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       # taz.de -- Die Wahrheit: Ohne KI-Klempner ist alles nichts
       
       > Auch Wundermaschinen müssen gewartet werden. Der Wahrheit-Hausbesuch beim
       > technisch umtriebigen AI-Flüsterer Tony Kasuppke in Brandenburg.
       
   IMG Bild: Arbeitsplatz Datencenter: Alles so schön bunt hier
       
       „Kommense ruhig rein“, ruft uns Tony Kasuppke durch die Drehtür eines
       schwer gesicherten Datencenters in Potsdam zu und stellt mit hörbarem
       Tippen auf seinem Tablett den Strom des Schutzzauns ab. „Muss ja keiner
       wissen.“ Vorsichtig gesellen wir uns zu dem 66-Jährigen, der gerade
       abwechselnd von einer Fleischwurstsemmel abbeißt und an einer Marlboro
       zieht.
       
       „Das Baby“, begrüßt er uns kauend und deutet klopfend auf das etwa fünf
       Fußballfelder große Datencenter hinter ihm. „Überwacht für die NSA alle
       Datenströme westlich von Görlitz.“ Oder sollte überwachen, denn aktuell
       macht die KI, die automatisch sichtet, was Westeuropa googelt, schreibt und
       postet, ganz altmodisch Faxen. „Und wer muss es mal wieder richten?
       KI-Mechatroniker Kasuppke“, feixt Kasuppke, während er uns ins Datencenter
       hinein und durch menschenleere Servergänge zum Hauptrechner führt.
       
       „Weiß kaum einer“, fährt er fort, als er seinen alten Linux-Rechner per
       USB-C an die millionenteure Wundermaschine anschließt, „aber unter der
       Haube ist so eine KI doch Maschine und damit ein Mensch wie Sie und ich.“
       Bevor wir fragen können, ob er denn glaube, dass die neuesten KI bereits
       ein Bewusstsein entwickelt hätten, schraubt Kasuppke die Rückwand des
       Riesenrechners auf. Mit Lupe in der Hand und Taschenlampe zwischen den
       Zähnen steckt er seinen Oberkörper hinein. Einige Minuten hört man nur sein
       Fluchen und das „Kling, klang, boing“ herabfallender Metallteile und
       Sprungfedern. Dann kommt der Mann im Blaumann wieder zum Vorschein. „Sooo,
       fertig“, schnauft er zufrieden, während er sich noch ein paar Bits und
       Bytes an der Hose abwischt, „da war mal wieder ein Schalter auf Eins, wo er
       auf Null sein sollte. Kommt in den besten Serverfarmen vor.“ Auftrag also
       abgeschlossen.
       
       ## Schneller Job in Berlin
       
       Kurz bevor er seinen mit Mikrochips und Grafikkarten vollgerümpelten
       Transporter erreicht, fährt sich Kasuppke noch einen Energydrink in die
       neuronalen Netze. Anschließend lauscht er via Kurzwelle, über die
       KI-Mechatroniker wie er von „Jansen & Sohn Künstliche Intelligenz“
       miteinander kommunizieren, nach neuen Aufträgen.
       
       „AI, AI, AI, was haben wir denn da?“, brummt Kasuppke in die Dose, als der
       nächste Auftrag reinkommt – kurz vor Feierabend zum Glück nur ein schneller
       Job im nahen Berlin. Bei einer Agentur spinne die KI, nichts gehe mehr, „da
       muss es jetzt prompt klappen“, erklärt Kasuppke und rast los. Gerade die
       LLMs, die Large Language Models, die bei ihm nur „Lästige Language Models“
       heißen und sich als „fortschrittlichste Technik“ generierten, gäben aber
       ständig den angeblich gar nicht innewohnenden Geist auf. Doch „meist
       reichen dann doch ein paar Millionen freundliche Worte“.
       
       Und tatsächlich, als wir in der Agentur ankommen, läuft die KI schon
       wieder. Der Fehler, wie so oft: menschlich. Ein junger Werber hatte für
       eine Sonnencreme-Kampagne Frauen im Bikini generieren wollen, worauf die
       US-prüde Maschine die ganze Agentur lahmlegte. Erst ein frivoler
       Clickworker in Indien sorgte für die Entsperrung. Kasuppke schmeißt dem
       Chatbot zur Sicherheit trotzdem noch ein paar Tokens in den Router, erzählt
       den Angestellten ein paar Datensätze zu artgerechter Nutzung und lässt
       schließlich noch Limonade aus dem Agenturkühlschrank mitgehen. Dann
       verabschiedet er sich und setzt uns am Bahnhof ab.
       
       ## Intelligenter, als die KI erlaubt
       
       Bevor wir allerdings von Hochtechnologie auf ICE-Wlan umsteigen,
       interessiert uns doch noch eins: Wenn KI immer selbstständiger und
       intelligenter wird, könnte sie dann nicht irgendwann sogar einen Tony
       Kasuppke ersetzen?
       
       „Schwer – aber schon möglich“, grinst Kasuppke. „Dann sattel ich eben auf
       Quantencomputer um.“ Was anderes als Drähte, Schalter und ein bisschen
       rumtricksen mit den Naturgesetzen sei auch das nicht. „Ähnlich wie die
       Rechner bin ich da in einer super Position, finanziell sowieso.“
       
       Schließlich gehe es bei den Qubits der Supercomputer die ganze Zeit darum,
       gleichzeitig 1 und 0 zu sein. „Da fällt es den Start-ups sicher nicht auf,
       wenn der alte Kasuppke davon mal die eine oder andere Zahl mehr an die
       Rechnung hängt.“
       
       14 Jul 2026
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Ernst Jordan
       
       ## TAGS
       
   DIR Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
   DIR Computer
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   DIR Tiere
   DIR Satire
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