# taz.de -- Studierendenparlament der Humboldt-Uni: Umfassender Israel-Boykott beschlossen
> Mit überwiegender Mehrheit bekennt sich die verfasste Studierendenschaft
> an der HU zur BDS-Kampagne. Sie fordert ein Ende aller Uni-Kooperationen
> mit Israel.
IMG Bild: Der Schriftzug „If Gaza Burns“ stand im Mai 2025 an der Fassade des Instituts für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität
Das Studierendenparlament der Humboldt-Universität (HU) fordert, dass die
Uni alle Zusammenarbeit und Kooperationen mit israelischen Universitäten
beendet. Außerdem soll das Stupa keine studentischen Initiativen mehr
fördern, die eine Verbindung zu israelischen Institutionen haben. Einem
entsprechenden Antrag der Linken Liste stimmten die anwesenden
Stupa-Mitglieder in der [1][letzten Sitzung des noch amtierenden Stupa vor
dem Sommer] mit überwiegender Mehrheit bei nur zwei Gegenstimmen zu.
Der [2][Antrag mit der Überschrift „Solidarität mit Palästina] –
Beteiligung der HU am Völkermord beenden“ fordert, dass die HU offenlegt,
welche Kooperationen mit israelischen Hochschulen, Forschungseinrichtungen,
Institutionen und der israelischen Regierung bestehen und inwieweit solche
Kooperationen mit Menschenrechtsverletzungen und „mit der Beteiligung an
Völkermord und Apartheid“ verbunden sind. Gleichzeitig solle die HU
Kooperationen mit palästinensischen und libanesischen Universitäten
aufbauen und Stipendien an Student*innen aus Palästina und Libanon
vergeben, die von Krieg, Vertreibung und Gewalt betroffen sind.
In dem Antrag beruft die Linke Liste sich auf einen kürzlich
veröffentlichten Bericht der Palestine Solidarity Platform. Alle
israelischen Universitäten, mit denen die HU kooperiert, hätten sich
demnach vielfach direkt oder indirekt an Genozid, Besatzung, Apartheid
und/oder weiteren Menschenrechtsverletzungen gegen das palästinensische
Volk beteiligt. Die HU-Leitung hat sich in der Vergangenheit mehrfach gegen
pauschale Boykotte ihrer israelischen Partner-Unis ausgesprochen. Der Teil
des Stupa-Beschlusses, der den Abbruch der Zusammenarbeit fordert, wird
damit vermutlich eher symbolisch bleiben.
Konkrete Auswirkungen ergeben sich dagegen aus den Vorgaben zur Vergabe von
Geldern der studentischen Selbstverwaltung. Diese soll demnach keine Gelder
mehr für „Veranstaltungen mit israelischen staatlichen Institutionen oder
Hochschulen“ bereitstellen. Gleichzeitig beendet der Beschluss
„finanzielle, materielle oder administrative“ Nachteile etwa für
studentische Gruppen, Fachschaften oder Initiativen, die der BDS-Kampagne
(die Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen fordert) nahestehen oder
diese unterstützen. Ziel des Antrags ist demnach „eine BDS- und
PACBI-konforme studentische Selbstverwaltung“.
## Anti-BDS-Beschluss seit November aufgehoben
PACBI steht für „Palestinian Campaign for the Academic and Cultural Boycott
of Israel“ und ist Teil der BDS-Kampagne, die zum umfassenden akademischen,
kulturellen und wirtschaftlichen Boykott von Israel aufruft. In der
Vergangenheit hat die BDS-Kampagne etwa Musikfestivals wegen der
Beteiligung von israelischen Musiker*innen kritisiert und angeprangert.
Der Bundestag hat die Kampagne 2019 verurteilt, weil der „allumfassende
Boykottaufruf“ israelische und jüdische Menschen brandmarke. Projekte, die
zum Boykott aufrufen oder die BDS-Bewegung unterstützen, dürfen demnach
finanziell nicht gefördert werden. Der Verfassungsschutz beobachtet die
Kampagne als extremistischen Verdachtsfall. Noch bis Ende 2025 galt an der
HU ein Unvereinbarkeitsbeschluss, der die Finanzierung und Zusammenarbeit
mit BDS-nahen Gruppierungen ausschloss. Das Stupa hatte [3][diesen
Beschluss im November aufgehoben].
