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       # taz.de -- Nachruf auf Bonnie Tyler: Rocksängerin mit unverhohlenem Glam
       
       > Dramatisch mit verwehter Frise glänzte Bonnie Tyler in zahlreichen Hits
       > vor allem in den 1980er Jahren. Am Donnerstag ist sie mit 75 Jahren
       > gestorben.
       
   IMG Bild: Die Sängerin Bonnie Tyler ist im Alter von 75 Jahren verstorben
       
       Sie hatte sich, in einem Interview im vorigen Jahr, vorgestellt, in zehn
       Jahren noch zu singen, auf der Bühne zu stehen, ihre mähnige Frisur hin-
       und herzuwerfen, den dazugehörigen Glam zu genießen, alle Spots auf sich
       gerichtet: Bonnie Tyler, 1951 als Kind eines Kohlenarbeiters und einer
       Hausfrau und mit fünf Geschwistern in Skewen, Wales, zur Welt gekommen, ein
       Mädchen aus proletarischem Haus, tiefreligiös, protestantisch.
       
       Schon früh wurde sie als Wesen mit schöner Stimme erkannt. Hier mal ein
       Kirchenchorauftritt, später, als Teenager, erste Versuche als
       Backgroundsängerin in einer Band – [1][Elvis Presley] war der ästhetische
       Gott ihrer frühen Jahre.
       
       Dass sie berühmt werden würde, zwei Grammys gewinnen und bis in ihre letzte
       Zeit ihren, wie sie sagte, Traum leben könnte, nämlich berufstätig auf der
       Bühne zu stehen, ahnte sie natürlich nicht. Aber, wie es sich für sehr
       ehrgeizige G*rlz gehört, sie hatte nicht resigniert: Ihr erster Hit war
       1976 [2][„Lost in France“].
       
       Wenig später, noch erfolgreicher [3][„It’s a Heartache“] 1977 – noch ohne
       diese gewisse Brüchigkeit in ihrer Stimme, die zog sie sich erst infolge
       einer Stimmbandoperation zu, aber man konnte heraushören, dass sich da eine
       mit dem Geschichtseintrag als „One-Hit-Wonder“ nicht zufriedengeben wollte.
       
       ## Das Glück des richtigen Produzenten
       
       Tyler, von der so gut wie keine Boulevardgeschichten mit Scheidungen,
       Trennungen oder Ähnlichem überliefert waren, sollte schließlich in die
       Countryecke geschoben werden. Aber das war ihr zu lieblich und brav. Und
       sie hatte Glück, auf einen Produzenten wie Jim Steinman zu treffen. Der
       bastelte aus ihrem Stimmlichen eine Rocksängerin mit unverhohlenem Glam.
       
       Immer noch – und bis zu ihren letzten Veröffentlichungen – ging es um Liebe
       und nichts als diese, ums Verlassenwerden.
       
       Die Achtziger, befördert durch Steinman und andere, das waren für sie (und
       ihr entzücktes Publikum) Songs wie [4][„Total Eclipse of the Heart“],
       „[5][Faster than the Speed of Light]“, das (mit [6][Shakin’ Stevens])
       charmante „[7][Rockin’ Good Way]“, vor allem aber das sechsminütige
       Überpompdramastück „[8][Loving You’s a Dirty Job (But Somebody’s Gotta Do
       It)]“ mit Todd Rundgren ist ein Juwel in ihrer Sache: nie wirkte sie
       dramatischer, ihre Frise verwehter und umtoster, die Stimme, ja nie perfekt
       timbriert, hier rau und verletzlich zugleich. Dazu im Übrigen ein nicht
       sehr sparsam eingesetzter Chor mit hysterisch anmutenden Interventionen …
       Bonnie Tylers eigentliches Signature Poem.
       
       Die weiteren Jahre waren natürlich auch ein Ringen um weitere Erfolge, aber
       sie war ja ohnehin im Olymp des Pop fest vertäut, im Erinnerungsspeicher
       der Menschen (und Pophörenden) ihrer Zeit.
       
       ## Die Briten glaubten an sie, 2013 beim ESC
       
       2013, als die britische BBC in puncto ESC völlig ratlos war, bat der Sender
       sie um [9][die Teilnahme für Großbritannien]. In Stockholm belegte sie
       [10][einen 19. Platz], der jugendorientiert gewordene ESC hatte damals kein
       Herz für Veteraninnen und in ihrem Fall ihr „[11][Believe in Me]“ – ein
       eher ruhiges Stück, bei dem Tyler, verheiratet ein erwachsenes Leben lang,
       ihre Rockstimme prima zur Geltung bringen konnte.
       
       Gesundheitlich war Tyler seit Wochen angeschlagen, einige Zeit im Koma,
       wieder aufgewacht, kommende Auftritte avisierend, etwa am 21. Juli im
       Harzer Bergtheater in Thale. Sie schmähte nie kleinere Orte, sie kam selbst
       aus einem …
       
       In Faro an der Algarve ist Bonnie Tyler am Donnerstag eben 75-jährig
       gestorben. Sie selbst sagte vor nicht langer Zeit: „Ich hatte ein
       großartiges Leben.“
       
       9 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /EPiC-Elvis-Presley-in-Concert-von-Baz-Luhrmann-Den-Koenig-huldigen/!6157204
   DIR [2] https://www.youtube.com/watch?v=gK-SVR86ThY&list=RDgK-SVR86ThY&start_radio=1
   DIR [3] https://www.youtube.com/watch?v=bEOl38y8Nj8&list=RDbEOl38y8Nj8&start_radio=1
   DIR [4] https://www.youtube.com/watch?v=lcOxhH8N3Bo&list=RDlcOxhH8N3Bo&start_radio=1
   DIR [5] https://www.youtube.com/watch?v=jm4CgwRxw3Y&list=RDjm4CgwRxw3Y&start_radio=1
   DIR [6] https://de.wikipedia.org/wiki/Shakin%E2%80%99_Stevens
   DIR [7] https://www.youtube.com/watch?v=vBwfCB5OYvU&list=RDvBwfCB5OYvU&start_radio=1
   DIR [8] https://www.youtube.com/watch?v=PcfLoyxJTro&list=RDPcfLoyxJTro&start_radio=1
   DIR [9] /Kolumne-Melodien-aus-Malmoe-9/!5067126
   DIR [10] /Ticker-ESC-2013/!5067114
   DIR [11] https://www.youtube.com/watch?v=-agn-ERgTXA&list=RD-agn-ERgTXA&start_radio=1
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Jan Feddersen
       
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