# taz.de -- Wirtschaftslage in Iran: Katastrophe nach kurzer Erholung
> Die jüngsten US-Angriffe nehmen den Menschen in Iran die Lebensgrundlage.
> Lebensmittelpreise explodieren und die Landeswährung verliert rasant an
> Wert.
IMG Bild: Die am 13. April verhängte US-Seeblockade iranischer Häfen verunmöglichte große Teile des persischen Außenhandels
Einer der vielen Treffer der US-Angriffswelle in der Nacht zum Donnerstag
hatte es richtig in sich: Die Aq-Tekeh-Khan-Brücke in der nordiranischen
Provinz Golestan wurde schwer von einer Cruise Missile getroffen. Die
Brücke ist Teil einer Eisenbahnverbindung, die das Land mit seinen
wichtigen Partnern China und Russland verbindet. Sie war bis zu dem Treffer
die Überlebensader Irans, seit die USA den Schiffsverkehr aus und in
iranische Häfen blockiert haben.
[1][Die am 28. Februar begonnenen und durch ein vorläufiges Abkommen am 17.
Juni beendeten Bombenangriffe der USA und Israels] haben große Teile der
iranischen Infrastruktur und Industrie zerstört und so eine galoppierende
Inflation sowie Massenarbeitslosigkeit angeheizt.
Weitgehend zerstört wurde mit Mobarakeh Steel der größte Stahlproduzent in
der gesamten Golfregion. Die am 13. April verhängte US-Seeblockade
iranischer Häfen verunmöglichte große Teile des persischen Außenhandels.
Mit dem vorläufigen Waffenstillstand am 17. Juni keimte Hoffnung auf
Besserung auf.
[2][Jetzt herrscht riesige Angst, dass neben den nächtlichen Bombardements
auch die Wirtschaftskatastrophe wieder voll um sich greift]. „Wir haben
unsere Möbel und Teppiche verkauft, nur um über die Runden zu kommen“,
erzählt Masud aus Teheran. Aus Angst vor Repressionen benutzt er einen
anderen Namen für das Interview mit Radio Farda – einen Sender des
US-finanzierten Radio Free Europe/Radio Liberty.
## Brotverkauf in der U-Bahn
Vor zwei Monaten wurde er arbeitslos und stellte nun zu Hause Sandwiches
her, um sie in der Teheraner U-Bahn zu verkaufen. „Ich habe meinen
Entsafter verkauft, nur um die Strom-, Telefon- und Hausverwaltungskosten
zu bezahlen“, sagt er. Laut eines Berichts der iranischen Handelskammer hat
die Entspannung der militärischen Lage zwar den unmittelbaren Schock für
die Industrie abgemildert.
„Jedoch hat sie kaum dazu beigetragen, die strukturellen Engpässe zu
beseitigen, unter denen die Hersteller leiden: Der eingeschränkte Zugang zu
Devisen, Störungen in den Lieferketten, Liquiditätsengpässe, steigende
Produktionskosten, Energieungleichgewichte und regulatorische
Unsicherheiten beeinträchtigten weiterhin die Produktion, die Investitionen
und die Beschäftigung in der gesamten Branche.“
Der rasante Fall der Landeswährung Rial und die mit aktuell erwarteten 130
Prozent weltweit höchste Inflation erkläre, dass die „iranische Zentralbank
den Geschäftsbanken die Kreditvergabe unmöglich macht“. So umschreibt es
Alireza Ramezani, Direktor des Finanzanalysten Iran Macro & Risk, Teherans
Geldpolitik.
Der Preis für das berühmte in Lehmöfen gebackene Sangak-Fladenbrot hat sich
innerhalb eines Jahres verdoppelt – obwohl der Staat Mehl für Bäckereien
massiv subventioniert. Der Rial ist die schwächste Währung der Welt: Der
Kurs fiel binnen acht Jahren um 3.400 Prozent – auf 1,9 Millionen Rial für
einen Dollar nur wenige Tage vor dem Waffenstillstand.
## Digitale Dunkelheit
Dann erholte sich Irans Wirtschaft: Der Rial stieg am 19. Juni auf
1.550.000. Kurz zuvor machte Teherans Börse nach 80 Tagen Schließung wieder
auf und erklomm die historische Rekordmarke des Tedpix-Index von 5.151.000
Punkten. Nach 88 Tagen Sperre, die die 90 Millionen Menschen in Iran in
digitale Dunkelheit zwangen und Hunderttausende Kleinfirmen, die über das
Internet Geschäfte machen, wurde das Internet wieder eingeschaltet.
Allerdings seien die langen Ladezeiten und die Drohungen, wieder
abzuschalten, „wie die Verlegung von Menschen aus der Isolationshaft in den
allgemeinen Gefängnisbereich“, ätzte der iranische Podcaster Arash
Nalchegar auf X. Afshin Kolahi von der iranischen Handelskammer addierte
die täglichen direkten und indirekten Verluste durch die Internetsperre auf
täglich 120 Millionen Dollar.
Die Aufhebung der Seeblockade und des Ölembargos der USA ließ Hoffnung
aufkeimen. Der Rohölexport werde schnell wieder das Vorkriegsniveau von
1,66 Millionen Barrel am Tag erreichen, erklärte Irans Ölministerium. Doch
nach Drohnenangriffen auf drei Tanker aus Katar und Saudi-Arabien in der
Straße von Hormus verhängte Washington am Dienstag erneut ein
Ölexportverbot.
US-Finanzminister Scott Bessent spricht von der „Operation Economic Fury“:
Die bereits geschwächte Wirtschaft Irans solle gelähmt und Teheran zu einem
Friedensabkommen mit Washington gezwungen werden. Und so hätten die
Menschen wieder Angst, dass ihnen das Geld ausgehe, sagte der in Teheran
ansässige Wirtschaftswissenschaftler Javad Rahimpour.
9 Jul 2026
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## AUTOREN
DIR Mathias Brüggmann
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