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       # taz.de -- Nach tödlichen ICE-Schüssen in Maine: ICE soll Fahrzeugkontrollen weitgehend beenden
       
       > Demonstranten werfen der Einwanderungsbehörde nach der Tötung eines
       > Kolumbianers Mord und Terror vor. Der Vorfall hat nun Konsequenzen.
       
   IMG Bild: Demonstration vor dem ICE-Haftzentrum in Scarborough nahe Biddeford, Maine
       
       ap/dpa | Nach dem Tod von zwei Männern bei Einsätzen von
       US-Einwanderungsbeamten in der vergangenen Woche erhält die Behörde ICE
       strengere Auflagen. Fahrzeuge sollen nur noch in Ausnahmefällen angehalten
       und kontrolliert werden, etwa wenn ein Haftbefehl vollstreckt werde oder
       die ICE-Beamten mit Partnerbehörden zusammenarbeiteten, erfuhr die
       Nachrichtenagentur AP am Dienstag aus informierten Kreisen. Ansonsten
       sollen in der Regel keine Fahrzeuge mehr gestoppt werden. Ein Sprecher des
       US-Senators Angus King aus dem Bundesstaat Maine bestätigte, dass auch King
       über die Änderung informiert worden sei.
       
       Am Montag [1][war in Maine ein Kolumbianer erschossen worden]. Nach Angaben
       des für ICE zuständigen US-Heimatschutzministeriums hatte sich der
       ICE-Beamte „Sorgen um die öffentliche Sicherheit“ gemacht, als er die
       Schüsse auf den Kolumbianer abgab, der in einem Fahrzeug unterwegs war.
       
       ## Unterschiedliche Angaben zum Hergang
       
       Zu dem Zeitpunkt hätten Beamte das Haus einer Person überwacht, die sich
       mutmaßlich illegal in den USA aufgehalten habe und aufgefordert worden sei,
       die USA zu verlassen, gab das Ministerium auf der Plattform X an. Als ICE
       versucht habe, ein Fahrzeug zu stoppen, das von dem Haus kam, habe der
       Fahrer versucht zu fliehen. Daraufhin habe der Beamte geschossen. Senator
       King sagte hingegen wenige Stunden zuvor, Heimatschutzminister Markwayne
       Mullin habe ihm berichtet, dass der Beamte das Feuer eröffnet habe, nachdem
       der Mann versucht habe, sein Fahrzeug als Waffe gegen die ICE-Beamten zu
       verwenden.
       
       Ein Video einer Überwachungskamera eines nahegelegenen Geschäfts, das der
       AP vorlag, zeigte, wie sich ein weißes Auto langsam einer Kreuzung näherte
       und dort mehrere Runden drehte. Ein SUV der Polizei versperrte ihm den Weg,
       und zwei Beamte öffneten die Fahrertür und zogen einen leblosen Körper
       heraus. Aus dem Video ging nicht eindeutig hervor, wann die Schüsse
       abgegeben wurden.
       
       ## Proteste und Ruf nach Ermittlungen
       
       Die Kongressdelegation von Maine forderte am Dienstag eine „umfassende,
       transparente und zügige Untersuchung“.
       
       Hunderte protestierten am Dienstag in Maine gegen die tödlichen Schüsse.
       Die Demonstranten versammelten sich am Dienstag vor einem ICE-Haftzentrum
       in Scarborough nahe Biddeford, wo der Kolumbianer am Montag in einem Auto
       erschossen worden war. „Diese Leute sind Mörder und sie müssen unseren
       Staat sofort verlassen“, sagte Protestorganisator Todd Chretien zu den
       Demonstranten.
       
       Einige Teilnehmer trugen Schilder mit Aufschriften wie „Stoppt den Mord“
       und „Beendet diesen Terror“. Eine kleine Gruppe Gegendemonstranten störte
       kurzzeitig die Kundgebung.
       
       ## Aktivisten: Getöteter hatte Arbeitserlaubnis
       
       Bei dem getöteten Mann handelte es sich um den 25-jährigen kolumbianischen
       Staatsbürger Johan Sebastián Durán Guerrero, wie die kolumbianische
       Botschaft mitteilte. Laut Aktivistengruppen hatte der Kolumbianer eine
       Arbeitserlaubnis für die USA. Eine Anwohnerin, Mary Hayes, berichtete,
       Durán Guerrero habe mit seiner Frau und Tochter in der Nähe gewohnt. Er war
       mindestens das neunte Todesopfer [2][bei ICE-Einsätzen seit Beginn der
       Massenabschiebungen durch die Trump-Regierung].
       
