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       # taz.de -- Bildungspolitik in Hamburg: Sparpläne im Wochentakt
       
       > Trotz Ferienbeginns bangen Eltern in Hamburg weiter um die passende
       > Schulbegleitung für ihre Kinder. Nun werden Kürzungen für Ganztagsschulen
       > publik.
       
   IMG Bild: Wenn Inklusion gelebt werden soll, laufen viele Eltern gegen eine gläserne Wand
       
       In Hamburg hat das Schuljahr [1][ein turbulentes Ende] genommen.
       Schulsenatorin Ksenja Bekeris (SPD) wünschte in einem Video „ganz, ganz
       tolle Ferien“ und traf damit nicht so ganz den Nerv. Denn viele Eltern
       bangen gerade um die Schulbegleitung ihrer Kinder.
       
       Arno G. zum Beispiel erfuhr am letzten Schultag, dass sein Sohn zwar weiter
       eine Begleitung mit gleicher Stundenzahl bewilligt bekommt, aber nicht mehr
       für eine pädagogisch qualifizierte Kraft. „Also verliert er seinen
       vertrauten Schulbegleiter“, sagt der Vater. „So ein Wechsel erschwert
       besonders für autistische Kinder den Schulbesuch.“
       
       Tags zuvor hatte der Träger „Leben mit Behinderung“ bekannt gegeben, dass
       er aus der Anschluss- und Ferienbetreuung an drei Sonderschulen aussteigt.
       Mit [2][„So nicht!“ ist die Meldung] überschrieben. „Unser Engagement an
       den Schulen endet mit den Sommerferien“, schreibt der von Eltern gegründete
       Verein. „Wir bedauern sehr, diesen Weg gehen zu müssen.“
       
       Ein guter Ganztag sei eine wichtige Voraussetzung, um Kindern mit
       Behinderung bei ihrem Start in ein Leben in einer inklusiven Gesellschaft
       zu begleiten. Darum verhandle der Träger seit zwei Jahren darüber, wie
       [3][faire Arbeitsverträge] nach Tarif mit dem Mitarbeitenden zu erwirken
       sind. Die Schulbehörde wolle aber den Vorschlägen nicht folgen.
       
       ## Profibegleitung nur in Ausnahmefällen
       
       Das Fass zum Überlaufen brachte offenbar die neue Ansage, dass in der
       Anschlussbetreuung verstärkt junge Menschen, die ein [4][Freiwilliges
       Soziales Jahr (FSJ)] machen, Schulbegleiter sein sollen. „Wir halten es für
       den komplett falschen Weg, gerade bei Kindern mit komplexem Assistenzbedarf
       unerfahrene junge Menschen statt qualifizierte Fachkräfte einzusetzen“,
       sagt Bereichsleiterin Maren Seelandt.
       
       Erst am 1. Juli hatten rund tausend Eltern gegen das neue Konzept der
       [5][Schulbegleitung demonstriert]. Hamburgweit erhielten zuletzt 4.011
       Schüler diese Unterstützung. Auf diese Leistung haben die Kinder einen
       Rechtsanspruch. In diesem Jahr nun zog die Behörde die „finale
       Entscheidung“ der Bewilligung zentral an sich. Und gab es bisher viele
       Kinder, die wie der Sohn von Arno G. von pädagogischem Personal begleitet
       werden, soll dies künftig nur noch in „Ausnahmefällen“ geschehen.
       
       In der Regel soll die Schulbegleitung von jenen FSJlern oder sonstigen
       „sozial erfahrenen“ Kräften geleistet werden. Und Kinder mit Förderbedarfen
       im Bereich Lernen, Sprache und sozial-emotionale Entwicklung sollten im
       ersten Schuljahr ohne Begleitung starten.
       
       Schulsenatorin Bekeris wehrte sich öffentlich gegen den Vorwurf, hier
       [6][werde pauschal gekürzt] und sprach von „Alarmismus und Panikmache“.
       Denn im Haushalt 2027 seien 44 Millionen Euro dafür eingeplant, ein Anstieg
       gegenüber den 42,15 Millionen Euro im Vorjahr.
       
