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       # taz.de -- Völkische Siedler in Niedersachsen: Wenn der Verfassungsschutz absurde Schlüsse zieht
       
       > Niedersachsens Verfassungsschutz schreibt im Bericht 2025, es habe keine
       > Aktivitäten völkischer Siedler gegeben. Das Amt weiß, dass das so nicht
       > stimmt.
       
   IMG Bild: Regenschirme gegen die Presse: der völkische Nachwuchs am 1. Advent 2025 im niedersächsischen Masendorf
       
       Das ist „keine rechtsextreme Veranstaltung“, brüllt eine Frau aus dem
       Dreiseiten-Hof, „sondern ein Weihnachtsmarkt!“ [1][Im niedersächsischen
       Masendorf] hatte im vergangenen Jahr, wie gewohnt am ersten Advent,
       [2][eine völkische Familie auf ihren Hof geladen]. Bemüht abgeschirmt
       trafen sich an die 200 Gäste aus rechtsextremen Netzwerken – darunter
       Aktive der AfD, der Identitären Bewegung (IB) und der Jungen Nationalisten
       (JN). Sogar ein Mitglied aus dem Bundesvorstand der Jungen Nationalisten
       ist gekommen, mit Lastenrad und Familie.
       
       Das niedersächsische Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) aber stellt im
       [3][Jahresbericht 2025] fest: „Im Berichtszeitraum sind keine Aktivitäten
       von Gruppierungen oder Einzelpersonen im Zusammenhang mit dem
       Beobachtungsobjekt ‚Völkische Personenzusammenschlüsse/Völkische Siedler in
       Niedersachsen öffentlich bekannt geworden‘“.
       
       Diese Einschätzung ist für [4][Martin Raabe] nicht nachvollziehbar.
       „Entsetzlich“, sagt der Sprecher von der [5][„][6][Gruppe beherzt für
       Demokratie und Vielfalt“]. Seit Jahren wehrt sich die Gruppe in der Region
       gegen völkische Siedler:innen, die versuchen den ländlichen Raum zu
       erobern, indem sie weitere Höfe kaufen. Sie verfolgen ihre Aktivitäten –
       informieren und demonstrieren. Auch beim völkischen Weihnachtmarkt in
       Masendorf waren sie vor Ort. Erlebten wie Männer mit Regenschirmen
       Journalist:innen bedrängten.
       
       ## Größte Versammlung der völkisch-nationalistischen Kreise
       
       „Nach unserer Einschätzung dürfte dies die größte bekannte Versammlung der
       völkisch-nationalistischen Kreise gewesen sein“, [7][sagte Raabe im
       Dezember 2025 der taz]. Ebenfalls 2025 fand ein [8][Hortentreffen der
       völkischen Gruppe „Sturmvogel“ in Nienburg] an der Weser statt, zu dem
       rechtsextreme Eltern ihre Kinder schicken. Seit Jahren bietet auch die
       rechtsextreme Organisation Sturmvogel in der Region Fahrten und Lager für
       Jugendliche an. Und in Bad Bevensen wirken laut Andrea Röpke,
       Rechtsextremismusexpertin und Journalistin, Völkische bei einem Tauschmarkt
       mit. Um nur ein paar Beispiele zu nennen.
       
       Das Landesamt für Verfassungsschutz blendet die völkischen Siedler im
       Jahresbericht 2025 nicht aus, sondern geht im Unterkapitel zu
       Rechtsextremismus vier Seiten lang auf diese Bewegung ein. Auf Nachfrage
       der taz führt das Amt aus, dass die völkischen Siedler „durch ihre
       umfängliche Brauchtums- und Gemeinschaftspflege (Sonnenwendfeiern, Fahrten,
       Lager, Wanderungen, Theater- und Tanzveranstaltungen) zur breiten
       Vernetzung innerhalb der rechtsextremistischen Szene“ beitrügen und
       „Eheschließungen“ hier oftmals „ihren Ursprung“ hätten. Doch auf die
       „Entwicklung des Rechtsextremismus“ hätten sie „keinen prägenden Einfluss“.
       
       Zur Einschätzung im Jahresbericht, in Niedersachsen liefen keine völkischen
       Aktivitäten, könnte geführt haben, dass keine „juristischen relevanten
       Aktionen“ aufgefallen seien, sagt Raabe. Anders könne er sich das nicht
       erklären. „Wir erleben sie doch tagtäglich.“ Das niedersächsische
       Innenministerium hat er bereits um Stellungnahme gebeten.
       
       Dass sich der Verfassungsschutz vor allem auf Parteien und andere feste
       politische Strukturen konzentriert, führt schon lange dazu, dass der
       erstarkende Rechtsextremismus im vorpolitischen Raum ausgeblendet wird. Die
       völkischen Siedler:innen wurden jahrzehntelang in den Jahresberichten
       Verfassungsschutzes nicht erwähnt, blieben so für die Öffentlichkeit
       unsichtbar.
       
       Der [9][völkische Nationalismus ist jedoch die ideologische Basis] der
       heterogenen rechten Szene. Bis heute pflegen rechtsextreme Kulturnetzwerke,
       Verlags- und Jugendgruppen diese Weltanschauung. Und aus diesen Netzwerken
       schöpft die AfD ideologisch geschulte Kader, die in der Partei politische
       Mandate übernehmen oder als Angestellte arbeiten. Dass die völkischen
       Siedler:innen in Niedersachsen keinen prägenden Einfluss auf Entwicklung
       des Rechtsextremismus haben sollen, wie der Verfassungsschutz das
       darstellt, darf mindestens hinterfragt werden.
       
       13 Jul 2026
       
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