# taz.de -- Krise der CDU: Machtmaschine, das war einmal
> Das Drama bei der Wahl des Fraktionschefs der Union ist ausgeblieben.
> Ausgestanden ist die Krise damit noch nicht. Merz' Autorität ist
> dramatisch angeschlagen.
IMG Bild: In den eigenen Reihen mehren sich die Zweifel, ob die Merz-CDU wirklich regierungsfähig ist
Das Drama ist ausgeblieben. Thorsten Frei ist [1][mit knapp 92 Prozent zum
neuen Fraktionschef der Union] gewählt worden. Das ist angesichts der
derzeitigen Stimmung in der CDU ein gutes Ergebnis. Zwar hätten sich manche
in der Fraktion einen anderen Vorsitzenden gewünscht, einen, der
unabhängiger agiert und nicht derart loyal zum Kanzler steht.
Aber Frei ist in der Fraktion beliebt – und ein schlechtes Ergebnis wäre
ohnehin weniger ihm als Friedrich Merz zugerechnet worden. Dass es
möglicherweise keine gute Idee ist, diesen weiter zu demontieren, scheint
sich jetzt auch in der Fraktion durchgesetzt zu haben.
Für Merz aber ist das Ergebnis kein Grund, um wirklich aufzuatmen. Zu groß
ist der [2][Unmut in den eigenen Reihen über ihn], zu heftig war die Kritik
in den vergangenen Tagen, zu häufig wurde aus der Partei heraus
halböffentlich die Frage gestellt: Kann Merz überhaupt Kanzler?
Und statt zu versuchen, die Empörung einzuhegen und die Abgeordneten
mitzunehmen, kofferte Merz diese am Dienstag aus Irland auch noch an: Seine
Entscheidungen müssten jetzt akzeptiert werden. Hätte es noch einen Beweis
gebraucht, [3][dass Merz das Gefühl für seine Partei fehlt], hier wäre er
gewesen.
## Unmut und Wut sind ausgebrochen
Nun ist die Empörungswelle kaum zu verstehen, wenn man allein auf den
Auslöser blickt: Die Entlassung des Verkehrsministers, [4][die zur
Hängepartei geworden ist]. Dass der designierte Nachfolger trotz
zweimaliger Zusage kurzfristig absprang, müsste man eigentlich ihm
anlasten. Doch diese Entlassung und das gesamte Gestolpere bei der
Kabinettsumbildung sind eben nur der Anlass für den Unmut, der Merz nun aus
den eigenen Reihen entgegenschlägt.
Von fehlender Glaubwürdigkeit und schwindendem Vertrauen, von schlechtem
Stil, mieser Führung und fehlendem Handwerk war zuletzt die Rede – und zwar
[5][in den unterschiedlichsten Flügeln und Gruppen der Partei]. Unmut und
Wut haben sich angestaut. Jetzt sind sie ausgebrochen.
Lange war es in der CDU so, dass sich die Partei in einem sicher war:
Regieren, das können wir. Dem Machterhalt wurde so mancher Konflikt
untergeordnet, im Zweifel bissen die Abgeordneten die Zähne zusammen und
stimmten zu. Jetzt aber mehren sich in den eigenen Reihen die Zweifel, ob
die [6][Merz-CDU wirklich regierungsfähig ist]. Die Stimmung an der Basis
ist schlecht, die Umfragewerte sind es auch. Und die AfD liegt stabil auf
Platz eins. Diese Erschütterung trifft die CDU ins Mark.
Läuft es gut für Merz, beruhigt sich die Lage in der Sommerpause. Läuft es
schlecht und gehen zudem die Landtagswahlen in Ostdeutschland verloren,
könnte es schwer für ihn werden. Seine Autorität ist dramatisch
angeschlagen.
29 Jul 2026
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## AUTOREN
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