadion gebaut werden. Vier Volksabstimmungen hat es insgesamt
gebraucht. Nun wartet man auf ein Urteil des Bundesgerichts Lausanne.
## Ein Land mit Eisenbahn
Was die Schweizer:innen hassen, sind Überraschungen, vor allem negative,
die sie als persönliche Beleidigung empfinden. [6][Unpünktlichkeit] zum
Beispiel bringt ihr gesamtes Uhrwerk durcheinander. Daran haben sich auch
ihre Bahnen angepasst, die schließlich auch von einem Schweizer geführt
werden. Züge aus dem schlampigeren Nachbarland Deutschland fängt man
inzwischen schon an der Grenze ab, wenn sie dort mehr als 10 Minuten zu
spät ankommen, damit sie den schönen Fahrplan nicht durcheinander bringen.
Seitdem könnte dieser sogar mit Sekundenangaben gedruckt werden.
## Ein Land fast ohne Klischees
Was es zum Erfolg einer Schweizer Nati braucht? Natürlich einen offiziellen
Uhrenlizenzpartner und einen offiziellen Schokoladenlizenzpartner. Das ist
kein [7][Klischee], sondern gelebte Schweizer Realität. „Auch für uns
bleibt die Zeit nie stehen“, erklärte damals der oberste Schweizer
Fußballfunktionär beim Vertragsabschluss mit einem selbstverständlich
familiengeführten Schweizer Uhrenunternehmen. In diesem Zusammenhang fällt
das Fehlen eines offiziellen Käselizenzpartners auf. Gerüchten zufolge
nimmt der Verband von derlei Kooperationen grundsätzlich Abstand. Zu sehr
hat sich das Sprachbild durchgesetzt, dass eine Abwehr so löchrig wie ein
Schweizer Käse sei.
## Ein Land mit großen Namen
Große Fußballprominenz hat es in die Schweiz geschafft. Ottmar Hitzfeld,
Timo Konietzka und Helmut Benthaus nahmen etwa die schweizerische
Staatsbürgerschaft an, und Lucien Favre hatte sie schon, als er als Coach
in Deutschland anheuerte. Spieler wie Ciriaco Sforza, Stéphane Chapuisat,
Alain Sutter, Granit Xhaka oder Yann Sommer bereicherten die Bundesliga.
Und [8][Alex Frei] tat nicht nur das, sondern arbeitet mittlerweile als
zertifizierter Käsesommelier. Berühmt ist die von ihm kreierte
Rohmilchmischung aus Vacherin, Gruyère und Walliser Bergkäse, die mit
Aargauer Kirsch veredelt wird.
11 Jul 2026
## LINKS
DIR [1] https://www.filmarchiv.at/de/filmarchiv-on/video/f_033OQmNUCqF39W0fbuwbEa
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DIR [7] /EM-Land-Schweiz/!6097207
DIR [8] https://www.bazonline.ch/alex-frei-lanciert-eigenes-kaesefondue-verkaufsschlager-im-sutter-begg-571518940619
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