# taz.de -- Frankreich vor Halbfinale gegen Spanien: Alles für Kylian Mbappé
> Frankreichs Trainer Deschamps lässt Steckpässe statt Flügelspiel
> trainieren. Das ist zugeschnitten auf Kylian Mbappé, aber auch andere
> profitieren.
IMG Bild: Der Blick! Didier Deschamps und Kylian Mbappé nach dem Sieg gegen Marokko
Die Geste mit der größten Symbolik im französischen Turnier ist eine ganz
simple: zwei Männer, die sich umarmen, herzlich, nachgerade innig. Es sind
[1][Kylian Mbappé], der unangefochtene Star der französischen Mannschaft,
und Didier Deschamps, sein Trainer. Ungewöhnlich an dieser Umarmung ist
nicht, dass sie stattgefunden hat. Aber ihre Dauer und die aufrichtig
scheinende Zugewandtheit, ja Zuneigung, die sie transportiert: Das ist es,
was vielen Beobachter*innen aufgefallen ist.
[2][Didier Deschamps] war nie ein beliebter Trainer, und schon gar nicht
wurde er geliebt. Einer französischen Öffentlichkeit, die nichts gegen
etwas Glamour und ein paar Schrullen hat, die es auch gerne sieht, wenn
Prominente gut reden, galt er insgesamt als steif, unnahbar,
technokratisch, etwas ungehobelt.
Das war durchaus ein Grund seiner Berufung zum Nationalcoach: Von
Ballsaal-Generälen hatte der französische Verband die Schnauze voll.
Deschamps Vorvorgänger, Raymond Domenech, hatte sich als heillos
überfordert erwiesen, und dessen Nachfolger Laurent Blanc – wie Deschmaps
auch eine tragende Figur beim Titelgewinn 1998 – hatte sich früh in
Skandale verstrickt. Es brauchte auf der Bank diesen urigen,
bodenständigen, auch ein bisschen langweiligen Typ, um die französische
Mannschaft zu stabilisieren.
Dafür hat es Rückgrat gebraucht, denn vielen Kritiker*innen galt
Deschamps lange als Spielverweigerer. Immer wieder sah er sich der Frage
gegenüber, warum Frankreich die Gegner nicht in Grund und Boden dominierte,
warum es teilweise fast Antifußball spielte. Aber das Bild nach außen hat
Deschamps nie groß interessiert. Einem der Kritiker antwortete er einmal:
„Wenn Dich (unser Spiel) langweilt, schau halt was anderes.“
## Ein Gerne-Erklärer
So barsch und unwirsch er nach außen wirkte, nach innen hin ist sein
Anspruch ein ganz anderer. Da geht es um das Ausbalancieren, nicht nur
taktisch, auch menschlich. Dadurch nehme das Gruppenmanagement viel mehr
Zeit in Anspruch, sagte Deschamps im Interview mit Sportbild. „Weil vor
allem die jungen Spieler-Generation noch mehr Austausch braucht. Ich will
nicht sagen mehr Zuneigung. Aber die Spieler wollen mehr erklärt bekommen.
Das ist aber normal – und ich mache das gerne.“
[3][Keine Sätze, die man zum Beispiel von Julian Nagelsmann zu hören
bekommen hat]. Aber genau die Wagenburgmentalität, die es in großen
Turnieren braucht.
Die ist aber nur ein Baustein einer erfolgreichen Mannschaft, es muss auch
fußballerisch funktionieren. Und an dieser Stelle hat Deschamps vielleicht
die meisten Fortschritte gemacht: Er hat eine Offensive gebaut, die aus
sich heraus ihre eigenen Stärken entwickeln kann, auch wenn die Fähigkeiten
einzelner dabei nicht komplett abgerufen werden.
## Olises Rolle
Sinnbildlich dafür steht [4][Michael Olise], der im Turnier einen
verkappten Spielmacher gibt, obwohl er sich bei Bayern München zu einem der
weltbesten Eins-gegen-zwei-Spieler entwickelt hat. Deschamps aber will
etwas anderes von ihm sehen: nämlich Zuspiele. Wie herausragend Olise diese
Vorgabe löst, zeigt vielleicht jenes Detail: 5 Tore bereits hat Frankreich
nach Steckpässen erzielt, ein Mittel, das in vorangegangenen Turnieren im
französischen Spiel überhaupt nicht existierte.
Die umgebaute Statik kommt zuvorderst Kilian Mbappé zugute, der dadurch
seine Stärken voll ausspielen kann. Anders als bei Real Madrid, das viel
flügellastiger ausgerichtet ist, kann er mit allem, was er kann, glänzen.
Er dankt es der Mannschaft und dem Trainer, indem er inzwischen auch den
ein oder anderen Passweg des Gegners zuläuft. Sicher, das ist weit entfernt
vom aufopferungsvollen Kampfgeist eines Olivier Giroud, aber es ist doch
eine vielsagende Geste. [5][Mbappé, dem gerne unterstellt wird, ein Egomane
zu sein] und jedes Team aus dem Gleichgewicht zu bringen, darf bei dieser
WM auch zeigen, dass er ein Mannschaftsspieler und – mehr noch – ein
Anführer sein kann.
[6][Deschamps wird nach dem Turnier seinen Posten räumen], und trotz aller
Kritik wird man ihn in warmer Erinnerung behalten, egal wie das Spiel gegen
Spanien ausgeht. Es ist dies sein Triumph: dass er auf ganz biedere Art den
französischen Fußball zum Leuchten gebracht hat.
13 Jul 2026
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## AUTOREN
DIR Frédéric Valin
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