URI: 
       # taz.de -- Die üblichen Verdächtigen im Halbfinale: Eine WM wie bestellt
       
       > Im Halbfinale der inklusivsten Weltmeisterschaft aller Zeiten steht
       > wieder eine exklusive Auswahl an Fußballnationen. Die Fifa hat viel dafür
       > getan.
       
   IMG Bild: Erwartungsgemäßer Favoritenerfolg: Jude Bellingham steht mit England nach dem 2:1 Erfolg gegen Norwegen im Halbfinale
       
       Die inklusivste Weltmeisterschaft aller Zeiten neigt sich dem Ende zu. Als
       solche wurde sie von der Fifa-Spitze beworben und von vielen Fans auch
       hierzulande allzu arglos gefeiert. Und nach der [1][neunundneunzigsten und
       hundertsten Begegnung dieses Turniers] geht es im anstehenden Halbfinale
       wieder einmal am exklusivsten zu. Die Fußballgroßmächte Frankreich und
       Spanien sowie England und Argentinien duellieren sich.
       
       Es ist eine WM wie bestellt. Lamine Yamal gegen Kylian Mbappé, Harry Kane
       gegen Lionel Messi. Welche Paarungen ließen sich denn besser verkaufen? Die
       TV-Anstalten reiben sich weltweit die Hände und die Fifa schaut zufrieden
       auf ihr Werk zurück.
       
       Ihr ist ein Meisterwerk gelungen. Sie hat dieses Turnier zu einem globalen
       Mitmach-Festival inszeniert, das nach wochenlangen bunten
       Begegnungsveranstaltungen nun in der erwartbaren Phase angelangt ist, in
       der wie gewohnt die Schwergewichte des Fußballs ihre Kräfte messen.
       
       Das Herz für die Kleinen schlägt [2][selbst bei den Fans in den großen
       Fußballnationen vernehmbar laut.] Und fast hätte man in den ersten
       Turnierwochen den Eindruck gewinnen könnten, solch eine Weltmeisterschaft
       habe neben dem sportlichen Wettbewerb auch den Fifa-Auftrag zu erfüllen,
       möglichst viele Menschen in vielen Ländern zu beglücken. Naiv war dieses
       verkürzte Denken, weil die Aufblähung des Turniers vornehmlich vom
       Bestreben motiviert war, TV-Einnahmen und die Macht der Fifa-Spitze zu
       mehren.
       
       ## Neue Regel hilft den Großen
       
       Viele von den Fans, die von den Auftritten der Kleinen geschwärmt haben,
       dürften sich jetzt ebenso daran erfreuen, nach fünfwöchiger Wartezeit
       großen Fußball zu sehen. Aber hätte nicht alles ganz anders kommen können?
       Hat nicht Argentinien in jedem K.o.-Spiel eine Spielzeitverlängerung
       benötigt, um Gegner wie Kap Verde und Ägypten auszuschalten? Hätte sich
       nicht auch Norwegen und die Schweiz jeweils in der Verlängerung durchsetzen
       können?
       
       Auszuschließen ist das nicht. Doch es wird auch von der Fifa viel dafür
       getan, dass es eben nicht so weit kommt. Natürlich war es dämlich vom
       Schweizer Angreifer Breel Embolo, sich ausgerechnet durch eine Schwalbe
       eine gelbe-rote Karte gegen Argentinien einzuhandeln – in einer Drangphase
       seines Teams beim Stand von 1:1. Aber vor der WM wäre er noch ungeschoren
       davon gekommen. Der Schiedsrichter hatte das Vergehen nicht gesehen und
       deshalb den Gegenspieler wegen eines Fouls verwarnt. Dass der
       Videoschiedsrichter eingreifen darf, wenn der Schiedsrichter bei einer
       Gelben Karte die Spieler verwechselt hat, ist neu.
       
       Wenn der Zufall und das Glück im Spiel minimiert werden, hilft das vor
       allem denjenigen, die weniger darauf angewiesen sind, also den Großen. Das
       Gefühl, irregulär benachteiligt worden zu sein, hatten im Halbfinale
       wiederum die Norweger. Ein Abschlag ihres Torhüters Ørjan Nyland hatte
       ihrer Wahrnehmung nach das Kabel der über dem Spielfeld in Miami
       schwebenden Spidercam berührt. In diesem Falle hätte Englands
       Ausgleichstreffer durch Jude Bellingham nicht zählen dürfen. Die Fifa
       behauptete in einer Stellungnahme, der Chip im Ball habe keine Berührung
       angezeigt.
       
