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       # taz.de -- Neuseeland-Krimi „Brokenwood“ in der ARD: Die unwiderstehliche Anziehungskraft des Autors
       
       > Krimi-Fans lieben gute Mordgeschichten. Was aber, wenn sie auch die
       > Urheber der Storys anhimmeln? Davon erzählt „Brokenwood“.
       
   IMG Bild: Szene aus dem Krimi Brokenwood – Mord in Neuseeland
       
       Eins ist sicher: Krimifans brauchen ihren Stoff. Es kann gar nicht genug
       davon geben. Gut zwei Dutzend Bücher von Sebastian Fitzek? Knapp drei
       Dutzend von Donna Leon? Tausendundein „Tatort“? Egal, her damit, wir
       kriegen nie genug.
       
       Aber lieben wir den Stoff, oder vielmehr den, der ihn schreibt? Ist die
       Krimiautorin, ist der Thriller-Autor ein Popstar – in dem Sinne, dass
       er*sie selbst jemand ist, von der oder von dem wir nie genug kriegen
       können? Um diese Fantasy vom unwiderstehlichen Schriftsteller geht’s am
       Sonntag in einer Wiederholungsfolge von „Brokenwood“. Das ist die
       Wohlfühl-Krimireihe aus Neuseeland, die uns die ARD im Sommer aufwärmt, um
       unseren unstillbaren Hunger nach Toten zu füttern.
       
       Der international erfolgreiche Thriller-Autor Jack Rudd (Matt Whelan) kommt
       für eine Lesereise nach Neuseeland zurück. In der örtlichen Buchhandlung
       kann man die Spannung in der Luft fast greifen, als der gutaussehende Rudd
       mit erotischem Bariton aus seiner Slasher-Fiction liest. Er ist eindeutig
       nicht nur wegen seiner blutigen Bücher gefragt, sondern wegen seines
       Sexappeals und seines Charismas.
       
       ## Dann ist er tot
       
       Schnell wird klar: Die Anwesenden wollen an diesem Abend mehr, als bloß
       unterhalten werden. Alle haben sich etwas Bestimmtes erhofft vom Starautor.
       Da ist die „reich geschiedene“ Buchhändlerin, die sich romantische Chancen
       ausrechnet; da ist der Amateurschriftsteller, der sein Manuskript an dem
       Mann bringen will; alte Weggefährten, die ein Stück von Rudds Ruhm, vom
       Geld, vom Glanz abhaben wollen; verlassene Liebhaberinnen wollen endlich
       wahrgenommen werden; die Liste geht weiter.
       
       Selbstverständlich werden sie alle vor den Kopf gestoßen, denn Rudd ist
       ebenso egoistisch, wie er sexy ist. Und dann ist er tot, erstochen,
       hinterrücks, in der Pinkelpause. Und ein Motiv für Mord aus Leidenschaft
       haben sie alle.
       
       Ab da ist der Film exakt so behäbig, wie ein Neuseeland-Sommerkrimi zu sein
       hat. Die Detektive (Neill Rea und Fern Sutherland) schlendern in aller Ruhe
       die Verdächtigen ab, ohne sie dabei mit Nachfragen zu behelligen, die
       Gefahr laufen würden, das Tempo der Handlung zu erhöhen.
       
       Einerlei. Ich habe diesen Krimi nicht herausgesucht, weil er bahnbrechendes
       Fernsehen ist, sondern weil ich die Idee von der unwiderstehlichen
       Anziehungskraft des Autors charmant finde. Fiona Samuel, die das Drehbuch
       verfasst hat, erschafft hier eine Art Persiflage über das absurde
       Verhältnis zwischen Star und Fan. Sie hat jede Figur mit einem Begehren
       ausgestattet, das man typischerweise auf Promis richtet: erotisches
       Verlangen, der Drang nach Anerkennung und die Hoffnung, profitieren zu
       können.
       
       ## Krimifans sind vernünftig
       
       Kurzum: selbstzerstörerischer Blödsinn, mit dem man seine Zeit verplempert.
       Und deshalb reiten sich alle, die dem Starautor nachschmachten, am Ende
       selber ins Elend.
       
       So charmant die Geschichte ist: Dass ein Autor von Krimis oder Thrillern
       Popstarstatus hätte, das halte ich dann doch für Wunschdenken. Krimifans
       sind immerhin vernünftige Leute, oder nicht? Wir lieben den Stoff – was
       geht uns der Hersteller an?
       
       Natürlich kann ich mich irren. Sebastian Fitzek und Donna Leon können mich
       gerne berichtigen. Ohnehin wird es höchste Zeit, dass die mal auf meine
       Fanpost antworten!
       
       17 Jul 2026
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Peter Weissenburger
       
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