„Dass sich im Stupa ein antisemitischer Tiefpunkt an den nächsten reiht,
überrascht inzwischen niemanden mehr“, sagte ein Stupa-Mitglied der
Juso-Hochschulgruppe in der Sitzung zu dem Antrag. Das Stupa habe den
Unvereinbarkeitsbeschluss zum BDS mit der Begründung gekippt, dass dieser
die Zusammenarbeit mit hochschulpolitischen Bündnispartner*innen
verhindert habe. Mit dem aktuellen Beschluss zeige das Stupa, dass es nicht
nur Antisemitismus bei Partner*innen ausblende, sondern selbst ein
Problem damit habe, erklärte das Juso-Stupa-Mitglied. Das Stupa beweise
damit wieder, dass die „viel beschworene kritische und offene Debatte eben
nur in eine Richtung kritisch und solidarisch ist“. Die
Juso-Hochschulgruppe werde den Antrag ablehnen.
„Wir finden nicht, dass der Antrag antisemitisch ist“, erwiderte eine der
Antragsteller*innen von der Linken Liste. Sie stehe hier als Israelin.
„Wir sind einfach anderer politischer Meinung, und das ist auch gut so“,
sagte sie.
Es waren die einzigen beiden Redebeiträge zu dem Antrag. Auch im Nachgang
wies die Linke Liste den Vorwurf, dass ihr Antrag antisemitisch sei, von
sich. Der Antisemitismus-Begriff sei in den vergangenen Jahren stark
missbraucht worden. Es gehe ihnen um institutionellen Boykott. Die
Zusammenarbeit mit einzelnen, kritischen Wissenschaftler*innen und
Student*innen solle ausdrücklich möglich bleiben.
Ähnliche Konflikte um eine Finanzierung von BDS-nahen Gruppen und
[4][Antisemitismusvorwürfe gibt es aktuell auch an anderen Universitäten,
in Berlin etwa an der Technischen Universität]. An der [5][Hertie School
hatten die Student*innen mit einem Misstrauensvotum] reagiert, als ihre
Vertretung sich für eine BDS-Unterstützung aussprach. Dieses hatte zu
Neuwahlen geführt. Die antisemitismuskritische Hochschulgruppe Tacheles HU
kritisierte anlässlich einer BDS-nahen Konferenz in Berlin
[6][Boykottaufrufe als „absolut nicht friedensfördernd“]. Gleichzeitig
beklagen jüdische und israelische Student*innen zunehmend, dass sie sich
an Universitäten [7][nicht mehr sicher und nicht ausreichend geschützt]
fühlen.
12 Jul 2026
## LINKS
DIR [1] https://vertretungen.hu-berlin.de/de/stupa/sitzungen/2026/09-07
DIR [2] https://vertretungen.hu-berlin.de/de/stupa/sitzungen/2026/09-07/antraege/sp-33_45_solidaritaet_palaestina.pdf
DIR [3] https://www.unauf.de/2025/israel-palaestina-und-das-studierendenparlament-antisemitismus-oder-pragmatische-vernunft/
DIR [4] /Nahost-Debatte-an-Hochschulen/!6124407
DIR [5] /Hertie-School-Berlin/!6163020
DIR [6] /Boykott-Konferenz-in-Berlin/!6147674
DIR [7] /Exmatrikulation-wegen-Antisemitismus/!6149291
## AUTOREN
DIR Uta Schleiermacher
## TAGS
DIR Antisemitismus
DIR Berliner Hochschulen
DIR Humboldt-Universität
DIR Studentenbewegung
DIR Studenten
DIR Freie Universität Berlin
DIR Reden wir darüber
DIR Besetzung
## ARTIKEL ZUM THEMA
DIR Boykott-Konferenz in Berlin: „Ein Vehikel für antisemitische Weltanschauungen“
Die Hochschulgruppe „Tacheles“ kritisiert einen Boykott-Aufruf gegenüber
israelischen Hochschulen. Das sei absolut nicht friedensfördernd.
DIR „Academic Boycott Konferenz“ in Berlin: Oder soll man es lassen?
Der Name ist Programm: Deutsche Universitäten sollen ihre Verbindungen nach
Israel kappen, fordert ein Bündnis palästinasolidarischer Gruppen.
DIR Pro-Palästina-Besetzung in Berlin: Gaza-Protest erreicht Humboldt-Uni
Rund 100 Personen besetzen ein Gebäude der Humboldt-Universität in Berlin.
Die Uni-Leitung will sie zunächst dulden.