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       # taz.de -- Verfassungsschutzbericht Niedersachsen: Nicht jeder Misthaufen ist gleich
       
       > Der niedersächsische Verfassungsschutz notiert einen Misthaufen nur dann,
       > wenn er vor der CDU-Zentrale liegt. Hoppla?
       
   IMG Bild: Entfaltet, vom Feld gekarrt, vor Parteizentralen gekippt, eine andere Wirkung als hier auf dem Acker: Misthaufen
       
       Als [1][der aktuelle Verfassungsschutzbericht in Niedersachsen vorgestellt
       wurde], lag der Fokus erst einmal woanders. Da ging es zum Beispiel um
       rechtsextreme Kampfsportklubs, die verstärkt Jugendliche anziehen, um
       hybride Bedrohungen aus Russland (ein Lieblingsthema der Innenministerin)
       und ähnliche Dinge.
       
       Da kann es schon einmal passieren, dass so ein Haufen Mist auf Seite 193
       nicht weiter auffällt. Zum Glück gibt es Lokaljournalismus. Im Wendland hat
       sich [2][der Chefredakteur der Elbe-Jeetzel-Zeitung (EJZ), Christian
       Franke,] jedenfalls mal ganz genau angeguckt, wo und wie sein
       Verbreitungsgebiet in dem Bericht auftaucht.
       
       Die erste Fundstelle ist nicht besonders überraschend: [3][Die völkischen
       Siedler sind in der Region] immer mal wieder Thema. Bei der zweiten
       Erwähnung ist er dann aber stutzig geworden. Da steht: „In Lüchow hatten in
       der Nacht zum 31.01.2025 unbekannte Personen eine Ladung Mist vor dem
       dortigen CDU-Büro abgeladen.“
       
       Das stimmt so weit, darüber hatte damals auch die EJZ berichtet. Neu ist
       allerdings, dass dies vom Verfassungsschutz dem Bereich des gewaltbereiten
       Linksextremismus zugerechnet wird – obwohl die Täter unbekannt sind.
       
       ## Misthaufen vorm Kreistag, Grünen- und SPD-Zentrale
       
       Was Franke außerdem verwundert notiert: Im Jahr davor waren gleich drei
       Misthaufen in Lüchow abgeladen worden. Einer vor der Parteizentrale der
       Grünen, einer bei der SPD und einer vor dem Kreistag. Aber nicht einer von
       denen hatte es bis in den Verfassungsschutzbericht geschafft. Ist
       Misthaufen also nicht gleich Misthaufen? Sind manche Misthaufen
       staatsgefährdender als andere?
       
       Fragt man beim für den Verfassungsschutz zuständigen Innenministerium nach,
       bekommt man die Antwort: Der Vorfall in Lüchow stehe eben in Verbindung mit
       einer Vielzahl von linksextremistischen Übergriffen auf Einrichtungen der
       CDU, die im Zeitraum zwischen dem 29. Januar und dem 1. Februar 2025
       stattfanden – nachdem die CDU am 29. Januar im Bundestag gemeinsam mit der
       AfD einen Entschließungsantrag zur Verschärfung der Migrationspolitik
       verabschiedet hatte.
       
       „Aufgrund der zeitlichen Nähe zu den anderen Übergriffen auf
       CDU-Einrichtungen in Niedersachsen und weil der Adressat immer die CDU war,
       muss auch in Lüchow von einem linksextremistischen Hintergrund der Tat
       ausgegangen werden.“
       
       Die Nachfrage, warum die anderen Misthaufen es nicht in den
       Verfassungsschutzbericht geschafft haben, vermochte man so auf die Schnelle
       nicht zu beantworten. Möglicherweise hält der Verfassungsschutz sie aber
       deshalb für harmloser, weil sie direkt vom Bauern kamen – jedenfalls
       entstanden sie im Umfeld der Bauernproteste.
       
       Die zahlreichen [4][Versuche von Rechtsradikalen, Querdenkern und sonstigen
       Verschwörungstheoretikern,] die Bauernproteste zu vereinnahmen und für sich
       zu nutzen, hatte auch der niedersächsische Verfassungsschutz zunächst
       kritisch beäugt.
       
       ## Legitimer Bauernprotest statt gefährlicher Linksextremer
       
       Immerhin tauchten dort ziemlich schnell problematische Symbole auf wie die
       Flagge der völkischen Landvolk-Bewegung oder Galgen, an denen mal die
       Ampel, mal einzelne Politiker baumeln sollten. Im Rahmen der sogenannten
       „Protestwoche“ verzeichnete man außerdem 185 Straftaten – meist Nötigungen
       und gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr, aber auch drei Fälle von
       Körperverletzung.
       
       Schon Ende 2023 waren rund 90 [5][Trecker vor dem Privathaus der
       Agrarministerin] aufgefahren und hatten mit Hupen und Scheinwerfern die
       Kinder ihres Lebensgefährten verschreckt, die zu diesem Zeitpunkt allein zu
       Hause waren.
       
       Trotz dieser Grenzüberschreitungen bescheinigte der niedersächsische
       Verfassungsschutz den Bauernprotesten am Ende, sich im Großen und Ganzen im
       Rahmen des legitimen, demokratischen Protestes zu bewegen und den
       Vereinnahmungsversuchen erfolgreich widerstanden zu haben.
       
       Möglicherweise liegt es auch daran, dass den Misthaufen in Lüchow dann
       nicht mehr so viel Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Allerdings muss man
       sagen: Auch der Protest gegen den Bruch der Brandmauer im Bundestag ging
       weit über linksextremistische Zirkel hinaus – und war im Großen und Ganzen
       legitim und demokratisch.
       
       Vielleicht wird hier also doch mit zweierlei Maß gemessen. Mutmaßlich
       linker Mist stinkt dem Verfassungsschutz halt immer noch ein kleines
       bisschen mehr.
       
       15 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Verfassungsschutzbericht-Niedersachsen/!6186423
   DIR [2] https://www.ejz.de/meinungen/misthaufen-gleich-misthaufen-id527118.html
   DIR [3] /Voelkische-Siedler-in-Niedersachsen/!6195632
   DIR [4] /Unterwanderung-der-Bauernproteste/!6045310
   DIR [5] /Bauernprotest-zum-Agrardiesel/!5980516
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Nadine Conti
       
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