# taz.de -- Das WM-Tagebuch des Fifa-Präsidenten: Ein Fußballherz aus Gold
> Gianni Infantino macht eine WM-Pause und fliegt kurz nach Katar. Der Tod
> des einstigen Emirs erschüttert ihn. Beide haben sich viel zu verdanken.
IMG Bild: Zwischenstopp in Doha: Infantino bekundet Emir Scheich Tamim bin Hamad Al Thani sein Beileid
## 14. Juli
Das große Herz des Fußballs schlägt in diesen Tagen so schnell und kräftig
wie noch nie. Aber ein anderes Herz, das im Grunde genommen auch ein Herz
des Fußballs war, oder besser gesagt für den Fußball ein Herz aus Gold war,
schlägt seit Sonntag nicht mehr. Der Tod von Hamad bin Chalifa Al Thani
betrübt mich. Noch nie hat mich mein WM-Tagebuch so traurig gesehen.
Erst heute kann ich darüber schreiben. Was für eine Tragik. [1][Dieses
großartige Halbfinale und Finale dieser WM] kann der einstige Emir von
Katar nicht mehr miterleben. So etwas wünscht man nicht einmal seinem
schlimmsten Feind. Mein großes Herz und seines standen immer in Verbindung,
egal wie viele Kilometer zwischen uns lagen. Aber auch er hat dafür
gesorgt, dass mein Herz jederzeit zu seinem fliegen kann. Wer konnte und
wollte schon ahnen, als mir [2][von Qatar Airways für die WM ein Privatjet
zur Verfügung gestellte wurde], dass das so kommen wird. Vielleicht hat es
Hamad bin Chalifa Al Thani gespürt.
## Ein berührender Satz
Es brauchte nicht wirklich vieler Worte mit der Kabinencrew. Allen war
klar: Nur ein kleiner Umweg konnte uns zum Halbfinale zwischen Frankreich
und Spanien nach Dallas führen. Der Zwischenstopp in Doha im Lusail-Palast
bei seinem Sohn, Emir Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, war mir eine
Herzensangelegenheit. Im Flieger konnte ich ein paar bewegende Worte für
meine Rede notieren. Den vielleicht berührendsten Satz haben zum Glück auch
die katarischen Medien zitiert: „Heute hat uns der Vater verlassen, aber er
ist nicht fort.“
Ja, er war wie ein Vater für mich. Deshalb habe ich schon damals vor der WM
in Katar gesagt: „Ich fühle mich katarisch.“ Dass dieser Satz meine Lippen
zu diesem traurigen Anlass erneut verlassen würde, das habe ich mir
freilich nicht gewünscht. [3][Hamad bin Chalifa Al Thani] hat damals die WM
nach Katar geholt. Und ich habe ihm immer wieder gesagt, der Weltfußball
habe Katar viel zu verdanken. Worauf er mir stets antwortete: „Katar hat
Infantino viel zu verdanken. Die ganze arabische Welt hat Infantino viel zu
verdanken. Das ist noch viel mehr wert.“ Ja, uns verband auch Offenheit und
Ehrlichkeit.
Im Nachhinein hadere ich damit, dass wir die Spielsperre für die beiden
katarischen Rotsünder im zweiten Gruppenspiel gegen Kanada nicht ausgesetzt
haben. Vielleicht konnte mich mein Emir gar nicht mehr anrufen, weil es ihm
so schlecht ging, denke ich mir jetzt. Andererseits war er immer diskreter
als Donald. Das habe ich an ihm geschätzt. Was er wollte, geschah, ohne
dass er viel reden musste. Hat mich mein Feingefühl verlassen? Das
beschäftigt mich schon.
Was ist zu tun? Eine Gedenkminute vor den letzten WM-Spielen kann seiner
Größe nicht gerecht werden. Vielleicht sollten wir das nächste zu
vergebende Turnier wieder den Kataris anvertrauen. Es könnte als
Hamad-bin-Chalifa-Al-Thani-Gedächtnisturnier organisiert werden. Das ist
doch eine fantastische Idee.
14 Jul 2026
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## AUTOREN
DIR Gianni Infantino
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