# taz.de -- EU-Experten für Social-Media-Verbot: Kindersicherung im Internet rückt näher
> Ein EU-Expertengremium empfiehlt ein Social-Media-Verbot für unter
> 13-Jährige. Die Kommission will sich nach der Sommerpause festlegen.
IMG Bild: Wenn das die alten Römer wüssten: Collosseum-Content für die Klassenkamerad*innen
In der EU ist ein umfassendes Social-Media-Verbot für Minderjährige näher
gerückt. Ein von der EU-Kommission eingesetztes Expertengremium hat am
Montag in Brüssel empfohlen, den Zugang zu Social Media für Kinder unter 13
Jahren in allen 27 Mitgliedsländern zu beschränken.
Dabei gehe es nicht nur um Facebook, Instagram oder Tikttok, betonten die
Experten. Die EU solle vielmehr einen weiten Begriff von „Social Media
plus“ zugrunde legen und sich auch um KI-Bots und Videospiele kümmern.
Außerdem brauche man „effektive Systeme zur Alterskontrolle“.
Was das in der Praxis bedeutet, blieb zunächst offen – die Experten legten
sich nicht auf ein bestimmtes Modell fest. Als Vorreiter gilt Australien,
wo Ende 2025 ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren
eingeführt wurde, das aber nur leidlich funktioniert.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte, sie wolle den
Expertenbericht in Ruhe auswerten und nach der Sommerpause einen Vorschlag
machen. Allerdings bekräftigte die CDU-Politikerin ihren Plan,
„altersangemessene Einschränkungen“ einzuführen. Eine EU-eigene App zur
Alterskontrolle sei einsatzbereit, behauptete sie.
## Familienministerin Prien ebenfalls für Mindestalter 13
Für ein gesetzliches Mindestalter von 13 Jahren hatte sich bereits
Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) ausgesprochen. Dieses Alter
stelle eine kritische Phase der kindlichen Entwicklung dar, erklärten nun
die Experten in Brüssel. Deshalb sei ein besonderer Schutz nötig.
Ab 13 sollten Jugendliche nach und nach Zugang zu Social-Media-Diensten
erhalten, sagte der Co-Autor des Berichts, Jörg Fegert, der als ärztlicher
Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am
Universitätsklinikum Ulm arbeitet. Aber auch dann seien noch Sicherungen
nötig.
Für mehr Sicherheit im Netz sprach sich Maria Melchior aus, die als
Forschungsdirektorin am französischen Gesundheitsinstitut INSERM in Paris
arbeitet. Für Social Media müsse künftig „Safety by design“ gelten – es
soll also einen „eingebauten“ Kinder- und Jugendschutz geben.
## Airbags fürs Internet
Noch weiter geht von der Leyen. „Die Plattformen müssen nachweisen, dass
ihre Dienste nicht schädlich sind“, sagte sie. Im Internet dürfe es künftig
nicht anders zugehen als im Straßenverkehr. Dort sorgten die Autohersteller
mit Sicherheitsgurten und Airbags für Sicherheit.
Wie die Airbags der digitalen Welt aussehen könnten, wollte von der Leyen
aber nicht verraten. Auch die Experten legten sich nicht fest. Jenseits der
Schwelle von 13 Jahren seien verschiedene Modelle denkbar, sagten sie. Die
EU-Staaten könnten auch eigene Lösungen suchen.
Ende Juni hatte eine von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU)
eingesetzte Expertenkommission [1][Empfehlungen zur Social Media-Nutzung
von Minderjährigen in Deutschland vorgelegt]. Demnach sieht die Kommission
Regulierungsbedarf. Anders aber als die Familienministerin, die eine
Altersgrenze für Social-Media-Plattformen fordert, legte sich die
Kommission bei diesem Punkt nicht fest – und plädierte ausdrücklich für
eine europäische Regelung.
## Positive Reaktionen aus Deutschland
Entsprechend positiv äußerten sich am Montag nun Politiker:innen, die wie
Prien auf ein europaweites Social-Media-Verbot bauen. So sieht der
SPD-Bundestagsabgeordnete und Fachanwalt für Medien- und Urheberrecht Macit
Karaahmetoğlu in den vorgelegten Empfehlungen „eine weitere Bestätigung:
Soziale Medien sollten mit einem gesetzlichen Mindestalter versehen sein –
insbesondere solche, die unsere Kinder mit gefährlichen Inhalten und
Suchtmechaniken in Gefahr bringen.“
Auch Isabel Brandhorst vom Deutschen Zentrum für Psychische Gesundheit
sieht Handlungsbedarf. Sie warnte jedoch davor, Kindern und Jugendlichen
Verbote überzustülpen: „Gegen den Widerstand der Kinder kommt man nicht an.
Sie sind kreativ und finden ihre Schlupflöcher“, sagt Brandhorst.
Entscheidend sei deshalb, gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
Das letzte Wort hat allerdings immer die EU-Kommission. Sie gibt mit dem
Digitalen-Dienste-Gesetz DSA den rechtlichen Rahmen vor und kann deshalb
auch Altersgrenzen festlegen. Einzelne Mitgliedsländer dürfen keine eigenen
Regeln erlassen, die mit dem EU-Recht konkurrieren.
Frankreich muss seinen Gesetzesvorschlag für ein Social-Media-Verbot für
Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren deshalb nach Ansicht der Kommission
wieder ändern. Allerdings gehört Frankreich – gemeinsam mit Deutschland –
auch zu den Ländern, die mehr Kinderschutz fordern.
## Meta macht süchtig
Einen ersten Schritt zu härteren Regeln hat die EU-Behörde bereits am
vergangenen Freitag gemacht. Sie legte [2][eine Studie vor, derzufolge
Instagram und Facebook zu große Suchtgefahren] für Kinder und Jugendliche
bergen. Der amerikanische Mutterkonzern Meta muss nun darauf reagieren.
Wenn Meta die Vorwürfe nicht entkräften kann oder keine Änderungen
vornimmt, könnte Brüssel eine Milliardenstrafe in Höhe von bis zu 6 Prozent
des Jahresumsatzes verhängen. Bei Meta könnten das mehr als 12 Milliarden
Euro sein. Auch gegen Tiktok läuft ein ähnliches Verfahren.
13 Jul 2026
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## AUTOREN
DIR Eric Bonse
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