# taz.de -- Debatte um Enteignung: Investoren verschrecken? Ja bitte!
> Die CDU lehnt die Umsetzung des Volksentscheids ab, weil Unternehmen dann
> nicht mehr bauen würden. Das kann die öffentliche Hand ohnehin viel
> besser.
IMG Bild: Wütender Protest vor dem Willy-Brandt-Haus am 2. Juli, nach dem Versuch der Bundesregierung, Enteignung zu verbieten
Die heiße Phase des Wahlkampfs hat gerade erst begonnen, doch schon jetzt
kristallisiert sich [1][die Umsetzung des DW-enteignen-Volksentscheids] zum
zentralen Konfliktpunkt heraus. Ein Argument, das Enteignungsgegner:innen,
allem voran die CDU, immer wieder hervorbringen, ist: Enteignung schreckt
Investoren ab und verhindert somit Neubau. Dabei wäre genau das
wünschenswert.
Am Montag hatte Stefan Evers im RBB [2][einen seiner ersten
Fernsehauftritte] als frisch gebackener Spitzenkandidat der CDU. Auf
Nachfrage des Moderators präsentierte Evers dort seine Lösung für die
Wohnungsfrage. „Wir haben ein funktionierendes Mietrecht, man muss es aber
auch durchsetzten. Law and Order ist auch das Prinzip im Mietmarkt.“
Von Mietendeckeln oder gar Enteignung will Evers hingegen nichts wissen.
[3][Auf Facebook kündigte Evers in einem Videoclip sogar die „Brandmauer
gegen Enteignung“ an.] „Die Debatte schadet Berlin und verunsichert den
Finanzmarkt massiv.“ Auch das CDU-Wahlprogramm verkündet, Maßnahmen wie
Enteignungen schreckten Investitionen ab, verhinderten Neubau und
verringerten das Wohnungsangebot.
Dabei scheinen Evers und seine Parteigenossen in einer neoliberalen
Fantasiewelt zu leben, zumindest was Wohnungspolitik angeht: Hohe Mieten
locken Investoren an, die Neubau schaffen. Der Markt wird entlastet, die
Mieten sinken. So lautet zumindest die Theorie.
## Die Ursache, nicht die Lösung
Mit der Realität hat das wenig zu tun. Private Investoren sind die Ursache
der Wohnungskrise, nicht die Lösung. In einer wachsenden Großstadt wie
Berlin ist das Potenzial bebaubarer Flächen begrenzt. Das treibt die
Grundstückspreise zuverlässig in die Höhe. Ein Traum für alle Spekulanten,
die in erster Linie Geld verdienen und keinen Wohnraum schaffen wollen.
[4][Börsennotierte Wohnungskonzerne wie Vonovia] und Covivio kaufen und
verkaufen Tausende von Wohnungen, in der Hoffnung, dass in ein paar Jahren
noch jemanden finden, der noch mehr als sie dafür bezahlt.
Um die zunehmend astronomischen Kaufpreise zu rechtfertigen, müssen die
zukünftigen Gewinnpotenziale, ergo die Mieten, kräftig anziehen. Die Zeche
zahlen die Mieter:innen, auch wenn sie nach der x-ten Mieterhöhung
[5][nichts als kaputte Fahrstühle dafür bekommen.]
Beim Neubau sieht es ähnlich aus. Bei den aktuellen Grundstückspreisen ist
es für einen privaten Investor unmöglich, bezahlbare Mieten anzubieten und
dann auch noch Gewinn zu machen. Dabei werden vor allem bezahlbare
Wohnungen benötigt und keine luxuriösen Eigentumswohnungen, die ohnehin nur
als Kapitalanlage dienen.
Etwas Besseres als verschreckte Investor:innen könnte Berlin also nicht
passieren. Die Bodenpreisspekulations-Spirale würde zumindest ein Stück
weit verlangsamt und die Stadt hätte die Chance, auf den knappen
verbleibenden Flächen das zu bauen, was am meisten benötigt wird:
bezahlbarer Wohnraum, soziale Infrastruktur oder kulturelle Freiräume.
Genossenschaften und landeseigene Wohnungsbaugesellschaften haben bereits
bewiesen, dass sie besser in der Lage sind, Berlin zu entwickeln.
14 Jul 2026
## LINKS
DIR [1] /Gesetz-von-Deutsche-Wohnen-enteignen/!6112510
DIR [2] https://www.rbb24.de/politik/berlin-wahl-2026/beitraege/rbb24-spezial-startschuss-berliner-wahlkampf-kandidaten.html
DIR [3] https://www.facebook.com/watch/?v=852321661048850
DIR [4] /Linke-ueber-Vonovia/!6176747
DIR [5] /Hochhaus-ohne-Aufzug/!6139051
## AUTOREN
DIR Jonas Wahmkow
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