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       # taz.de -- Straße von Kertsch gesperrt: Der nächste Schlag für die russische Wirtschaft
       
       > Nach ukrainischen Angriffen stoppt Russland den Schiffsverkehr an zwei
       > wichtigen Wasserstraßen. Russische Getreideexporte sinken und treffen die
       > Wirtschaft.
       
   IMG Bild: Ein Video still zeigt einen ukrainischen Angriff auf ein russisches Schiff im Asowschen Meer, veröffentlicht am 9. Juli
       
       Die taz panterstiftung präsentiert unter [1][taz.de/unserfenster] jeden
       Mittwoch eine wöchentliche Auswahl aktueller Berichte aus russischen
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       „Novaya Gazeta Europe“ öffnet mit dem folgenden Beitrag ein Fenster nach
       Russland. [2][Den ganzen Text lesen Sie hier auf Russisch].
       
       Russland hat nach ukrainischen Drohnenangriffen den Schiffsverkehr auf dem
       Asow-Don-Seekanal am 10. Juli gestoppt. Der Kanal verbindet den Don mit dem
       Asowschen Meer. Von dort aus führt die Straße von Kertsch weiter ins
       Schwarze Meer, sie ist die einzige Wasserverbindung zwischen beiden Meeren.
       Dort wurde die Durchfahrt für Schiffe faktisch ausgesetzt, neue Anträge
       werden nicht mehr angenommen.
       
       Die faktische Sperrung beider Wasserwege habe schon jetzt Folgen, schreibt
       Novaya Gazeta Europe. Wegen der Schließung können zivile Schiffe aus den
       russischen Asow-Häfen ihre internationalen Routen nicht mehr normal
       bedienen. Betroffen sind die Häfen Asow, Rostow am Don und Taganrog, sie
       können keine Weizenlieferungen mehr annehmen. Landwirte zeigen bereits
       Fotos von langen Lkw-Schlangen, die mit Getreide beladen auf Abfertigung
       warten.
       
       Die Schwarzmeerregion ist wirtschaftlich bedeutsam für Russland. Entlang
       der Asowschen Küste liegen mit Rostow und Krasnodar die wichtigsten
       Getreideanbaugebiete. An der Straße von Kertsch befindet sich zudem der
       zweitgrößte Hafen der russischen Schwarzmeerregion.
       
       Nach Einschätzung von Expert:innen könnte eine längere Sperrung des
       Kanals fast ein Viertel der russischen Weizenexporte beeinträchtigen. Seit
       Sperrung des Kanals stiegen die Weizenpreise an der Terminbörse Euronext um
       vier Prozent.
       
       ## Stillstand für russische Häfen
       
       Eine offizielle Begründung für die Sperrung gibt es aus dem Kreml bislang
       nicht. Der Militärexperte Kirill Michailow sagt, die Sperrung sei eine
       Reaktion auf die seit mehreren Tagen [3][andauernden ukrainischen
       Drohnenangriffe] auf Tanker und andere Schiffe im Asowschen Meer.
       
       Für die russischen Häfen am Asowschen Meer bedeuten die Einschränkungen
       einen faktischen Stillstand, da zivile Schiffe die Straße von Kertsch nicht
       mehr passieren können. Laut Michailow hat die Ukraine damit „ein ziemlich
       bedeutendes strategisches Ergebnis“ erzielt.
       
       Laut The Insider wurden am Abend des 9. Juli 14 russische Schiffe im
       Asowschen Meer getroffen. Am 10. Juli griffen ukrainische Drohnen weitere
       13 russische Schiffe an, darunter 10 Tanker. Insgesamt mindestens 48
       russische Schiffe wurden demnach angegriffen.
       
       Der [4][Treibstoffmangel] verschärft die Situation zusätzlich. Besonders
       angespannt ist die Lage im Süden Russlands, beispielsweise in den Regionen
       Krasnodar, Stawropol und Rostow sowie auf der annektierten Krim. Dort
       kämpfen Landwirte mit Dieselknappheit, langen Warteschlangen an Tankstellen
       und Abgabebeschränkungen.
       
       ## Noch keine Krise, aber lokale Verzögerungen
       
       Wie Forbes unter Berufung auf Expert:innen berichtet, rechnen einige
       Landwirte aus der Region Rostow bereits mit Ernteverlusten von bis zu 15
       Prozent, weil die Felder nicht rechtzeitig abgeerntet werden können.
       
       Von einer akuten Krise wollen die Gesprächspartner des Magazins jedoch noch
       nicht sprechen. Andrej Sizow vom Analysehaus SowEkon geht davon aus, dass
       es sich bislang überwiegend um lokale Verzögerungen bei der Ernte handelt.
       Langfristig könnten jedoch steigende Kosten und sinkende Rentabilität dazu
       führen, dass die Anbauflächen weiter schrumpfen und kleinere
       landwirtschaftliche Betriebe aufgeben müssen.
       
       Sinkende Exporte treffen nicht nur die russische Wirtschaft, sondern auch
       die Versorgungslage von Ländern, die von den Getreidelieferungen abhängig
       sind. Russland und die Ukraine zählen gemeinsam zu den größten
       Weizenexporteuren der Welt und decken zusammen rund 30 Prozent des globalen
       Weizenhandels ab. Laut Weltbank sind vor allem Länder in Afrika, Asien,
       Lateinamerika und im Nahen Osten besonders abhängig.
       
       Seit Beginn der russischen Vollinvasion 2022 ist der Export ukrainischen
       Getreides über das Schwarze Meer beeinträchtigt. Im Sommer 2022
       vermittelten die Vereinten Nationen und die Türkei das
       Schwarzmeer-Getreideabkommen, das den sicheren Export ukrainischen
       Getreides aus den Häfen ermöglichte; während seiner Laufzeit wurden knapp
       33 Millionen Tonnen exportiert. Im Juli 2023 stieg Russland aus dem
       Abkommen aus und erklärte seitdem alle Schiffe auf dem Weg zu ukrainischen
       Häfen im Schwarzen Meer als potenzielle Transporte militärischer Güter.
       
       Seitdem hat der Kreml seine Angriffe auf ukrainische Schwarzmeerhäfen und
       zivile Schiffe verschärft, zuletzt verstärkt auf die Tiefwasserhäfen im
       Großraum Odessa, über die ein Großteil der ukrainischen Getreideexporte
       abgewickelt wird.
       
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       15 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Unser-Fenster-nach-Russland/!t5916992
   DIR [2] https://novayagazeta.eu/articles/2026/07/11/put-zernu-perekryt
   DIR [3] /Ukrainische-Angriffe-auf-Russland/!6183617
   DIR [4] /Treibstoffkrise-in-Russland/!6194360
   DIR [5] https://secure.spendenbank.de/form/1705?langid=1--
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Tigran Petrosyan
       
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