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       # taz.de -- Nach dem Sturz Assads: Syriens Parlament nimmt Arbeit auf
       
       > Nach 56 Jahren Diktatur soll in Syrien alles anders werden. Doch die
       > Befugnisse des Parlaments sind begrenzt – und Minderheiten
       > unterrepräsentiert.
       
   IMG Bild: Syriens Interimspräsident Ahmad al-Scharaa bei seiner Rede im syrischen Parlament
       
       In einem in dunklem Holz vertäfelten Sitzungsraum, an einem mit Mosaiken
       verzierten Pult spricht Syriens Interimspräsident Ahmed al-Scharaa
       hochtrabende Worte: „Syrien schreibt eine glorreiche Geschichte, die ihr
       Heldentum widerspiegelt, und wir stehen vor der Verantwortung, sowohl die
       Nation als auch den Einzelnen aufzubauen.“
       
       Es ist eine historische Sitzung. 19 Monate nach dem Sturz von Baschar
       al-Assad traf sich [1][Syriens neues Parlament] zum ersten Mal, 206
       Abgeordnete sind anwesend.
       
       Das Parlament gilt als Test für das Versprechen der Übergangsregierung,
       eine inklusives, demokratisches Syrien zu schaffen. [2][Unter Assad] hatte
       die Gesetzgebungskammer vor allem die Funktion, Entscheidungen des
       Machthabers abzusegnen. Dort saßen nur Mitglieder der Baath-Partei des
       Machthabers.
       
       [3][Doch nach 54 Jahren autoritärer Diktatur unter der Assad-Familie soll
       nun alles anders werden.] Die Versammlung wählte Abdelhalim al-Awwak, einen
       Rechtsexperten aus Hasakeh, zum Parlamentssprecher. Er war bereits Mitglied
       im Ausschuss, der 2025 die Verfassungserklärung ausgearbeitet hatte. Diese
       vorübergehende Verfassung gewährt dem Parlament das Recht, Gesetze
       vorzuschlagen und zu genehmigen.
       
       Das Parlament hat nun ein Mandat für 30 Monate. Innerhalb dieser Zeit soll
       ein Ausschuss die neue Verfassung ausarbeiten und ein aktualisiertes
       Wahlgesetz für künftige Wahlen entwerfen.
       
       ## Nicht ganz demokratisch
       
       Allerdings verlief bis hierhin nicht alles in Einklang mit lupenreinen
       Demokratie-Regeln. Die Wahl zum Parlament beispielsweise. Regionale
       Wahlausschüsse hatten im Oktober 108 Parlamentsmitglieder bestimmt. Die
       Wahlausschüsse wiederum hatte ein nationales Komitee abgesegnet, dessen 11
       Mitglieder Ahmad al-Scharaa ernannt hatte. 70 Prozent der gewählten
       Kandidat*innen mussten Akademiker*innen oder Technokrat*innen
       sein, die anderen 30 Prozent zumindest „namhafte Mitglieder“ ihrer
       Gemeinde. Das verhinderte eine faire Repräsentation der armen Bevölkerung.
       
       Die Behörden haben keine Aufschlüsselung veröffentlicht, wie viele
       Abgeordnete ethnischen und religiösen Minderheiten angehören. Inoffiziellen
       Zahlen zufolge gingen 10 der ausgewählten Sitze an ethnische und religiöse
       Minderheiten wie Christen, Kurden und Alawiten. Obwohl die
       Übergangsregierung eine Frauenquote von 20 Prozent angekündigt hatte,
       gingen nur 6 der gewählten Sitze an Frauen.
       
       Es sei ungerecht, dass nur 6 Frauen gewählt wurden, sagte damals Hind
       Kabawat, Ministerin für Soziales und Arbeit und einzige Frau in der
       Übergangsregierung. „Wir werden etwas dagegen unternehmen“, kündigte sie
       an. Ahmad al-Scharaa benannte daraufhin 15 weitere Frauen. Damit sitzen 21
       [4][Frauen im Parlament] – insgesamt 10 Prozent. Immerhin ist die
       stellvertretende Parlamentspräsidentin eine Frau: die Christin Madonna
       Beschara.
       
       Der Übergangspräsident hatte außerdem 70 weitere Abgeordnete am 1. Juli
       selbst ausgewählt. Die Macht bleibt damit weitestgehend in den Händen der
       Übergangsregierung und Menschen mit guten Beziehungen zu ihr. Al-Scharaa
       selbst sagt, er befürworte neue Parlamentswahlen – sobald Infrastruktur und
       korrekte Wähler*innenverzeichnisse es erlauben.
       
       ## Plätze für Drus*innen aus Suweida blieben vorerst leer
       
       Claudio Cordone, der stellvertretende UN-Sondergesandte für Syrien,
       bezeichnete die erste Sitzung des Parlaments als „wichtigen Meilenstein in
       der politischen Übergangsphase des Landes“. Die [5][internationale
       Gemeinschaft] werde dessen Arbeit „genau verfolgen“.
       
       Die Sitzungsperiode begann am Sonntag mit 206 Abgeordneten. Ein Mitglied
       war zwischen seiner Ernennung und der ersten Parlamentssitzung gestorben.
       Leer blieben bei der konstituierenden Sitzung drei Plätze, die für
       Drus*innen aus dem südlichen Suweida vorgesehen sind. Nach den Massakern
       vergangenes Jahr hatten die Behörden beschlossen, diese so lange nicht zu
       besetzen, bis die Region unter Kontrolle der Staatsbehörden steht. Die neue
       Regierung hatte mit Gewalt versucht, die Region unter ihre Kontrolle zu
       bringen.
       
       13 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://apnews.com/video/syrias-new-parliament-holds-first-session-since-assads-fall-and-elects-its-speaker-637a29c0b2d34e58b946389a3bcc7097
   DIR [2] /Syrischer-Foltergeneral-vor-Gericht/!6194032
   DIR [3] /Macron-in-Syrien/!6194096
   DIR [4] https://www.newarab.com/news/syrias-women-mps-highlight-diversity-and-conflict?amp
   DIR [5] /Syrische-Wirtschaft/!6194891
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Julia Neumann
       
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