       Aber wer glaubt schon einer Organisation, die eine Spielsperre für eine
       rote Karte aussetzt, nachdem deren Chef Gianni Infantino einen Anruf vom
       US-Präsidenten erhalten hat und von dem die Welt nichts wüsste, hätte der
       das nicht selbst ausgeplaudert.
       
       [3][Das ist das neue Problem der Fifa.] Weltmeisterschaften, die wie
       bestellt erscheinen, konnten bislang immer auf den Turnierbaum und das
       vorhandene Leistungsgefälle zwischen den Fußballnationen zurückgeführt
       werden. Jetzt wirkt die Fifa-WM auf manche obendrein wie selbst gemacht.
       
       12 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Messi-im-Viertelfinale/!6194380
   DIR [2] /Die-groesste-WM-aller-Zeiten/!6186236
   DIR [3] /Fifa-Spitze-bedroht-den-Fussball/!6191084
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Johannes Kopp
       
       ## TAGS
       
   DIR Fußball-WM
   DIR Reden wir darüber
   DIR Halbfinale
   DIR Langeweile
   DIR Fifa
   DIR Fußball-WM
   DIR GNS
   DIR Fußball-WM
   DIR Fußball-WM
   DIR Fußball-WM
   DIR Fußball-WM
   DIR Fußball-WM
   DIR Kolumne Giannis Welt
   DIR Fußball-WM
   DIR Fußball-WM
   DIR Reden wir darüber
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Feier der Fußball-Weltmeister in Spanien: Freude über den vereitelten „Raub“
       
       Zum Empfang des spanischen Fußballteams werden am Montag im Zentrum von
       Madrid bis zu eine Million Menschen erwartet. Vorher geht es zum König.
       
   DIR Spanien zieht ins WM-Finale ein: Im feinen Netz der Spinne
       
       Mit einer beeindruckenden Dominanz bezwingt Spanien den großen
       Turnierfavoriten Frankreich. Das Team gilt nun im Finale selbst als nahezu
       unschlagbar.
       
   DIR Erzfeinde im WM-Duell: Das Halbfinale der alten Wunden
       
       Vor dem Spiel Argentinien gegen England kochen die Emotionen hoch. Krieg,
       Kolonialismus und Fußballmythen überlagern sogar das Duell Messi gegen
       Kane.
       
   DIR Frankreich vor Halbfinale gegen Spanien: Alles für Kylian Mbappé
       
       Frankreichs Trainer Deschamps lässt Steckpässe statt Flügelspiel
       trainieren. Das ist zugeschnitten auf Kylian Mbappé, aber auch andere
       profitieren.
       
   DIR Videobeweis im Profifußball: Es geht auch einfach
       
       Mit immer mehr technischem Aufwand versucht die Fifa, den Fußball gerechter
       zu machen. Dabei bleibt der Sinn mancher Regel auf der Strecke.
       
   DIR Das WM-Tagebuch des Fifa-Präsidenten: Das größte Finale aller Zeiten
       
       Das Teilnehmerfeld einer WM zu erweitern, ist für Gianni Infantino eine
       leichte Übung. Doch der Chef des Weltverbands denkt noch viel weiter.
       
   DIR WM-Viertelfinalist Schweiz: Die letzten Exoten
       
       Das europäische Kap Verde? Das Curaçao der Alpen? Das Mittelmeer-Haiti? Was
       wir über die Schweiz wissen, den unbekanntesten Viertelfinalisten der WM.
       
   DIR Fifa-Spitze bedroht den Fußball: Ende des Spiels
       
       Gianni Infantino hat den Fußball der politischen Einflussnahme
       preisgegeben. Die Glaubwürdigkeit ist angekratzt. Kommt es zu einem
       Machtwechsel?
       
   DIR WM und kleine Staaten: Turnier der Underdogs
       
       Diese WM ist ein bisschen anders als die früheren. Vor allem, weil jetzt
       kleine Staaten mal im Rampenlicht stehen – und ihre Teams gewinnen.