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       # taz.de -- Tödlicher ICE-Einsatz in Maine: Erschossener Kolumbianer offenbar nicht Zielperson
       
       > In den USA gehen Abschieberazzien gegen Einwanderer ohne gültige Papiere
       > weiter. Kürzlich wurde dabei in Texas ein Mensch getötet und nun erneut
       > einer in Maine.
       
   IMG Bild: Die Straße, auf der der 26-Jährige bei einem Einsatz der US-Einwanderungsbehörde (ICE) getötet wurde
       
       afp/dpa | Bei dem jüngsten tödlichen Schusswaffeneinsatz der
       [1][umstrittenen US-Einwanderungsbehörde ICE] ist es offenbar zu einer
       Verwechslung gekommen. „Die getötete Person war nicht diejenige, nach der
       sie suchten“, sagte der Senator Angus King aus dem Bundesstaat Maine am
       Montag (Ortszeit) dem Sender CNN unter Berufung auf das
       US-Heimatschutzministerium und bestätigte damit Medienberichte. Bei dem
       Opfer handelt es sich laut Hilfsorganisationen um einen 26-jährigen
       Kolumbianer. Es ist bereits der zweite tödliche Vorfall mit ICE-Beamten
       binnen einer Woche.
       
       Der Vorfall hatte sich am Montag in der Stadt Biddeford im Bundesstaat
       Maine im Nordosten der USA ereignet. Nach Angaben der
       Generalstaatsanwaltschaft von Maine sollte bei dem Einsatz [2][ein Bescheid
       zur Abschiebung durchgesetzt werden]. Als der Verdächtige versucht habe,
       mit einem Auto in Richtung eines ICE-Beamten zu fliehen, habe dieser das
       Feuer eröffnet. Der ICE-Beamte sei suspendiert worden. Die US-Bundespolizei
       FBI leitete Ermittlungen ein.
       
       Ein Sprecher der Einwanderungsbehörde bestätigte die tödlichen Schüsse. Der
       Beamte habe „aus Sorge um die öffentliche Sicherheit“ auf das Auto des
       fliehenden Mannes geschossen. „Der Fahrer des Fahrzeugs wurde getroffen,
       und die Rettungskräfte wurden sofort alarmiert. Er erlag seinen
       Verletzungen“, sagte der ICE-Sprecher.
       
       ## Untersuchung gefordert
       
       Zwei Hilfsorganisationen, die in Maine für die Rechte Zugewanderter
       eintreten, identifizierten das Opfer als einen 26-jährigen Kolumbianer,
       ohne seinen Namen zu nennen. Er habe eine Aufenthaltserlaubnis in den USA
       gehabt, erklärten sie. Sein Tod dürfe nicht zu einer „Fußnote“ in den
       Statistiken werden, forderte die Vorsitzende der Organisation Presente
       Main, Crystal Cron.
       
       King hatte zunächst unter Berufung auf das US-Heimatschutzministerium
       erklärt, gegen den Kolumbianer habe ein Haftbefehl wegen seines
       Aufenthaltstitels vorgelegen. Im weiteren Verlauf des Tages erklärte jedoch
       sein Sprecher, der Senator sei in einem zweiten Gespräch mit
       Heimatschutzminister Markwayne Mullin darüber informiert worden, dass das
       Opfer nicht der eigentlich Gesuchte gewesen sei.
       
       King forderte eine „vollständige, transparente und offene Untersuchung“ des
       Vorgangs. Er merkte jedoch an, dass die beteiligten Beamten offenbar keine
       Körperkameras trugen.
       
       ## Demonstrationen gegen ICE
       
       Als einer der Ersten hatte der Sprecher des Repräsentantenhauses von Maine,
       Ryan Fecteau, den Schusswaffeneinsatz mit einem Toten bestätigt. „ICE war
       beteiligt“, schrieb er im Onlinedienst Facebook. Der Augenzeuge Lucas Scott
       sagte lokalen Medien, er habe mindestens vier Schüsse gehört, nachdem
       mehrere ICE-Beamte in Biddeford ein weißes Auto umrundet hätten. In
       Online-Netzwerken verbreiteten Nutzer Videoaufnahmen, die den Vorfall
       zeigen sollen.
       
       In der 23.000-Einwohner-Stadt Biddeford gingen Dutzende Menschen auf die
       Straße. Sie trugen Schilder mit Aufschriften wie „ICE raus“ und „Mörder“.
       „Klare Antworten“ verlangte der Bürgermeister von Biddeford, Liam
       LaFountain. Die Kongressabgeordnete Chellie Pingree zeigte sich auf
       Facebook „zutiefst beunruhigt und wütend“ über die Berichte. „Wir werden um
       ein weiteres Opfer trauern“, schrieb die Parlamentarierin aus Maine.
       
       Auch die Gouverneurin von Maine, die Demokratin Janet Mills, äußerte sich
       „entsetzt“ über den Vorfall. Das Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde
       nannte sie unter Verweis auf die zu diesem Zeitpunkt noch unbestätigten
       Medienberichte „rücksichtslos“ und „planlos“.
       
       ## Vierter Todesfall seit Jahresbeginn.
       
       Es handelt sich bereits um den vierten Todesfall bei einem Einsatz der
       Bundesbehörden seit Jahresbeginn. Vergangenen Dienstag hatte ein
       ICE-Mitarbeiter in Houston im Bundesstaat Texas [3][bei einer
       Fahrzeugkontrolle einen Mexikaner niedergeschossen], der Mann erlag im
       Krankenhaus seinen Verletzungen.
       
       Im Januar waren in der Stadt Minneapolis am Rande von Protesten gegen
       Abschieberazzien die US-Bürger Renee Good und Alex Pretti erschossen
       worden. Für den Tod der dreifachen Mutter Good wird ebenfalls ein
       ICE-Mitarbeiter verantwortlich gemacht, für den des Krankenpflegers Pretti
       ein Angehöriger des Grenzschutzes.
       
       Das Heimatschutzministerium machte in den meisten Fällen „Notwehr“ geltend,
       obwohl Aussagen von Augenzeugen dem widersprechen. Die Tötungen hatten die
       Proteste gegen die Massenabschiebungen von Präsident Donald Trump und gegen
       ICE weiter angeheizt. Trump entließ vor diesem Hintergrund im März
       Heimatschutzministerin Kristi Noem. Ihr Nachfolger Markwayne Mullin hatte
       angekündigt, die ihm unterstellten Migrationsbehörden aus den Schlagzeilen
       bringen zu wollen.
       
       14 Jul 2026
       
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