# taz.de -- Fußballverrückte im US-Downtown: Alle wollen Messi sehen
> Zwischen Verschwörungstheorien und Messi-Euphorie: Stimmen von WM-Touris
> aus aller Welt im Fanviertel von Kansas City vor den Viertelfinalen.
IMG Bild: Hellblau-weiß hat die Oberhand im Fanviertel. Und immer wieder geht es um den einen Mann
Der Power&Light District in Kansas City ist bereit für Fußball. Im
Pubviertel der Stadt wird es schwer, einen Menschen ohne Trikot
anzutreffen. Argentinier:innen haben klar die farbliche Oberhand, an
diesem Samstagabend spielt man hier das Viertelfinale gegen die Schweiz.
Der District wimmelt von Horden in Messi-Leibchen. Aber auch
Schweizer:innen haben hergefunden, einzelne Mexikaner:innen sind
da, ein kleines Mädchen trägt US-Schleife im Haar und Engländer:innen
schlendern zum Rudelgucken der ersten Partie des Tages gegen Norwegen.
Kansas City ist zur WM eine Stadt in zwei Welten. Da sind die weit
ausgedehnten Vororte mit Einfamilienhäusern, Pickups und bewässerten
Vorgärten. Fußball ist hier unsichtbar – und die WM schon eher eine ferne
Erinnerung, denn seit dem [1][Ausscheiden der USA] ist der Enthusiasmus
merklich geschrumpft. Und dann ist da der Power&Light District. Hier
treffen sich die Fußballverrückten der Erde, um eine US-Downtown zu
erobern.
Eine Gruppe Argentinier steht an einer Straßenecke, sie sind auf dem Weg
zum Fanfest, bevor es ins Stadion geht. „Wir sind ein bisschen nervös“,
sagt einer. „Es gibt bestimmt Verlängerung.“ Aus Argentinien seien sie
gekommen, ihre erste WM sei es. Und ihr erstes Spiel. Wie alle hier
schwärmen sie von der großartigen Erfahrung in den USA. Politik ist im
Power&Light District weit weg. Und natürlich werde Argentinien es schaffen.
„Wir haben ein großes Herz“, sagt der Mann, der nervös ist. „Und wir haben
Messi.“
Ja, auf [2][Lionel Messi können sich alle Nationen hier einigen]. „Das hier
ist Messis letzte WM, ich will Messi sehen“, ruft ein Mann im
Mexiko-Trikot, der ebenfalls Karten für das Spiel hat. Eine Gruppe
Kolumbianer:innen hofft erst auf einen Sieg für Norwegen, dann geht’s
zum Argentinien-Spiel. „Wir wollen zum letzten Mal Messi sehen.“
## Die WM ist Geschäft
Ein bärtiger US-Amerikaner verkauft unter einem Zeltdach Trikots und
Fahnen. Etwa drei Viertel seiner Auslage besteht aus Messi-Shirts. Ein paar
Schweizer Fanartikel liegen wie ein Nachgedanke daneben. 35 US-Dollar will
er pro Trikot haben. Ein paar Minuten lehren allerdings, dass die Trikots
durchaus auch günstiger haben kann, wer hartnäckig genug ist. „Die
südamerikanischen Sachen gehen immer am besten“, berichtet der Verkäufer.
Wen er selbst unterstützt? Der Mann zuckt die Achseln. Guckt er denn WM?
„Nur die Highlights“, antwortet er höflich lächelnd.
Auf einem Platz zwischen Pubs ist eine Leinwand aufgebaut. Es ist ein
offizielles Event mit Einlasskontrolle. Vor allem Männer kommen, viele
haben gut vorab getankt. „Wir sehen was, was unsere Familien nie erlebt
haben und wahrscheinlich nie wieder erleben werden“, schwärmt ein Mann aus
einer Gruppe Schweizer. Und natürlich: Messi. Er ist Barca-Fan. Er mag
auch, dass die Schweiz mit den Gegnern Algerien, Kolumbien und jetzt
Argentinien nur außereuropäische Gegner in der K.o.-Runde hatte. Denn sonst
könne man das ja genauso gut zu Hause gucken.
Das Argument macht nicht so richtig Sinn, aber Sinn berührt ihn heute nicht
mehr. Aus der französischen Schweiz ist er, und eigentlich hat er nach dem
Viertelfinale Rückflugtickets. Die Arbeit und dann ein Urlaub. Aber wenn
die Schweiz nun gewinnt? „Es wird uns sauviel Geld kosten, aber dann buchen
wir um.“
## „Verdammter Scam“
Nur einer hier ist skeptisch: Ein Mann im Mexiko-Trikot, der das
Rudelgucken von außen beobachtet. „Argentinien gewinnt, das Spiel ist
verschoben“, lässt er wissen. Die Partien gegen Kapverde, gegen Ägypten,
all die [3][umstrittenen Schiri-Entscheidungen], das gehe nicht mit rechten
Dingen zu. Die Fifa wolle Argentinien als Weltmeister. Auf Social Media ist
er jedenfalls nicht allein mit der Meinung. Und wer will [4][seit der
Balogun-Aktion] noch irgendwas von fairen Spielen sagen?
„Weltmeisterschaften sind ein verdammter Scam“, sagt er. Das stimmt wohl so
oder so.
In einem nahegelegenen Pub haben sich indes die gemischten Gruppen und
Familien zusammengefunden. England gegen Norwegen läuft auf zig
Bildschirmen. Ab und an verlässt eine Gruppe in Messi-Trikots einen Tisch
und andere Messis nehmen ihren Platz ein. Es hat ein bisschen was von
absurdem Theater.
England verfolgen sie eher so, wie man früher den Fernseher beim Bügeln hat
laufen lassen. Wo die Sympathien liegen, lässt erst Norwegens Führungstor
spüren: Der ganze Pub brüllt. Spätestens seit dem Falklandkrieg und dem
legendären Viertelfinale mit Diego Maradona 1986 scheinen die Engländer
keine Chance auf argentinische Liebe zu haben. Gewinnen tun sie trotzdem.
Und dann geht es zum anderen Ort in dieser Stadt, an dem man Fußball spürt.
Um Messi zu sehen.
12 Jul 2026
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## AUTOREN
DIR Alina Schwermer
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