# taz.de -- Bundesrat für „Nur Ja heißt Ja“: Länder fordern Reform des Sexualstrafrechts
> Die Länder fordern den Bund auf, eine „Nur Ja heißt Ja“-Regel im
> Sexualstrafrecht einzuführen. Auch Justizministerin Hubig signalisiert
> Zustimmung.
IMG Bild: Ja! Demonstrierende in Berlin forderten das schon im März 2026
Der Bundesrat hat sich am Freitag für eine „Nur Ja heißt Ja“-Regelung
ausgesprochen. Eine Mehrheit der Länder stimmte für den Antrag aus Hamburg,
der die Bundesregierung zu einer Reform des Sexualstrafrechts auffordert.
Justizministerin [1][Stefanie Hubig (SPD) hatte zuvor bereits für eine
konsensbasierte Regelung geworben]. Der Handlungsdruck auf die restlichen
Mitglieder der Bundesregierung wächst nun deutlich.
Es sei wichtig klarzustellen, „dass jede nicht einvernehmlich vorgenommene
sexuelle Handlung strafbar ist“, sagte Hamburgs Justizsenatorin, Anna
Gallina (Grüne), in der letzten Bundesratssitzung vor der Sommerpause.
Zusammen mit weiteren Justizminister:innen aus SPD- und
Grün-geführten Ländern gilt Gallina als der führende Kopf in dem Versuch,
in Deutschland ein konsensbasiertes Sexualstrafrecht einzuführen. Der
letzte Versuch, eine solche Regelung bei der
Justizminister:innenkonferenz Anfang Juni in Hamburg umzusetzen,
[2][scheiterte damals noch knapp]. Nun ist man einen Schritt weiter.
## Wieso ist „Nur Ja heißt Ja“ notwendig?
Bisher gilt in Deutschland die „Nein heißt Nein“-Regelung. Diese besagt,
dass „sexuelle Handlungen gegen den erkennbaren Willen einer Person“
strafbar sind. Zur Zeit ihrer Einführung, im Jahr 2016, galt sie als
Fortschritt. Zuvor hatte eine Betroffene sexualisierter Gewalt nachweisen
müssen, sich physisch gewehrt zu haben.
Dennoch, so die Antragsteller:innen, bestünden „weiterhin erhebliche
Schutzdefizite“. Eine „Nur Ja heißt Ja“-Regelung könnte die Strafbarkeit
bei Sexualdelikten nun grundlegend verändern. Anstatt die Strafbarkeit an
eine erkennbare Ablehnung zu knüpfen, müssten sich
Sexualpartner:innen zukünftig der Zustimmung des Gegenübers
vergewissern.
Das könnte insbesondere bei Fällen nützen, in denen Betroffene [3][einen
„Freeze“-Zustand erleben]. So beschreiben Kriminolog:innen eine
Schockstarre, in der Angst und die psychische Ausnahmesituation Betroffene
erstarren lassen. 40 bis 70 Prozent der Vergewaltigungsopfer sind davon
betroffen. „Dieser Selbstschutzmechanismus führt in Deutschland in
zahlreichen Fällen zur Straffreiheit des Vergewaltigers“, sagte Gallina am
Freitag im Bundesrat. Zwar gebe es bereits im derzeitigen Gesetz
theoretisch die Möglichkeit, Vergewaltigungen bei Schockstarre zu ahnden,
[4][in der Praxis passiere das aber kaum], kritisierte Gallina.
Mit einer Reform wollen die Länder die Verantwortung stärker auf die
handelnde Person verschieben. [5][Im Antrag] heißt es: „Die strafrechtliche
Bewertung wird damit konsequent an der Frage ausgerichtet, ob eine
einvernehmliche sexuelle Handlung vorliegt, und nicht länger daran, ob das
Opfer seinen entgegenstehenden Willen hinreichend erkennbar zum Ausdruck
gebracht hat. Damit wird die Verantwortung in sachgerechter Weise auf die
handelnde Person verlegt, sich des Einverständnisses zu vergewissern.“
## Stefanie Hubig für Reform
Mit dem Bundesratsentschluss wächst nun der Druck auf die Bundesregierung,
das Sexualstrafrecht entsprechend anzupassen. Der Koalitionsvertrag von
CDU, CSU und SPD sieht eine entsprechende Regelung nicht vor. Bei Stefanie
Hubig hingegen dürfte der Vorstoß offene Türen einrennen.
