URI: 
       # taz.de -- Entscheidung steht bevor: Mehr Konkurrenz auf der Schiene
       
       > Wie viel Wettbewerb muss die Bahn aushalten? Die Entscheidung der
       > Bundesnetzagentur soll schon bald kommen. Streit gibt es auch um eine
       > wichtige App.
       
   IMG Bild: Mehr Wettbewerb auf der Schiene? Ein ICE der Bahn und ein Flixtrain im Berliner Hauptbahnhof
       
       Grundsätzlich freut sich Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU)
       über die Aussicht auf mehr Wettbewerb im Fernverkehr auf der Schiene. Ab
       2028 will neben den ICE der Deutschen Bahn (DB) und den grünen Zügen von
       Flixtrain [1][auch das italienische Unternehmen Italo
       Hochgeschwindigkeitsverbindungen in Deutschland anbieten].
       
       Doch die einfache Formel, mehr Wettbewerb führe zu einer besseren Qualität
       und zu sinkenden Preisen, gilt wohl nur bedingt, wie Schnieder der
       Deutschen Presse-Agentur (dpa) verriet: „Ich möchte natürlich nicht, dass
       es ein Unternehmen gibt, das sich nur lukrative Strecken raussucht und mit
       den lukrativen Strecken viel Geld verdient und es an anderen Stellen im
       Netz und in der Verbindung ein Problem gibt.“
       
       [2][Bedenken] in dieser Hinsicht kommen sowohl von der DB als auch von
       Nahverkehrsunternehmen und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG).
       So gibt die DB an, unwirtschaftlichen Verkehr in der Fläche durch die
       Gewinne aus dem lukrativen Geschäft mit Hochgeschwindigkeitszügen
       querzufinanzieren. Doch genau in diesem Markt wollen Italo und Flixtrain
       der DB Marktanteile streitig machen.
       
       Aktuell fahren im Fernverkehr 95 Prozent der Züge mit dem Logo der DB.
       Schnieder deutete nun an, dass eine Lösung über die Trassenpreise denkbar
       ist. Auf wenig nachgefragten Strecken könnte die Nutzungsgebühr sinken, auf
       begehrten Verbindungen steigen. So wäre der Verkehr in der Fläche für
       Bahnunternehmen womöglich wirtschaftlich. Die Nahverkehrsunternehmen
       befürchten dagegen Nachteile durch eine steigende Kapazitätsauslastung
       durch Fernzüge, vor allem an den chronisch überlasteten Knotenbahnhöfen.
       
       ## Entscheidung steht bevor
       
       Die Bundesnetzagentur will die Tür für mehr Wettbewerb auf jeden Fall weit
       öffnen. In diesen Tagen steht dazu eine Entscheidung an. Sie sieht vor, den
       neuen Konkurrenten der DB eine gewisse Zahl an Fahrten zu garantieren. Die
       Vergabe dieser Trassen wird von der Infrastruktursparte InfraGO bestimmt,
       die zum DB-Konzern gehört. Der Fernverkehr der Bahn darf dann nur noch auf
       eine begrenzte Zahl an den Trassen den Zuschlag erhalten, muss also
       Marktanteile abgeben.
       
       An anderer Stelle hat die DB den Minister erst einmal ausgekontert.
       Schnieder wollte den DB-Navigator vom Fernverkehr an die InfraGO übertragen
       und für alle Bahnunternehmen öffnen. Stattdessen entwickelt die DB nun eine
       neue App, auf der Reisende dann nicht nur Zugauskünfte der Konkurrenz
       finden, sondern sich per Link auch zu deren Ticketshops durchklicken
       können.
       
       Das reicht Matthias Stoffregen, Chef des Verbands Mofair, der private
       Bahnen vertritt, nicht aus. Er fordert eine Pflicht der DB, über den
       Navigator auch die Tickets anderer Unternehmen zu verkaufen. Und es müsse
       einen unternehmensübergreifenden Tarif für Fernverkehrsfahrten geben, der
       sich an den Flexpreisen der DB orientiere, verlangt Stoffregen. Mit diesen
       Tickets sollen die Fahrgäste dann alle Linienzüge nutzen können. Unbenommen
       davon könnten die Unternehmen dann Sonderpreise anbieten.
       
       Auf dem Weg zu mehr Wettbewerb liegen also noch einige Stolpersteine. Am
       Ende könnten die Fahrgäste tatsächlich durch günstigere Preise profitieren.
       Zumindest hat das in Spanien und Italien nach dem Markteintritt von Italo
       geklappt.
       
       ## Investitionen steigen
       
       Gute Nachrichten hat auch die Allianz pro Schiene. Mit 222 Euro
       Investitionen pro Kopf hat es Deutschland auf den fünften Rang bei den
       Investitionen ins Schienennetz geschafft. 18,5 Milliarden Euro flossen
       demnach 2025 in die Sanierung und den Ausbau des Netzes. „Das ist viermal
       so viel wie vor zehn Jahren“, sagt Verbands-Chef Dirk Flege, „Deutschland
       ist bahnpolitisch aufgewacht.“
       
       Doch von den Spitzenreitern bei den Schieneninvestitionen ist das Land noch
       weit entfernt. Österreich steckt mit 358 Euro, die Schweiz mit 504 Euro und
       Luxemburg mit 622 Euro pro Nase weit mehr in ihre Schieneninfrastruktur.
       Doch mehr Geld bedeutet laut Flege nicht auch mehr Bauleistung. Im
       Gegenteil. Es werde gerade Steuergeld verbrannt, kritisiert Flege. Da es
       keine überjährige Finanzierungssicherheit gebe, müssten Projekte immer
       wieder abgebrochen und wieder angefahren werden. Der Verband fordert daher
       eine fünfjährige Finanzierungssicherheit im Rahmen der geplanten
       Infrastruktur-Investitionen für das Schienennetz.
       
       15 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Bundesnetzagentur-zu-Italo-Einstieg/!6192187
   DIR [2] /Italo-will-DB-Konkurrenz-machen/!6183581
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Wolfgang Mulke
       
       ## TAGS
       
   DIR Deutsche Bahn
   DIR Mobilität
   DIR Infrastruktur
   DIR GNS
   DIR Reden wir darüber
   DIR Deutsche Bahn
   DIR Deutsche Bahn
   DIR Schwerpunkt Klimawandel
   DIR Deutsche Bahn
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Bahnchefin Palla greift durch: Deutsche Bahn will Alkohol an allen Bahnhöfen verbieten
       
       Bis zum Herbst soll es auf allen Bahnhöfen verboten sein, Bier, Wein,
       Schnaps oder anderen Alkohol zu trinken. Die Bahn hofft auf mehr Ordnung
       und Sicherheit.
       
   DIR Bundesnetzagentur zu Italo-Einstieg: Deutsche Bahn muss Platz machen
       
       Auf vielbefahrenen Strecken soll die DB in Zukunft Kapazitäten an die
       Konkurrenz vergeben, sagt die Bundesnetzagentur. Das kommt nicht überall
       gut an.
       
   DIR Konkurrenz im Fernverkehr: Bahn warnt vor Italo und Flixtrain
       
       Die Nervosität der Bahn wegen Konkurrenz im Fernverkehr steigt: Es drohten
       überfüllte Trassen und abgehängte Prärie. Fachleute fordern mehr
       Wettbewerb.
       
   DIR Italo will DB Konkurrenz machen: Bahnchefin Palla warnt vor „ungesteuertem Wettbewerb“
       
       Das italienische Unternehmen Italo will im deutschen Fernverkehr
       mitmischen. Bisher hält die Deutsche Bahn dort 95 Prozent Marktanteil.