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       # taz.de -- Golfrunde mit dem US-Präsidenten: Kanes Eigentor
       
       > Auf dem Fußballfeld steht Harry Kane meistens goldrichtig. Dass er mit
       > Donald Trump Golf gespielt hat, kommt weniger gut an.
       
   IMG Bild: Plötzlich kein Saubermann mehr: Donald Trumps Golfpartner Harry Kane im Stadion von Miami
       
       Nervös fährt sich Harry Kane auf der Pressekonferenz vor dem Viertelfinale
       gegen Norwegen durch die Haare. Die Frage war unvermeidlich. Nach dem
       Achtelfinalsieg der Engländer gegen Mexiko hatte US-Präsident Donald Trump
       auf Truth Social geschrieben: „Harry Kane von England ist ein GROSSARTIGER
       Spieler!!!“ Kurz darauf schwärmte er vor Reportern: „Ich mag ihn sehr. Er
       ist ein guter Golfer. Er ist wirklich großartig.“
       
       Nun würde man doch nur allzu gerne wissen: Wie war wohl die Golfrunde mit
       Donald Trump? Hat der US-Präsident gar ein Hole in one geschafft – für
       alle, die mit Golf nichts anfangen können: ein Schlag, ein Loch, ein
       Volltreffer. Also ungefähr das, was Trump in Iran seit Monaten versucht.
       Und vor allem: Wie landet ausgerechnet Harry Kane, dieser Superstar des
       Weltfußballs, auf den sich alle irgendwie einigen können, mit Donald Trump
       auf dem Green?
       
       Vor 18 Monaten, erzählte Kane auf der Pressekonferenz, sei er [1][in Palm
       Beach] gewesen. Da habe Trump ihn eingeladen. Und wenn der Präsident
       jemanden einlädt, lehnt man nicht ab. „Es war eine einzigartige Erfahrung
       und ich war einfach dankbar, dass er mich eingeladen hat, mitzuspielen“,
       sagt der 32-Jährige. Kane selbst habe gut gespielt, Trump natürlich auch.
       Er hoffe, im Alter des Präsidenten noch genauso gut zu sein.
       
       Warum Trump ausgerechnet Kane zum Golfen einlud, bleibt ein Geheimnis.
       Seine Fußballexpertise dürfte kaum der Grund gewesen sein. Im Trubel um die
       – später ausgesetzte – Rote Karte gegen US-Stürmer Folarin Balogun gestand
       Trump freimütig, anfangs nicht einmal gewusst zu haben, was eine Rote Karte
       bedeutet, geschweige denn, welche Konsequenzen sie hat.
       
       Doch spannender ist ohnehin die Frage, warum der Kapitän der englischen
       Nationalmannschaft offenbar keine Sekunde zögerte, mit Trump eine Runde
       über den Golfplatz zu drehen. Über seine politischen Ansichten spricht
       Harry Kane selten. Der Stürmer des FC Bayern hält sich bei
       gesellschaftspolitischen Debatten meist zurück. Und doch wirft sein Treffen
       mit Trump Fragen auf.
       
       ## Kane auf den Knien
       
       Nach der Ermordung von George Floyd im Jahr 2020 gehörte Kane zu den
       Premier-League-Spielern, die vor den Spielen als Zeichen gegen Rassismus
       auf die Knie gingen. Er betonte damals die Bedeutung der Geste: „Das ist
       eine großartige Gelegenheit für die Menschen, ihre Beweggründe zu erklären
       und ihren Standpunkt zu verdeutlichen. Bildung ist das Wichtigste, was wir
       tun können. Erwachsene können den nachfolgenden Generationen beibringen,
       was es bedeutet, zusammenzuhalten und sich gegenseitig zu helfen,
       unabhängig von der Hautfarbe.“
       
       [2][Trump dagegen forderte bereits 2018 harte Strafen für kniende
       Footballprofis]: „Beim ersten Mal knien – ein Spiel Sperre. Beim zweiten
       Mal knien – Sperre für die gesamte Saison, ohne Gehalt!“, schrieb er
       damals. Im Sommer 2020 legte er nach und erklärte, er werde keine Spiele
       der Baseballliga MLB oder der Basketballliga NBA mehr verfolgen, sollten
       die Profis während der Nationalhymne knien.
       
       Auch in Sachen LGBTQ+-Rechte liegen Kane und Trump weit auseinander. Kane
       trug bei Spielen Regenbogen- und Pridearmbinden. Vor der WM 2022 in Katar
       gehörte er zu den Kapitänen, die die an die Regenbogenfarben angelehnte
       „One Love“-Armbinde tragen wollten. Trumps Zwei-Geschlechter-Dekret, das
       trans Menschen ihre Selbstbestimmung abspricht, passt da so gar nicht.
       Zudem will er trans Personen vom Dienst in den US-Streitkräften
       ausschließen. Für Trump haben trans Personen auch im Frauen- und
       Mädchensport nichts verloren. Bei den Olympischen Spielen 2028 in Los
       Angeles sind sie schon gar nicht erwünscht.
       
       Hat Kane wohl über all das nachgedacht, als er zur Golfrunde mit Trump
       eingeladen wurde? Er hat sich jedenfalls in den vergangenen 18 Monaten
       nicht öffentlich zu dem Treffen geäußert. Ist es ihm irgendwie unangenehm?
       
       [3][Sportlich ist Harry Kane nahezu unangreifbar]. Sowohl beim FC Bayern
       als auch in der englischen Nationalmannschaft hat er sich mit vielen Toren
       und seiner ruhigen Art in die Herzen der Fans gespielt. Dazu mag diese eine
       Episode in seinem Leben nicht passen. Auf dem Golfplatz mag Kane eine gute
       Runde gespielt haben – in der öffentlichen Wahrnehmung war sie ein
       Eigentor.
       
       14 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
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