# taz.de -- Jemen am Rande eines neuen Krieges: Schlagabtausch mit Raketen erreicht Saudi-Arabien
> In Jemen eskaliert der Konflikt mit den von Iran unterstützten
> Huthi-Milizen erneut. Saudi-Arabien will offenbar wieder militärisch
> tätig werden.
IMG Bild: Anhänger der Huthi laufen im jemenitischen Sanaa an einem Plakat vorbei, auf dem US-Präsident Trump negativ dargestellt wird
Die [1][Huthi-Miliz] in Jemen, die die Hauptstadt Sanaa kontrolliert und
von dort aus die international anerkannte Regierung bekämpft, hat am
Montagabend Raketen und Drohnen auf den internationalen Flughafen Abha im
Südwesten Saudi-Arabiens abgefeuert. Zuvor hatten am Montagmorgen
jemenitische Regierungstruppen Raketen auf die Landebahn des
internationalen Flughafens von Sanaa gelenkt. Stein des Anstoßes: Ein
iranisches Flugzeug mit einer aus Teheran zurückkehrenden Huthi-Delegation
sollte dort landen. Das Flugzeug änderte seinen Kurs und landete
stattdessen auf dem Flughafen der Hafenstadt [2][Hodeida].
Es ist die schwerwiegendste Eskalation in Jemen seit dem kurzlebigen
[3][Waffenstillstand vom April 2022]. Sie folgt auf zehn Tage zunehmender
Spannungen, die begannen, als das erste iranische Flugzeug seit einem
Jahrzehnt [4][in Sanaa landete] und damit eine Welle von Drohungen der
dortigen Huthi-Machthaber gegen Saudi-Arabien auslöste.
Die Eskalation ist wohl auf [5][Sorgen der Huthis] angesichts der
militärischen Vereinigung ihrer Gegner zurückzuführen. Nach der Auflösung
des südlichen Übergangsrates – eine Militärallianz aus Kräften, die von den
Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt wurde und gemeinsam mit
Saudi-Arabien gegen die von Iran unterstützten Huthi-Rebellen kämpfte –
stehen diese Gebiete nun wieder komplett unter der Kontrolle der
international anerkannten jemenitischen Regierung. Für die Huthi-Rebellen
ist das bedrohlich, denn [6][der Konflikt zwischen ihren Gegnern] hatte das
Anti-Huthi-Lager jahrelang gespalten.
Außerdem ist die wirtschaftliche Lage in den Huthi-kontrollierten Gebieten
extrem schlecht. Gehälter im öffentlichen Dienst werden seit Jahren nicht
gezahlt, selbst Kämpfer der Gruppe warten mittlerweile Berichten zufolge
monatelang auf ihre Bezüge.
Außerdem berichten US-amerikanische Zeitungen, dass der saudische Kronprinz
Mohammed bin Salman US-Präsident Donald Trump um Unterstützung für eine
erneute Militäraktion in Jemen gebeten und dafür von ihm am vergangenen
Freitag grünes Licht erhalten habe. Der US-Vertreter im UN-Sicherheitsrat
bekräftigte dann auch Washingtons Unterstützung für seine Verbündeten am
Golf und beschuldigte Iran, Jemens Souveränität zu verletzen und die Huthis
mit militärischer Ausrüstung zu versorgen. Analysten sehen darin eine
Wende, die auf eine Wiederaufnahme der Kämpfe hindeutet, auch wenn die
Huthis eigentlich kein Interesse an einem Krieg mit Saudi-Arabien haben
können.
Für Iran spielen die Huthi-Verbündeten in Jemen eine große Rolle, denn sie
haben unmittelbaren [7][Zugang zur wichtigen Meerenge Bad al-Mandab] am
südlichen Ende des Roten Meeres, über die der Großteil des Schiffsverkehrs
zwischen Asien und Europa verläuft. Sie haben seit 2023 mehrfach ihre
Fähigkeit unter Beweis gestellt, den Schiffsverkehr im Roten Meer
anzugreifen, aus Solidarität mit der Hamas im palästinensischen
Gazastreifen.
Iran verbindet also seine Fronten miteinander: Hormus im Osten, das Rote
Meer über die Huthis im Westen. Saudi-Arabien leitet seine Ölexporte über
das Rote Meer um, um die Straße von Hormus zu umgehen. Die am Montag
abgefeuerten Raketen wurden aus Gebieten in der Nähe dieser Küstenlinie
abgefeuert – eine Mahnung, dass die Huthis auch diese Route bedrohen
können.
14 Jul 2026
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## AUTOREN
DIR Najm Aldain Qasem
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