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       # taz.de -- Festanstellung für Kuriere: Beim Ausbeuten auf die Bremse treten
       
       > Aus dem Saarland kommt ein Vorstoß für ein Direktanstellungsgebot von
       > Lieferdienstfahrer*innen. Das wäre ein großer Fortschritt für die
       > Beschäftigen.
       
   IMG Bild: Sonnige Aussichten: Fahrer*innen dürfen auf Festanstellung durch Lieferdienste hoffen
       
       Sie können Rad fahren und suchen einen Job? Dann hier ein heißer Tipp: In
       diversen Großstädten gibt’s Stellen für Lieferando-Fahrer! Sofern Sie das
       18. Lebensjahr vollendet haben, ein paar Brocken Deutsch oder Englisch
       verstehen und Rad und Handy besitzen, können Sie sich bei der
       yd.yourdelivery GmbH bewerben.
       
       Die sorgt dafür, dass Sie mit der Takeaway Express B. V. & Co. KG, die bei
       der Kamer van Koophandel registriert ist, einen Vertrag abschließen, oder
       umgekehrt, Takeway vermittelt Sie an die Yourdelivery, uns doch egal,
       Hauptsache, die Pizza bleibt warm. Und: Das „Trinkgeld gehört zu 100
       Prozent dem Fahrer“, verheißt zum Beispiel die Stellenanzeige für
       Saarbrücken.
       
       Aber just von dort dämpft die Politik alle Plattformarbeitseuphorie. Das
       Land fordert nämlich, dass künftig eben doch pingelig darauf geschaut
       werden muss, wer hier wen wie fest vertraglich wozu verpflichtet, und zwar
       durch ein Direktanstellungsgebot. Das würde verhindern, dass windige
       Subunternehmer die Leute mit den weirden Warmhaltewürfeln auf dem Rücken
       chartern. Der vom SPD-regierten Saarland mit Niedersachsen in die
       Länderkammer eingebrachte Entschließungsantrag ist gerade noch rechtzeitig
       gekommen, um ins Gesetz zum Thema Plattformarbeit einfließen zu können. Das
       muss spätestens am 2. Dezember in Kraft treten.
       
       Saarbrücken – das überrascht. Das Saarland ist schön. Der Hotspot der
       Essenslieferdienste hingegen ist Berlin. Sechs der sieben Unternehmen, die
       sich fast den ganzen milliardenschweren deutschen Essenskurierdienst-Markt
       teilen, hocken in der Hauptstadt. In Berlin stechen [1][ihre meist prekären
       Arbeitsbedingungen daher besonders stark ins Auge], und, Ehrenwort,
       ursprünglich wollte Berlins Senat auch was unternehmen! Erst im März hatte
       Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) sogar ankündigen lassen, [2][die
       Möglichkeit einer Bundesratsinitiative mit Blick auf die Arbeitsbedingungen
       der Plattformbeschäftigten zu prüfen]! Kann man mehr wollen?
       
       Nein, findet man bei Wolt, wo man den jetzigen saarländischen Vorstoß
       ablehnt. Zwar seien, lässt Unternehmenssprecher Florian Anders die taz
       wissen, „gute und faire Arbeitsbedingungen Wolt wichtig“. Aber dafür sorge
       ja bald die EU-Richtlinie zur Plattformarbeit. „Ein branchenspezifisches
       Direktanstellungsgebot, das über ihre Vorgaben hinausgeht, halten wir nicht
       für das richtige Instrument.“ Und Lieferando-Sprecher Patrick Grundmann
       empfiehlt, die Wirkung der Richtlinie erst einmal abzuwarten.
       
       Abwarten und prüfen, das klingt weise, hieße aber, die Gig-Arbeiter zu
       verraten. Denn „nach vorliegenden Informationen“, so eine Sprecherin von
       Saarlands Sozialminister Magnus Jung (SPD), wollten Lieferdienste gerade
       mit Blick auf die Richtlinie „derzeit zahlreiche Stellen durch Kündigungen
       oder Auslagerung an Subunternehmen abbauen“.
       
       Vor sich hin prüfend zu prokrastinieren, würde dagegen wohl verhindern,
       dass die Richtlinie wirklich wirkt. Brüssel legt ja nur den Rechtsrahmen
       für die Verbesserung der Plattformarbeitsbedingungen fest, ebenso, dass sie
       bis zum 2. Dezember verwirklicht sein müssen. Die Gesetze dafür – etwa ein
       Direktanstellungsgebot – müssen die [3][Mitgliedstaaten, auch Deutschland,
       schon selbst verabschieden]. Wer sich da konkret einbringen will, musste
       das spätestens jetzt tun.
       
       Ach!, nostagisch geht der Blick gen Westen: So eine SPD, die ganz bei sich
       ist und weiß, was sozialdemokratische Politik sein könnte und wann sie
       aktiv werden muss, das war manchmal eine feine Sache gewesen. Könnte man
       sich glatt für begeistern. Auch im 21. Jahrhundert noch.
       
       25 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://fair.work/wp-content/uploads/sites/17/2025/07/Fairwork-Germany-Report-2025-DE.pdf
   DIR [2] /Ausbeutung-in-der-Lieferbranche/!6160070
   DIR [3] https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=OJ%3AL_202402831
       
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