Die Bundesjustizministerin spricht sich seit Längerem für die Einführung
des Konsensprinzips aus. „Denn ‚Nur Ja heißt Ja‘ stellt das Einvernehmen in
den Mittelpunkt. Dieses Konsens-Prinzip schützt die sexuelle
Selbstbestimmung konsequent“, sagte sie am Freitag der Funke-Mediengruppe.
Mittlerweile sprechen sich auch aus Reihen der Union mehrere
Politiker:innen für eine Neuregelung aus. So zeigte sich Hessens
Justizminister Christian Heinz (CDU) [6][gegenüber dem Spiegel] offen für
ein „Nur Ja heißt Ja“ im Strafrecht. „Die Zahl der Vergewaltigungen steigt
in Deutschland seit mehreren Jahren deutlich an, gleiches trifft auf die
Fälle von häuslicher Gewalt zu. Politik darf dies nicht einfach so
hinnehmen, sondern muss diesen Trend aufhalten und ein klares Zeichen
setzen“, sagte Heinz. [7][In der taz sprach sich im April die europäische
EVP-Abgeordnete Verena Mertens für eine „Nur Ja heißt Ja“-Regelung aus].
Einen Meilenstein nannte Grünen-Bundestagsabgeordneten Lena Gumnior am
Freitag die Entscheidung im Bundesrat. „Im Bundestag bremsen aber die Union
unter Spahn und Merz noch immer den Schutz von Betroffenen“, so die
rechtspolitische Sprecherin weiter. Die Grünen hatten im April [8][selbst
einen Gesetzentwurf für „Nur Ja heißt Ja“ eingebracht].
## Vorstoß auch auf europäischer Ebene
Gleichzeitig wird auch auf europäischer Ebene versucht, das
Sexualstrafrecht zu verändern. So soll für Jugendliche bald eine „Nur Ja
heißt Ja“-Regelung gelten, auch Deutschland will einer entsprechenden
Richtlinie zustimmen. Darüber hinaus hatte das [9][Europäische Parlament im
April gefordert], „Nur Ja heißt Ja“ auch für Erwachsene umzusetzen. Bei der
EU-Kommission gab es dazu bereits 2024 erste Versuche, die unter anderem
die deutsche Bundesregierung unter Federführung des FDP-Justizministers
Marco Buschmann verhindert hatte. „Deutschland wird sich jetzt bewegen
müssen“, sagt Anna Gallina.
10 Jul 2026
## LINKS
DIR [1] /Justizministerkonferenz-in-Hamburg/!6186334
DIR [2] /Bewegung-im-Sexualstrafrecht/!6186871
DIR [3] /Sexualisierte-Gewalt-in-Berlin/!6123477
DIR [4] /Juristin-erklaert-Ja-heisst-Ja-Reglung-Sollte-Deutschland-Norwegen-und-Frankreich-folgen/!6079035
DIR [5] https://www.bundesrat.de/SharedDocs/drucksachen/2026/0301-0400/357-26.pdf?__blob=publicationFile&v=1
DIR [6] https://www.spiegel.de/politik/deutschland/sexualstrafrecht-debatte-um-nur-ja-heisst-ja-nimmt-an-fahrt-auf-a-b6700c6a-369f-46b6-8e73-8d28989ac5ad
DIR [7] /EVP-Abgeordnete-zu-Nur-Ja-heisst-Ja/!6176427
DIR [8] /Gruene-wollen-Nur-Ja-heisst-Ja/!6172863
DIR [9] /Sexualstrafrecht-in-der-EU/!6174662
## AUTOREN
DIR Amelie Sittenauer
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