# taz.de -- CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers: Bürgergeldempfänger sollen Berlin putzen
> Noch kaum nominiert, prescht Stefan Evers (CDU) mit eigenen Ideen vor:
> Leistungsempfänger:innen sollen als Gegenleistung die Stadt
> reinigen.
IMG Bild: Müll ist nicht nur auf Straßen ein Problem …
Bislang steht der Name Stefan Evers eher fürs Kürzen als Gestalten. Als
Finanzsenator setzte Evers in den vergangenen drei Jahren vor allem
rigorose Sparvorgaben durch. Als frisch gebackener Spitzenkandidat der CDU
lässt Evers aber in einem Interview mit der FAZ erstmals eigene politische
Inhalte durchblicken. Auf die Frage, wie er denn in Berlin für mehr
Sauberkeit sorgen wolle, schlug Evers vor,
Sozialhilfeempfänger:innen zum Putzen zu verdonnern.
„Ich finde, wer staatliche Leistungen erhält und arbeiten kann, sollte der
Gemeinschaft auch etwas zurückgeben – zum Beispiel, indem er dabei hilft,
Berlin sauber zu halten“, sagt Evers. Wie genau er
Leistungsempfänger:innen dazu bewegen will, lässt Evers offen.
Der Vorstoß sorgt beim Noch-Koalitionspartner für Entsetzen. Sven Meyer,
arbeitspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion bezeichnet den Vorschlag
gegenüber der taz als „populistische, gesellschaftsspaltende Idee“, die man
bereits im Umgang mit Geflüchteten kenne.
Bundesweit setzten immer mehr Kommunen sogenannte Arbeitspflichten für
Geflüchtete um. Nach einer Regelung, die bereits im
Asylbewerberleistungsgesetz steht, müssen Geflüchtete
„Arbeitsgelegenheiten“ annehmen, die mit 80 Cent pro Stunde entlohnt
werden. Ansonsten drohen Leistungskürzungen.
## Arbeitsgelegenheiten dürfen keine Jobs ersetzen
Auch Erwerbslose können von Jobcenter in sogenannte Ein-Euro-Jobs
vermittelt werden. Die Arbeitsgelegenheiten werden mit einer
Mehraufwandsentschädigung von ein bis drei Euro pro Stunde vergütet. Auch
hier drohen Kürzungen, wenn Leistungsempfänger:innen die Arbeit
ablehnen. Mittlerweile wird die Maßnahme jedoch nur sehr selten genutzt.
Doch die Idee der Maßnahme ist, Betroffene durch strukturierte Arbeit
wieder fit für den regulären Arbeitsmarkt zu machen. Angeordnete
Arbeitsgelegenheiten gelten als letztes Mittel, nachdem Vermittlung in
Arbeit, Ausbildung und andere Fortbildungsmaßnahmen schon ausgeschöpft
wurden. „Solche Tätigkeiten müssen immer mit einer Form des Coachings und
der Weiterbildung verbunden sein“, erklärt Meyer.
Rein rechtlich sind Arbeitsgelegenheit nur zulässig, wenn sie keine
regulären Jobs verdrängen. Doch genau das legt Evers nahe, wenn er fordert,
Leistungsempfänger:innen sollen Aufgaben der Stadtreinigung
übernehmen, sagt Meyer: „Wenn das die Idee Evers ist, Tarifjobs durch
Billiglöhner zu ersetzen, macht er die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt erst
recht kaputt.“ Stattdessen könne der Finanzsenator auch einfach mehr
tarifbezahlte Stellen bei der BSR schaffen, schlägt Meyer vor.
Damiano Valgolio, arbeitspolitischer Sprecher der Linken, hält die Idee für
einen „rechtspopulistischen Vorschlag“, der rechtlich „völliger Quatsch“
sei. Es sei in Deutschland nicht möglich, Menschen zur Arbeit zu zwingen.
„Die CDU macht das, was sie am besten können. Runtertreten auf die
Bürgergeldempfänger, die sie eigentlich wieder zurück in Arbeit bringen
sollte.“
## Auch an der Sauberkeit gekürzt
Tatsächlich sind Evers Kürzungsorgien in den vergangenen Jahren etliche
Projekte zum Opfer gefallen, die sowohl Wiedereingliederungsmöglichkeiten
in den Arbeitsmarkt boten als auch Berlin sauberer machten. [1][So wurde
das Peer-Projekt des Vereins Fixpunkt, bei dem suchtkranke Menschen rund um
den Görlitzer Park Konsumutensilien aufsammeln, nicht verlängert. ]
Auch die Mittel, um die Situation des [2][stark vermüllten Drogenhotspot am
Leopoldplatz] sauber zu halten, wurden im Februar halbiert. So werden die
„Kiezhausmeister“, die sich unter anderem für mehr Sauberkeit im Kiez
einsetzen, nicht weiter finanziert.
Weitere inhaltliche Überraschungen bietet Evers im FAZ-Interview nicht. Wie
schon sein Vorgänger warnt der Finanzsenator vor der „antisemitischen“
Linkspartei, die mit Enteignungen die „soziale Marktwirtschaft“ zerstören
will. Stattdessen will Evers das Tempelhofer Feld bebauen und
[3][kostenloses Mittagessen an Schulen kürzen. ]
Nach Kai Wegners Rückzug am Freitag ernennt der Landesvorstand Evers am
Montagabend offiziell zum neuen Spitzenkandidaten der CDU. Wegner stand
aufgrund seines Krisenmanagements am Tag des Stromausfalls im Januar stark
in der Kritik. Bezüglich seines Tagesablaufes hatte der Regierende
Bürgermeister wiederholt gelogen.
Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest von Ende Juni sah
zum ersten Mal die Linke als stärkste Kraft. Die CDU hingegen lag
abgeschlagen auf 17 Prozent. In einer jüngsten Civey-Umfrage vom Montag
sieht die CDU ebenso wie die LInke bei 19 Prozent. Auch SPD-Spitzenkandidat
Steffen Krach zeigte sich wieder offen gegenüber einer Koalition mit einer
Evers-geführten CDU. Mit Stefan Evers gebe es eine neue Situation und „eine
Möglichkeit für die Zukunft“, sagte Krach im „Berlin Playbook Podcast“ des
Nachrichtenmagazins Politico.
13 Jul 2026
## LINKS
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## AUTOREN
DIR Jonas Wahmkow
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