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       # taz.de -- Femizid-Debatte um RTL+-Show: Frauenhass als Entertainment
       
       > In der Reality-TV-Show „Bad Boyfriends“ erwähnt ein Teilnehmer einen
       > Femizid, jegliche Einordnung bleibt aus. Fans sind empört – und das ist
       > gut so.
       
   IMG Bild: Durch die unermüdliche Aufklärungsarbeit von Feminist*innen ist ist das Bewusstsein für Partnerschaftsgewalt extrem gewachsen
       
       Diese Frau wurde getötet“, sagt Maki. Dramatische Pause, die Kamera hält
       auf das Gesicht des Reality-TV-Darstellers. „Von ihrem Freund.“
       Klaviermusik unterlegt die Szene, als in der Sendung „Bad Boyfriends“
       unvermittelt ein Femizid thematisiert wird. Und Fans fragen sich: Hat RTL+
       hier gerade wirklich tödliche Beziehungsgewalt für einen Schockermoment
       ausgenutzt?
       
       Zum Kontext: In der [1][neuen Reality-Sendung „Bad Boyfriends“] testen die
       Teilnehmerinnen die Treue ihrer Partner. In der aktuellen Folge stellt sich
       heraus, dass Teilnehmer Maki intime Bilder einer anderen Frau auf seinem
       Zweithandy vor seiner Freundin Michelle versteckt hat. Als er damit
       konfrontiert wird, sagt er, dass er in Zukunft keinen Kontakt mehr zu ihr
       haben werde. Schließlich sei sie jetzt tot.
       
       Mal ganz abgesehen von der brutalen Empathielosigkeit, mit der hier ein
       Mann über den Mord an einer Frau redet, die er womöglich gut kannte – auch
       sonst hielt es offensichtlich niemand für notwendig, zumindest kurz
       Anteilnahme auszudrücken und Beziehungsgewalt zu verurteilen. Stattdessen
       dient der Femizid dem Plot. Und ironischerweise bittet die Produktion die
       Zuschauer*innen in einem schriftlichen Statement, mit „dem Thema“
       respektvoll umzugehen.
       
       Bildungsauftrag, traumasensible Berichterstattung, Pietät? Das sind keine
       Qualitäten, die wir [2][spontan mit Trash-TV assoziieren]. Empören sollten
       wir uns trotzdem.
       
       Denn die Empörung bringt etwas. Vor fünf Jahren schrieben seriöse Medien
       noch regelmäßig von „Familiendramen“, wenn ein Mann seine Frau und Kinder
       umbrachte. Erst seit 2021 steht der Begriff „Femizid“ im Duden. Durch die
       [3][unermüdliche Aufklärungsarbeit von Feminist*innen] ist ist das
       Bewusstsein für Partnerschaftsgewalt mittlerweile extrem gewachsen.
       
       Dass manche Trash-TV-Sendungen diese Entwicklung anscheinend aussitzen –
       geschenkt. Die Frage ist, wie lange sie sich das noch leisten können. Denn
       ihr Publikum ist mehrheitlich weiblich und gebildet. Wenn RTL+ es sich
       nicht mit der eigenen Zielgruppe verscherzen will, muss der Sender
       irgendwann anfangen, Gewalt und Frauenhass einzuordnen – und dafür auf den
       ein oder anderen Schockermoment zu verzichten. Ob dahinter dann eine
       politische Überzeugung steckt oder nur der ängstliche Blick auf die Quote,
       kann uns Feminist*innen eigentlich egal sein.
       
       10 Jul 2026
       
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