# taz.de -- Fünfter Jahrestag der Flutkatastrophe: Steinmeier würdigt Solidarität nach Ahrtalflut
> In Ahrweiler gedenkt der Bundespräsident der Flutopfer. Umweltminister
> Schneider mahnt mehr Schutz an. Bislang nur ein Fünftel der
> Wiederaufbauhilfen genutzt.
IMG Bild: Der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz Gordon Schnieder und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Ahrtal
afp/dpa | Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat am Dienstag an die
Opfer der [1][Flutkatastrophe im Ahrtal vor fünf Jahren] erinnert. Zusammen
mit dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Gordon Schnieder (CDU)
legte er in Bad Neuenahr-Ahrweiler einen Kranz nieder. Vor der
Kranzniederlegung besuchte Steinmeier die Eröffnung einer Fotoausstellung
zur Flut im Ahrtal in Altenahr. Dort sagte er, dass Schmerz und Leid nach
fünf Jahren nicht vergessen seien.
„Aber wenn wir heute hier sind, dann erinnern wir nicht nur an den Ort
einer Katastrophe, sondern auch an einen Ort, der ein beeindruckendes Maß
an Solidarität erfahren hat“, sagte der Bundespräsident. Der Tag sei ein
Auftrag für alle, dafür zu sorgen, dass Hochwasserkatastrophen sich
möglichst nicht wiederholten. Steinmeiers Ankunft im Ahrtal hatte sich um
rund anderthalb Stunden verzögert, weil sein Flugzeug wegen eines Unwetters
in Berlin aufgehalten worden war.
„Ein solcher Jahrestag ist kein einfacher Tag. Man möchte nach vorne
schauen, aber gleichzeitig spürt man den Schmerz noch“, sagte Steinmeier
bei der Eröffnung der Fotoausstellung „We Ahr Strong. Fünf Jahre, ein neuer
Blick“ in Altenahr im Kreis Ahrweiler. In der Kapelle des Friedhofs in
Ahrweiler legte Steinmeier zudem einen Kranz nieder.
Die Ausstellung zeigt Porträts von Menschen aus der Region und erzählt
unter anderem, was ihnen in der schweren Zeit geholfen hat, worauf sie
stolz sind oder welche Zukunftsvisionen sie haben. Der Bundespräsident
unterhielt sich mit einigen der Porträtierten und hörte sich ihre
Geschichte an.
„Fünf Jahre später ist der Schmerz und das Leid nicht vergessen. Aber wenn
wir hier sind, dann erinnern wir nicht nur an den Ort einer Katastrophe,
sondern auch an einen Ort, der ein beeindruckendes Maß an Solidarität
erfahren hat“, sagte Steinmeier bei seinem nach eigener Aussage fünften
Besuch im Ahrtal. „Wenn wir heute zurückschauen, hat dieser Ort eine
furchtbare Katastrophe erlebt, aber er ist auch ein Ort, der für
Solidarität steht, für Würde, ich glaube, inzwischen auch für Stolz.“
Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) betonte bei der Ausstellung, dass
hinter jeder Opferzahl das Schicksal eines Menschen und einer Familie
stehe. Das Gedenken und Erinnern sei wichtig, um dem Schmerz Raum zu geben.
## „Das Erlebte hat uns verändert“
Die parteilose Landrätin des Kreises Ahrweiler, Cornelia Weigand, hat die
Flut miterlebt. „Bis heute sind die Folgen in der Landschaft, in unseren
Dörfern und Städten sichtbar, das Erlebte hat auch uns Menschen verändert“,
sagte sie in einer Rede bei der Eröffnung. Die Ausstellung zeige, dass von
der Flut mehr geblieben sei als Zerstörung. Und doch: „Manche Verluste sind
unersetzlich.“ Im Ahrtal sei sichtbar geworden, wie viel Menschen bereit
sind in der Not füreinander zu tun.
Gleichzeitig sieht Weigand die Ausstellung als [2][Mahnung, die
Flutkatastrophe nicht zu vergessen]. „Egal, wie viel Schutz wir hier bauen
und wie viel Raum wir der Ahr flussaufwärts geben: Es wird nicht reichen,
um hier die Investitionen, die Anstrengungen der Menschen (…), ausreichend
vor einem neuen hundertjährlichen Hochwasser schützen zu können.“ Daher
bitte sie den Bund um Öffnung der Aufbauhilfefonds für
Hochwasserrückhaltebecken.
## Die Flut nahm mehr als 180 Menschenleben
Die Flut in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 in Rheinland-Pfalz und
Nordrhein-Westfalen war eine der verheerendsten Naturkatastrophen in der
jüngeren deutschen Geschichte. Nach Starkregen verwandelten sich die Ahr
und andere Gewässer in verheerende Sturzfluten, die mehr als 180 Menschen
das Leben kosteten – 136 in Rheinland-Pfalz und 49 in Nordrhein-Westfalen.
Eine Person aus der Ahr-Region gilt bis heute als vermisst. Viele
Überlebende kämpfen noch immer mit psychischen Folgen.
Die Flut riss Autos, Häuser und Leben mit sich und zerstörte die
Infrastruktur weitgehend. Fünf Jahre nach der Flut ist der Wiederaufbau
noch nicht abgeschlossen. Bei [3][Brücken, Schulen, Krankenhäusern und
kommunaler Infrastruktur] laufen noch zahlreiche Projekte. Die Bahn fährt
seit einigen Monaten wieder regulär auf allen Strecken.