       [3][Vergangene Woche war in Houston ein 52-jähriger Mexikaner], der nach
       Angaben seiner Familie seit 35 Jahren in den USA gelebt hatte, von einem
       ICE-Beamten in einem Fahrzeug erschossen worden. Auch in diesem Fall war
       der Tote nicht Ziel des ICE-Einsatzes, sondern eine andere Person, die in
       dem Wagen mitfuhr. Weder in Maine noch in Houston trugen die ICE-Beamten
       Körperkameras.
       
       ## US-Polizei: Neuer Todesfall im Kontext von ICE-Einsatz
       
       Im Kontext von Einsätzen der umstrittenen US-Migrationsbehörde ICE hat es
       erneut einen Todesfall gegeben. Eine Person sei beim Aufeinandertreffen
       unter anderem mit ICE-Beamten auf einem Tankstellenparkplatz im
       US-Bundesstaat Florida zu Fuß geflüchtet und in der Folge bei einem
       Verkehrsunfall gestorben, teilte die Autobahnpolizei von Florida unter
       Berufung auf erste Erkenntnisse mit. Die Person, die mit drei anderen
       Insassen eines Wagens vor den Beamten Dienstagfrüh geflüchtet war, sei auf
       einer Straße von einem Sattelzug erfasst und tödlich verletzt worden, hieß
       es weiter. Der Unfall habe sich im Umfeld der bei Touristen beliebten Stadt
       St. Augustine ereignet.
       
       Ein Sprecher des Heimatschutzministeriums teilte auf dpa-Anfrage mit, dass
       das Todesopfer einen mexikanischen Pass hatte. Die Rede war von einem
       Einsatz von Strafverfolgungsbehörden. ICE wurde namentlich aber nicht
       genannt. Laut Autobahnpolizei soll neben ICE auch die für
       grenzüberschreitende Verbrechen zuständige Abteilung HSI des
       Heimatschutzministeriums an dem Einsatz beteiligt gewesen sein. Der
       Hintergrund blieb unklar.
       
       ## Mexiko schaltet UN nach Todesfällen in ICE-Gewahrsam ein
       
       Mexiko hat wegen der Todesfälle eigener Staatsbürger im Zusammenhang mit
       der US-Einwanderungsbehörde ICE den UN-Hochkommissar für Menschenrechte
       eingeschaltet. Außenminister Roberto Velasco bat UN-Hochkommissar Volker
       Türk in einem Schreiben, die Todesfälle prüfen zu lassen und Informationen
       von den US-Behörden einzuholen, wie das mexikanische Außenministerium
       mitteilte. Das Büro des Hochkommissars solle zudem prüfen, ob die Vorfälle
       mit den internationalen Menschenrechtsverpflichtungen der USA vereinbar
       seien, Empfehlungen aussprechen und den Fall gegebenenfalls an die
       zuständigen Sonderverfahren des UN-Menschenrechtsrats weiterleiten.
       
       Präsidentin Claudia Sheinbaum hatte in der vergangenen Woche angekündigt,
       nach den Todesfällen mexikanischer Staatsbürger im Zusammenhang mit ICE
       nicht mehr nur diplomatisch, sondern auch juristisch gegen die
       Verantwortlichen vorzugehen. Nach Angaben der Regierung starben bislang
       drei Mexikaner bei Einsätzen der Einwanderungsbehörde und 14 weitere in
       Abschiebehaft.
       
       Nun setzt die Regierung diese Ankündigung um. Gemeinsam mit der
       Generalstaatsanwaltschaft werde eine Anzeige beim US-Justizministerium
       vorbereitet, die über die mexikanische Botschaft in Washington eingereicht
       werden solle. Außerdem hätten Botschaft und Konsulate damit begonnen,
       Anzeigen bei den zuständigen Staatsanwaltschaften der betroffenen
       Bundesstaaten einzureichen. Zudem verschickte Mexiko erste
       Unterlassungsaufforderungen an betroffene Haftzentren. Das erste Schreiben
       ging an das Abschiebegefängnis Adelanto in Kalifornien und gilt als erster
       formaler Schritt für mögliche Zivilklagen.
       
       15 Jul 2026
       
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