# taz.de -- Irans Ex-Präsident Ahmadinedschad: Vom Leugnen des Holocaust zur Kooperation mit Israel
> Israel wollte offenbar den iranischen Ex-Präsidenten Ahmadinedschad für
> einen Regimewechsel aufbauen. Nun befindet sich dieser in Iran in Haft.
IMG Bild: Irans Ex-Präsident Mahmud Ahmadineschad ist verschwunden, hier ein Bild von 2024
Seit Februar, als die US-amerikanischen und israelischen [1][Luftschläge]
gegen Iran begannen, fehlte vom ehemaligen Präsidenten Mahmud
Ahmadinedschad jede Spur. Die Angriffe töteten unter anderem hochrangige
Regimevertreter wie Ali Chamenei, den zweiten obersten Führer des
iranischen Regimes.
Auch das Haus des ehemaligen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad in Teheran
wurde bombardiert, drei seiner Leibwächter kamen ums Leben, wo er jedoch
war, blieb ein Rätsel. [2][Erst am 4. Juli tauchte er überraschend bei
Chameneis Trauerprozession in Teheran wieder auf;] flankiert von
Sicherheitskräften, die den iranischen Sicherheitsdiensten verdächtig
ähnlich sahen.
Wie Regierungsvertreter:innen aus Teheran und Washington gegenüber
der New York Times erklärten, sei unmittelbar nach dem Angriff auf
Ahmadinedschads Anwesen unbemerkt ein schwarzer Peugeot vorgefahren. Dieser
soll von Mossad-Agent:innen gesteuert worden sein, die den Ex-Präsidenten
in ein geheimes sicheres Versteck innerhalb Irans gebracht haben sollen.
Allerdings, so Insider:innen weiter, sei Ahmadinedschad über diese
Rettungsaktion verärgert gewesen, und habe schließlich das sichere Versteck
unter vagen Umständen verlassen. Die New York Times zitiert vier
hochrangige iranische Regierungsvertreter:innen, denen zufolge sich
Ahmadinedschad im Gewahrsam des Geheimdienstes der Revolutionsgarden (IRGC)
unter Hausarrest befinde, nachdem Teheran das Ausmaß seiner Verbindungen zu
Israel aufgedeckt habe.
Die Anfänge der Mossad-Verbindung
Iranische Regierungsvertreter:innen sprechen von ersten Kontakten
während einer Reise Ahmadinedschads nach Guatemala im Jahr 2023. Der
eigentliche Wendepunkt der Annäherung lag jedoch im Jahr 2024. Damals wies
ein hochrangiger Mitarbeiter der Orbán-Regierung den Rektor der
Ludovika-Universität in Budapest an, eine Klimakonferenz zu organisieren
und Ahmadinedschad dazu einzuladen.
Diese Reise sowie ein weiterer Besuch im Folgejahr waren wohl Teil einer
jahrelangen israelischen Strategie, den Ex-Präsidenten als
Geheimdienst-Asset heranzuziehen, um ihn im entscheidenden Moment als neuen
Führer Irans zu installieren. Das Vorhaben hatte für Israel höchste
Priorität: Der damalige Mossad-Chef David Barnea soll 2024 persönlich nach
Budapest gereist sein, um Ahmadinedschad zu treffen.Mahmud Ahmadinedschad
regierte Iran von 2005 bis 2013. Damals war er eng mit Chamenei und den
Hardlinern im Sicherheitsapparat verbunden; unter seiner Präsidentschaft
wurden Medien, Studierende sowie Minderheiten massiv unterdrückt. Auch bei
der Niederschlagung der Massenproteste nach der umstrittenen
Präsidentenwahl 2009 spielte er eine Schlüsselrolle. International
inszenierte er sich im schlichten khakifarbenen Windbreaker, leugnete den
Holocaust und predigte die Vernichtung Israels. [3][Doch wie viele seiner
Vorgänger überwarf er sich in seinen letzten Amtsjahren mit dem
Revolutionsführer.]
Nach seinem Ausscheiden versuchte Ahmadinedschad, sich als populistische
Oppositionsfigur neu zu erfinden. Er prangerte die Korruption der Elite an,
wurde jedoch bei späteren Präsidentschaftswahlen systematisch
disqualifiziert. Dennoch behielt er seinen Sitz im Schlichtungsrat, einem
wichtigen Beratungsgremium des Führers.
Mit der Zeit veränderte sich auch sein Auftreten: Die khakifarbene Jacke
wich maßgeschneiderten Anzügen und er unterzog sich kosmetischen Eingriffen
im Gesicht. Er bemühte sich um ein gemäßigtes politisches Image.
## Normalisierung mit Israel geplant
Eine Vertrauensperson aus Ahmadinedschads engstem Kreis erklärte gegenüber
der New York Times anonym, dass der Ex-Präsident nach seiner politischen
Kaltstellung tief enttäuscht vom System des iranischen Regimes gewesen sei.
Er habe die Sorge geäußert, dass die USA und Israel im Falle eines
Regimewechsels eine Exil-Figur wählen könnten, die das Land nicht kenne,
was Iran destabilisieren würde.
Er selbst sah sich in der Rolle eines Reformers nach dem Vorbild des
ehemaligen russischen Präsidenten Boris Jelzin. Sollte er an die Macht
kommen, so soll er gesagt haben, würde Iran Israel anerkennen und die
Beziehungen im Rahmen der „Abraham-Abkommen“ normalisieren.
14 Jul 2026
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## AUTOREN
DIR Pooyan Mokari
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