## Schneider mahnt besseren Schutz vor Naturereignissen an
Zum fünften Jahrestag der verheerenden Flutkatastrophe im Ahrtal hat
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) einen besseren Schutz vor
solchen Naturereignissen angemahnt. „Die Flut hat uns auf schmerzliche
Weise vor Augen geführt, wie verletzlich unsere Gesellschaft gegenüber
Extremwetter ist“, erklärte Schneider am Dienstag in Berlin. Die Ursachen
der Klimakrise müssten weiter entschlossen angegangen werden.
„Klimaschutz ist keine Belastung, die wir uns leisten müssen – fehlender
Klimaschutz wäre die teuerste Entscheidung“, warnte Schneider. „Die Kosten
durch immer häufigere und heftigere Extremwetter, zerstörte Infrastruktur,
wirtschaftliche Schäden und menschliches Leid wären um ein Vielfaches
höher.“ Jede vermiedene Tonne Treibhausgase helfe, die Risiken künftiger
Extremwetterereignisse zu begrenzen.
## Parlamentspräsident Lammert erinnert an die Opfer
Zum fünften Jahrestag der Flutkatastrophe im Ahrtal hat der
rheinland-pfälzische Landtagspräsident Matthias Lammert an die Opfer
erinnert und weitere Anstrengungen beim Wiederaufbau der geschädigten
Region bekräftigt. „Es gibt Nächte, die ein Land nicht vergisst. Die
Flutnacht im Ahrtal war eine solche Nacht“, sagte der CDU-Politiker in
einer Videobotschaft.
Das Hochwasser habe „unermessliches Leid, Verlust und Zerstörung“
verursacht, zugleich aber auch „beeindruckenden Zusammenhalt und großen
Einsatz“ hervorgebracht. Auch fünf Jahre später gelte das tiefe Mitgefühl
den Opfern, ihren Angehörigen und allen Betroffenen. „Die Katastrophe vom
14. auf den 15. Juli 2021 hat das Leben vieler Menschen für immer verändert
und unser Land tief erschüttert.“
## Versicherer warnen vor ähnlichen Extremwetterlagen
Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe im Ahrtal hat der Gesamtverband der
Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) vor ähnlichen Extremwetterlagen
gewarnt. „Deutschland muss schneller in Prävention und Klimafolgenanpassung
investieren“, erklärte GDV-Präsident Jörg Asmussen am Dienstag. „Die
nächste Extremwetterkatastrophe wartet nicht, bis Schutzmaßnahmen geplant,
genehmigt und gebaut sind.“
Zum einen zeige der Wiederaufbau im Ahrtal, wie langwierig wirksamer
Hochwasserschutz ist. „Große Rückhaltebecken und zusätzliche
Retentionsflächen brauchen Jahre bis zur Fertigstellung und können vielfach
nur mit Unterstützung von Bund und Land umgesetzt werden“, erklärte der
GDV.
Zudem dürfe die Vorsorge „sich nicht auf die Regionen beschränken, die
bereits von einer Katastrophe betroffen waren“, warnte Asmussen. „Auch
andere Täler und kleinere Einzugsgebiete in Mittel- und Hochgebirgen, etwa
an Kocher, Oker, Volme oder Weißeritz, können bei vergleichbaren
Wetterlagen schwer getroffen werden.“
Der Versichererverband verweist auf die Schadenszahlen in den vergangenen
Jahren. „Seit Beginn der GDV-Erhebungen im Jahr 2002 haben Elementarschäden
durchschnittlich rund 2 Milliarden Euro pro Jahr verursacht“, erklärte er.
„Selbst ohne die Ahrtalflut liegt der Durchschnitt noch bei rund 1,5
Milliarden Euro. Auch ruhigere Jahre wie 2025 sind kein Grund für
Entwarnung.“
## Erst gut ein Fünftel der Fluthilfen für Wiederaufbau genutzt
Nach dem Ende der Antragsfrist für die Fluthilfen im Ahrtal und anderen
Hochwassergebieten sind bundesweit rund 6,2 Milliarden Euro aus dem
Sondervermögen „Aufbauhilfe 2021“ ausgezahlt worden. Das teilte das
Bundesfinanzministerium auf Anfrage mit. Das entspricht gut einem Fünftel
der bis zu 30 Milliarden Euro, die der Bund für den Wiederaufbau nach der
Flut von 2021 bereitgestellt hat.
Von den bislang ausgezahlten Mitteln gingen rund 5,2 Milliarden Euro an die
Länder und rund 1 Milliarde Euro in den Wiederaufbau der
Bundesinfrastruktur. Die größten Anteile erhielten Rheinland-Pfalz mit 2,5
Milliarden Euro und Nordrhein-Westfalen mit 2,6 Milliarden Euro. Weitere
Mittel flossen unter anderem nach Bayern und Sachsen.
Das zuletzt von den Ländern gemeldete Gesamtschadensvolumen lag zum
Stichtag 30. Juni 2025 bei rund 10 Milliarden Euro. Aktuellere Zahlen
liegen dem Bund nach eigenen Angaben nicht vor. Die Frist für Erstanträge
endete am 30. Juni. „Wie hoch die aus dem Sondervermögen „Aufbauhilfe 2021“
zu tragende Summe sein wird, ist damit noch nicht abschätzbar“, erklärte
das Finanzministerium. Bewilligungen sind noch bis Ende 2030 möglich,
Auszahlungen auch darüber hinaus.
14 Jul 2026
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