# taz.de -- US-Bürgerkrieg: Wie Harriet Tubman die Sklaverei bekämpfte
> Das Ende der Sklaverei in den USA war eine der weltweit größten
> Enteignungen. Daran waren auch viele Schwarze Soldat*innen beteiligt.
Am Abend des 1. Juni 1863 machen sich drei Kanonenboote der US-Marine auf
den Weg in Richtung des Reisanbaugebiets im Delta von South Carolina. An
Bord: die ehemalige Sklavin Harriet Tubman und 300 überwiegend Schwarze
Soldaten, viele von ihnen einstige Sklaven. Im Dunkel der Nacht gleiten sie
über den Combahee River. Tubman und ihre Mitstreiter wollen auf Plantagen
gefangen gehaltene Sklav*innen befreien und die Vorräte der abtrünnigen
Konföderation angreifen.
In dieser hatte sich die weiße Elite der US-Südstaaten im Jahr 1861
unabhängig von den Vereinigten Staaten erklärt – und zwar vor allem, um mit
der [1][Ausbeutung von rund 3,1 Millionen Schwarzen Sklav*innen] auf
Baumwollplantagen weiterhin Profite machen zu können. In den Nordstaaten
dagegen war die Sklaverei zu diesem Zeitpunkt bereits größtenteils
abgeschafft.
Mit der Emanzipationsproklamation schuf Präsident Abraham Lincoln zum 1.
Januar 1863 die rechtliche Grundlage für die Befreiungsmission von Tubman.
Mit der Deklaration erklärte er alle Sklav*innen in den Südstaaten für frei
und eröffnete ihnen die Möglichkeit, sich den US-Streitkräften
anzuschließen. Die Proklamation war das Resultat militärischer
Notwendigkeit, aber auch jahrelanger Kämpfe der abolitionistischen
Bewegung, in der Millionen von Menschen sowohl [2][moralisch gegen die
Sklaverei] argumentierten als auch die materielle Bedrohung für freie
Arbeitskräfte betonten, die mit der gestohlenen Arbeit von Sklav*innen auf
dem freien Markt konkurrieren mussten.
Als die Kanonenboote von Tubman und Co anlanden, rennen die weißen
Sklavenvorsteher davon, während die in Gefangenschaft gehaltenen Schwarzen
Menschen in Richtung der Boote stürmen. In einer Biografie von 1869
beschreibt Tubman, wie ihr Männer und Frauen entgegenkamen, mit Töpfen auf
ihren Köpfen, mit zwei oder drei Kindern am Rocksaum, mit in Taschen
gepackten Schweinen auf dem Rücken.
Im US-Bürgerkrieg kämpften rund 200.000 Schwarze für die Wiedervereinigung
der USA und die Abschaffung der Sklaverei. Aber die Befreiung von insgesamt
vier Millionen Sklav*innen war auch deshalb revolutionär, weil sie als eine
der größten Enteignungen der Geschichte gilt. Der [3][menschliche „Besitz“
der Sklavenhalter] war damals mehr wert als alle Eisenbahnen und Fabriken
im Land zusammen. Der Krieg zerstörte dieses „Privateigentum“. Und anders
als Großbritannien, das Sklavenhalter mit Milliarden für ihre „Enteignung“
entschädigte und die dafür aufgenommen Kredite bis 2015 abbezahlen musste,
bekamen die Sklavenhalter in den USA keinen Cent.
Nach der Wiedervereinigung der USA erlebten die US-Südstaaten eine ihrer
demokratischsten Phasen: Schwarze Männer konnten nun wählen und saßen in
Parlamenten. Doch in den Jahren bis 1877 gab der Norden den Kampf für
gleiche Rechte im Süden größtenteils auf, und die Klasse der
Plantagenbesitzer kam zurück an die Macht – mit der Folge, dass die
demokratischen Rechte Schwarzer Menschen wieder drastisch eingeschränkt
wurden.
Mit ihrem Vorstoß auf dem Combahee River waren Tubman und ihre Mitstreiter
Vorkämpfer einer der revolutionärsten Bewegungen der US-amerikanischen
Geschichte. Als sie am 2. Juni 1863 von ihrer Mission zurückkehrten, hatten
sie mehr als 700 Menschen aus der Sklaverei befreit.
30 Jul 2026
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## AUTOREN
DIR Mitsuo Iwamoto
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