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       # taz.de -- Berlins Regierender Bürgermeister: Kai Wegner tritt als Spitzenkandidat zurück
       
       > Bei der Abgeordnetenhauswahl im September wird Wegner nicht mehr
       > CDU-Spitzenkandidat sein. Nach seiner Lügen-Affäre war parteiintern sein
       > Rücktritt gefordert worden.
       
   IMG Bild: Gegen die Wand gelaufen? Kai Wegner
       
       dpa/taz | Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) tritt zur
       kommenden Abgeordnetenhauswahl im September nicht mehr als Spitzenkandidat
       an. Das gab Wegner ab Freitagnachmittag bei einer kurzfristig einberufenen
       Pressekonferenz bekannt. Regierender Bürgermeister will er aber bis zur
       Wahl bleiben.
       
       Wegner war seit Tagen auch parteiintern heftig in die Kritik geraten, weil
       er mehrfach über seine Arbeit [1][während des großen Stromausfalls in
       Berlin am 3. Januar gelogen hatte]. In den Umfragen zur
       Abgeordnetenhauswahl im September war die CDU [2][zuletzt auf Platz vier
       gestürzt].
       
       Er sei ihm immer wichtig gewesen, authentisch zu bleiben, sagte Wegner. Es
       sei ihm eine Ehre gewesen, das Amt des Regierenden Bürgermeisters
       auszuüben. Dann lobte er sich noch für Erfolge der schwarz-roten Koalition,
       auf die er stolz sei. Er habe aber in den letzten Tagen festgestellt, nicht
       mehr durchzudringen. Er habe kommunikative Fehler gemacht. Das sei Mist
       gewesen. Er ärgere sich selbst am meisten darüber. Nun müsse es
       Konsequenzen geben. Deshalb werde am Abend den Kreisvorsitzenden mitteilen,
       dass er als Spitzenkandidat nicht mehr zur Verfügung stehe.
       
       Zusätzlicher Druck auf Wegner war am Freitag durch den Entwurf eines
       offenen Briefes von CDU-Mitgliedern entstanden, die dringend seinen Rückzug
       forderten als Dienst am Amt und an der Partei.
       
       Am [3][Abend sollen der CDU-Landesvorstand und die Vorsitzenden der zwölf
       Kreisverbände zusammenkommen], um über Wegners Kandidatur, den Wahlkampf,
       die Stimmung in der Partei und die Chancen bei der Abgeordnetenhauswahl am
       20. September zu beraten.
       
       ## Wegner will kommendem Senat nicht angehören
       
       Die Gremien der Partei müssten nun über das weitere Vorgehen entscheiden,
       sagte Wegner am Nachmittag. Zur Frage seiner Nachfolge sagte er, die CDU in
       Berlin habe viele tolle Köpfe. Entscheiden darüber müsse aber der
       Landesvorstand.
       
       Laut dpa-Informationen soll Finanzsenator Stefan Evers zum
       Spitzenkandidaten gekürt werden.
       
       Einen Eintritt in eine neue Landesregierung als einfacher Senator schloss
       Wegner für sich aus. So etwas mache man nicht, wenn man einmal Regierender
       Bürgermeister war.
       
       Er wolle „selbstverständlich zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ einen Wechsel
       beim Landesvorsitz herstellen, sagte Wegner in Berlin. „Die entscheidende
       Frage ist: Wann ist jetzt der richtige Zeitpunkt?“
       
       Wegner wurde vor allem wegen falscher Angaben zu seiner Kommunikation am
       ersten Tag des großen Stromausfalls nach dem mutmaßlich
       linksextremistischen Brandanschlag im Berliner Südwesten Anfang Januar
       scharf kritisiert.
       
       In dem dreiseitigen Brief, der nach eigenen Angaben unter anderem von dem
       bekannten Investor und Unternehmer Christian Miele verfasst wurde, wird
       Wegners Verhalten als Problem für das Vertrauen in die Demokratie
       bezeichnet. „Jeder weitere Tag im Amt bestätigt all jene, die behaupten,
       ‚die da oben‘ sagten ohnehin nicht die Wahrheit. Das dürfen wir als
       Christdemokraten nicht zulassen.“ Ein Wahlkampf mit Wegner sei verloren,
       heißt es in dem Text.
       
       Miele forderte als CDU-Mitglied auf seinen Kanälen in den sozialen Medien
       und in mehreren Medien den Rücktritt Wegners. Mehrere Dutzend
       Parteimitglieder hätten sich mit Zustimmung und Unterstützung bei ihm
       gemeldet, sagte Miele, der Urenkel des Gründers des gleichnamigen
       Haushaltsgeräteherstellers ist, im Tagesspiegel.
       
       ## Termin und Rede im Bundesrat abgesagt
       
       Wegner verzichtete am Morgen auf eine angekündigte Rede im Bundesrat. Statt
       Wegner nahm sein Stellvertreter, Finanzsenator Stefan Evers (CDU), im
       Gremium der Landesregierungen der Bundesländer teil. Schon am
       Donnerstagabend hatte Wegner einen Termin am Wannsee abgesagt.
       
       10 Jul 2026
       
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