# taz.de -- Krisensitzung der Berliner CDU: Steht Kai Wegner vor der Ablösung?
> Am Freitag beraten die Kreischefs der CDU über die Zukunft von Kai
> Wegner. Zuvor hat die SPD erklärt, eine Senatsbeteiligung gebe es nur
> ohne Wegner.
IMG Bild: Der Wackelkandidat unter den Spitzenkandidaten
Es könnten die letzten Tage in Berlin mit Kai Wegner als Spitzenkandidat
der Berliner CDU sein. Am Freitagabend kommen die Kreisvorsitzenden der
Partei zusammen. Was als turnusmäßiges Treffen einberaumt wurde, wird nun
zur Krisensitzung. Denn die Kritik an Berlins Regierendem Bürgermeister
kommt inzwischen auch aus den eigenen Reihen.
Am Donnerstag wurde ein Interview veröffentlicht, dass der Vorsitzende der
Berliner Jungen Union (JU), Harald Burkart, dem Nachrichtenportal The
Pioneer gab. Ein Grund für den Negativtrend der CDU in den Umfragen sei
auch ein „Glaubwürdigkeitsproblem an der Spitze“, sagte Burkart und
forderte Kai Wegner auf, seine Kandidatur zurückzuziehen.
„Kai Wegner sollte heute unmissverständlich erklären, dass er nicht mehr
als Spitzenkandidat für das Amt des Regierenden Bürgermeisters antritt“,
forderte Burkart. Stattdessen solle jemand kandidieren, „der in seiner
persönlichen Integrität unangreifbar“ sei.
Beim Krisentreffen am Freitag soll Kai Wegner nach Informationen der taz
alle Karten auf den Tisch legen. „Die Geschichte ist noch nicht auserzählt,
es fehlt die Begründung. Er muss erklären, was er am Vormittag des
Stromausfalls am 3. Januar tatsächlich gemacht hat“, hieß es aus
CDU-Kreisen. Bei der Krisensitzung müsse er „ungeheuer performen, um zu
überzeugen“.
[1][Am Dienstag hatte der Tagesspiegel darüber berichtet], dass es, anders
als von Wegner behauptet, bis 12.45 kein Telefonat gegeben habe. Diese
Aussage der Senatskanzlei hatte das Blatt juristisch erzwungen. Wegner
selbst hatte nach dem Stromausfall behauptet, bereits um 8.08 Uhr das erste
Telefonat geführt zu haben.
## Viele Gerüchte machen die Runde
Auch in der CDU ist die Verwunderung groß, wie sehr Kai Wegner seinen
politischen Instinkt vermissen ließ. Eigentlich sei er ein Mensch mit einem
guten politischen Gespür. „Aber das hat ihn offensichtlich in diesem Fall
verlassen“, sagt ein Christdemokrat der taz. Erklären könne man sich das
nur so, dass er möglicherweise bei einer anderen Person im Wort stehe.
„Vielleicht muss er etwas schützen, was wichtiger ist als seine eigene
politische Reputation.“
Nicht auszuschließen ist, dass es in der Runde der Kreisvorsitzenden auch
um die Ablösung Wegners als Spitzenkandidat geht, zu dem er beim Parteitag
am 9. Juni gekürt worden war. In der CDU ist inzwischen helle Panik
ausgebrochen, viele Abgeordnete fürchten angesichts der jüngsten Umfrage um
ihre Wiederwahl. Im [2][Berlin-Trend des RBB] lag die CDU mit 17 Prozent
nur noch auf dem vierten Platz.
[3][Laut Focus werden inzwischen auch Namen gehandelt.] Neben Finanzsenator
Stefan Evers gehört auch Falko Liecke dazu. Der Staatssekretär für Jugend
und Familie ist gleichzeitig Vorsitzender des eher konservativen
CDU-Kreisverbandes in Neukölln.
## Krach will nicht mit Wegner
Den Druck auf Kai Wegner hatte am Donnerstag auch die SPD erhöht. Nach dem
Bekanntwerden der nachweislichen Lüge war Spitzenkandidat Steffen Krach auf
maximale Distanz gegangen. „Ich werde es in keiner Konstellation zulassen,
dass Kai Wegner in einem künftigen Senat eine Rolle übernehmen kann“,
erklärte Krach am Donnerstag.
Die Aussage ist ungewöhnlich für einen Politiker einer Partei, die noch
immer mit der CDU eine Senatskoalition bildet. Selbst nach Sondierungen und
Koalitionsverhandlungen gab es bislang keine roten Linien, was das Personal
anderer Parteien betrifft. In der Regel gilt die Sprachregelung: Für das
Personal ist der Koalitionspartner selbst verantwortlich.
Dass Steffen Krach nun derart in die Offensive geht, hat auch damit zu tun,
dass eine Rücktrittsforderung an Kai Wegner, die nach den jüngsten
Ereignissen weitaus naheliegender wäre, für die SPD nicht infrage kommt.
Würde Wegner der Forderung nicht nachkommen, müsste die SPD die Koalition
verlassen. Das aber schließt Steffen Krach aus.
„74 Tage vor der anstehenden Wahl werde ich keinen Koalitionsbruch
forcieren, das können wir den Berlinerinnen und Berlinern nicht zumuten“,
schreibt Krach in einer Mitteilung. „Das sage ich auch ganz bewusst in
Richtung von CDU-Wählern, für die ihre Partei durch Kai Wegner unwählbar
geworden ist.“
Die Retourkutsche kam am Donnerstag von CDU-Generalsekretärin Ottilie
Klein. „In Berlin entscheidet nicht Herr Krach über mögliche Koalitionen,
sondern noch immer die Parteien – nach der Wahl“, ließ Klein mitteilen –
und setzte noch einen drauf. Immerhin habe Steffen Krach nun gesagt, wo er
seine eigene Rolle sehe – „als Juniorpartner einer Koalition unter Führung
der Linkspartei – einer Partei, die bewusst antisemitische und
polizeifeindliche Stimmungen bedient“.
Die Berliner Linkspartei hatte sich bereits am Dienstag von Wegner
distanziert – allerdings ohne seinen Rücktritt zu fordern. „Wer drei Mal
lügt, den wählt man nicht“, sagte Spitzenkandidatin Elif Eralp. Für die
Grünen ergriff Fraktionschefin Bettina Jarasch das Wort: „Wegner hat in
mindestens drei Fällen falsche Angaben zu seiner dienstlichen Tätigkeit
während des Stromausfalls gemacht“, teilte sie am Dienstagabend mit. „Damit
hat er als Regierender Bürgermeister jedes Vertrauen der Berliner*innen
verloren, die sich auf die Wahrheit seiner Aussagen nicht mehr verlassen
können“, so Jarasch weiter.
9 Jul 2026
## LINKS
DIR [1] https://www.tagesspiegel.de/berlin/anders-als-zuvor-behauptet-wegner-hat-am-morgen-des-stromausfalls-mit-niemandem-dienstlich-telefoniert-15807013.html?icid=topic-list_15821194___
DIR [2] https://www.rbb24.de/politik/berlin-wahl-2026/beitraege/berlin-trend-juli-cdu-spd-gruene-linke-afd-bsw-fdp.html
DIR [3] https://www.focus.de/politik/deutschland/krisentreffen-der-cdu-berlin-entscheidet-ueber-wegners-zukunft-der-spielte-tennis-als-100-000-stromausfall-hatten_d0f8ead8-28fd-4548-9002-2de407ebb7f3.html
## AUTOREN
DIR Uwe Rada
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