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       # taz.de -- Nachruf auf Schauspieler Sam Neill: Mehr als ein Freund der Dinos
       
       > Der neuseeländische Schauspieler Sam Neill wurde berühmt als Paläontologe
       > im Filmklassiker „Jurassic Park“. Aber er konnte auch Arthouse.
       
   IMG Bild: Dinos machten ihn berühmt: Sam Neill in „Jurassic Parc“
       
       Manchmal genügt auch bei Wissenschaftlern ein spontanes Hinschauen, um eine
       Aussage hinreichend zu belegen: „Es – es ist ein Dinosaurier“, lautet der
       Kommentar des Paläontologen Dr. Alan Grant in Steven Spielbergs Blockbuster
       „Jurassic Park“ (1993), nachdem er ein friedlich über eine Wiese
       trampelndes Riesenviech erblickt hat. Sam Neill spielt diesen fast bis zur
       Sprachlosigkeit verblüfften Forscher in dieser entscheidenden Szene der
       „ersten Begegnung“ mit langsamen Gesten und sehr wenigen Worten. Nach der
       Entdeckung muss er zunächst in Torwartstellung gehen, um in Ruhe Luft zu
       holen.
       
       Sein Part in „Jurassic Park“ verschaffte dem neuseeländischen Schauspieler
       Sam Neill die größte Aufmerksamkeit seiner Karriere. Begonnen hatte er,
       ohne zuvor eine Schauspielschule besucht zu haben, schon in den 70er-Jahren
       in Neuseeland als Darsteller für Film und Fernsehen. Seine internationale
       Karriere nahm in den 80er-Jahren dann allmählich Fahrt auf.
       
       Neben Hollywoodstreifen für großes Publikum spielte er ebenso gern für
       Autorenfilmer. Zu seinen frühen künstlerischen Erfolgen gehört etwa die
       Hauptrolle in [1][Andrzej Żuławskis „Possession“ von 1981], in dem er an
       der Seite von Isabelle Adjani ein Ehepaar in einer Phase der Zerrüttung
       spielt. In einer anonymen Neubauwohnung in Berlin-Wedding, mit Blick auf
       den Todesstreifen, leben die beiden mit ihrem Sohn und schreien sich
       mitunter leidenschaftlich an. Noch beeindruckender wirkt jedoch das
       Befremden in Neills Gesicht irgendwo zwischen Unbehagen und leichtem Ekel,
       mit dem er oft stumm auf die Veränderungen um sich herum reagiert. Ein
       seltsames Monster in einer verlassenen Kreuzberger Wohnung zählt in diesem
       an heftigen Bildern reichen Werk ebenfalls zu den verstörenden Elementen.
       
       Zwischen Arthouse und Popcornkino zu wechseln bereitete Neill dabei
       anscheinend keine Schwierigkeiten. Im selben Jahr, in dem er in „Jurassic
       Park“ auf der Leinwand zu sehen war, konnte man ihn parallel in [2][Jane
       Campions] „Das Piano“ erleben. An der Seite von Holly Hunter und Harvey
       Keitel gab er den Ehemann der Hauptfigur Ada, der begrenztes Verständnis
       für deren musikalischen Bedürfnisse zeigt und ihr gegenüber zu grausamer
       Härte fähig ist.
       
       ## Sympathisch handgemachte Handyvideos aus der Küche
       
       Vor allem aber gestattete sich Neill ungeachtet seines Erfolgs ganz bewusst
       ein Privatleben. Seit 1993 baute er in Neuseeland Wein an. Während der
       Coronapandemie kam ein weiteres Hobby hinzu, da fertigte er
       sympathisch-handgemachte Handyvideos aus der heimischen Küche.
       
       Für einen späten Part in seiner Laufbahn dürfte er ebenso in Erinnerung
       bleiben wie für seine Beiträge zum „Jurassic Park“-Franchise: In der
       [3][Serie „Peaky Blinders“] tritt er als Gegenspieler des Gangsterbosses
       Thomas „Tommy“ Shelby (Cilian Murphy) in der Rolle des korrupten
       Polizeiinspektors Chester Campbell in Erscheinung. Diese Figur ist in ihrer
       steifen Entschlossenheit die perfekte Maske eines unbestechlichen
       Bürokraten, hinter der dieser umso effektiver seine eigentlichen Ziele
       verfolgt. Die Rededuelle zwischen Campbell und Shelby bildeten einige der
       Höhepunkte der Serie.
       
       Bei Neill war 2022 eine Krebserkrankung diagnostiziert worden. Er unterzog
       sich einer Chemotherapie und galt zuletzt als „krebsfrei“. Sam Neill ist am
       Montag im Alter von 78 Jahren in Sydney gestorben.
       
       13 Jul 2026
       
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