       Die Schulbegleitung werde lediglich weiterentwickelt, um ein Verfahren zu
       schaffen, das sich am Bedarf orientiert, versicherte Bekeris. Und ihre
       Sprecherin hatte Ende Juni gegenüber der taz versprochen, das alle Eltern
       noch vor den Sommerferien über die Entscheidungen informiert würden.
       
       „Viele Eltern wissen noch nicht Bescheid, welche Schulbegleitung für ihr
       Kind bewilligt wurde“, sagte indes Marietheres Spallek vom Kreiselternrat
       der speziellen Sonderschulen am ersten Ferientag. Die Lage sei
       „unübersichtlich“. Sie höre, die Behörde wolle ein Funktionspostfach und
       eine Hotline einrichten, damit Eltern sich auch in den Ferien an sie wenden
       können. Zum Teil würden Stundenkürzungen auch wieder korrigiert, wenn
       Eltern sich beschwerten.
       
       „Uns ist nicht klar, ob das nur passiert, wo Eltern und Schulen mit
       Nachdruck eine Korrektur fordern, oder ob sie wirklich noch mal alles
       anschauen“, sagt die Elternsprecherin. In jedem Fall sei die Unsicherheit
       sehr belastend. „Ich bin absolut kaputt von den letzten Wochen. Das geht
       anderen Eltern auch so.“
       
       „Es ist absolut verworren“, sagt auch die Kristin L. Für ihren Sohn, das
       erfuhr sie mündlich, wird nun doch eine qualifizierte Kraft bewilligt.
       „Aber der Mitarbeiter, der das machte, wurde von seinem Träger schon
       gekündigt.“ Und nur mit einer mündlichen Zusage stelle der ihn nicht wieder
       ein.
       
       Die Bildungsbehörde lässt sich derweil nicht gern in die Karten schauen.
       Die Frage der taz, wie viele Widersprüche eingingen und in welchem Umfang,
       in welchen Kategorien Schulbegleitung bewilligt wurde, ließ sie bis zum
       Redaktionsschluss unbeantwortet. Ebenso die Frage, ob es für die drei
       Sonderschulen nach dem Ausstieg von „Leben mit Behinderung“ schon einen
       Ersatz gibt.
       
       Derweil berichtet die Linksfraktion von neuen Sparplänen. So sollen
       Hamburgs 75 Ganztagsgrundschulen ab August 2027 ohne zusätzliche Lehrkräfte
       auskommen und stattdessen Erzieher und Honorarkräfte die Ganztagsbetreuung
       leisten. Auch diese Standardabsenkung teilte die Behörde den Schulen vor
       den Ferien in einem Brief mit.
       
       Die Linken-Schulpolitikerin Sabine Ritter sagt, dass so das Konzept des
       rhythmisierten Ganztags, bei dem Lehrkräfte auch nachmittags anwesend sind,
       gefährdet werde. „Erst Schulbegleitung, jetzt der Ganztag: Fast schon im
       Wochentakt kommt der Kürzungshammer auf unsere Schulen“, kritisiert Ritter
       und spricht von einer „Salamitaktik“.
       
       10 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Inklusion-in-der-Bildung/!6191038
   DIR [2] https://lmbhh.de/aktuelles/presse/pressemitteilungen/so-nicht
   DIR [3] /Unterfinanzierte-Inklusion-in-Hamburg/!5932674
   DIR [4] /Schulbehoerde-vertroedelt-Inklusion/!5880076
   DIR [5] https://gest-hamburg.de/event/demo-keine-kuerzung-von-schulbegleitung/
   DIR [6] https://www.linksfraktion-hamburg.de/drohende-einschraenkungen-bei-den-schulbegleitungen-stellen-inklusion-in-frage/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Kaija Kutter
       
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