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       # taz.de -- OSTEN-Festival in Bitterfeld: „Nicht von der AfD diktieren lassen“
       
       > Stärkt Kunst die Demokratie? In Bitterfeld soll sie Raum für Begegnung
       > schaffen. Dort ist wieder OSTEN-Festival, diesmal kurz nach den Wahlen.
       
   IMG Bild: Kurator Aljoscha Begrich
       
       „Da entstehen utopische Mini-Räume,“ findet Aljoscha Begrich, „wenn Leute
       sich einen Raum teilen, die sonst nie einen teilen würden.“ Das
       OSTEN-Festival habe da eine eigene Kraft. Im September organisiert er als
       einer von vier Kurator*innen wieder das Kunst-Festival in Bitterfeld.
       „Kontinuierlich Dinge machen ist wichtig. Das zeigt, dass man es ernst
       meint.“
       
       Die dritte Festivalausgabe findet eine Woche nach den Landtagswahlen in
       Sachsen-Anhalt statt. Der Fokus liege auf Kunst. Das sei kein Festival für
       soziale Arbeit oder ein Begegnungsfestival, so Begrich. Er sieht Kunst
       vielmehr als Anlass, um in Begegnung zu kommen: „Manchmal ist es vielleicht
       gut zu tanzen und nicht zu sprechen.“ Für ihn sei es wichtig, sich aus
       engen gedanklichen Räumen zu befreien. „In 300 Jahren wird kein Mensch mehr
       über die AfD reden.“
       
       Prognosen sehen für Sachsen-Anhalt braun-blau: Die AfD liegt vorne, gefolgt
       von der CDU, in Umfragen mit einem Abstand von rund 10 Prozentpunkten.
       Falls die Christdemokrat*innen weiterhin eine Koalition mit AfD und
       Linken ausschließen, steht eine Minderheitsregierung im Raum. Aber falls
       die CDU die Brandmauer in Sachsen-Anhalt einreißt, käme es zu einer
       „Wahnsinns-Koalition, die die anderen vor sich hertreiben wird,“ so die
       Prognose des Kurators.
       
       ## „Kein Festival gegen die AfD“
       
       „Wir wollen kein Festival gegen Rechte sein, oder gegen die AfD,“ so
       Begrich. Denn als 2021 die erste Ausgabe des Festivals geplant war, wurde
       es „in den Strudel der Wahl gezogen,“ so Begrich. [1][Gegen die Ausgabe von
       2024 erstattete ein AfD-Bundestagsabgeordneter Anzeige]. Deshalb findet das
       Festival diesmal nach der Wahl statt. Begrich: „Wir wollen unser Programm
       nicht von der AfD diktieren lassen.“ Stattdessen reagiere das Festival mit
       seinem Angebot „inhaltlich und emotional“.
       
       Das Wichtigste sei, mal aus seiner Bubble rauszukommen, findet Begrich. Das
       gelte auch für ihn selbst. Der Kurator wurde im damaligen Bezirk Magdeburg
       geboren und wohnt heute in Berlin. „Damit muss man transparent sein.“
       
       Die Künstler*innen kommen zum Teil aus dem Osten, „aber das kann Leipzig
       oder auch Mazedonien heißen,“ so Begrich. Für ihn sei es wichtiger, dass
       die Künstler*innen sich thematisch mit dem Wissen vor Ort verbinden.
       Ähnlich wie damals beim [2][„Bitterfelder Weg“] gehen viele Projekte der
       Frage nach, wie alle an Kunst partizipieren können.
       
       Etwa beim Chorprojekt „Wie klingt der Osten?“: Unter diesem Motto sammelten
       Federico Vöcks de Schwindt (geboren in Argentinien) und Wenzel Vöcks de
       Schwindt (geboren in Magdeburg) über ein Jahr lang Liedgut aus der Region.
       Auf dem Festival führen es dann Bitterfelder*innen auf.
       
       ## „Festival für gegenseitiges Interesse“
       
       Das OSTEN-Festival gehe mehr von den lokalen Initiativen aus, meint
       Begrich. Das Frauenhaus oder das Mehrgenerationenhaus seien wichtigere
       Schnittstellen als der Fotograf von vor Ort, der sein Foto zeigt. „Der
       kommt aber auch!“ Außerdem werden die Veranstaltungsorte wieder durch die
       Installationen und Workshops einbezogen. Das ist das ehemalige Kraftwerk
       Zschornewitz und verschiedene Locations im Stadtteil Wolfen-Nord, unter
       anderem der ehemalige Jugendclub 84.
       
       Das verspricht auch der Untertitel: „Festival für Kunst und gegenseitiges
       Interesse“. Auf dem Programm über zwei Wochen stehen viel Kunst,
       Klanginstallationen, Lesungen und Performances. Das Theater Halle gastiert
       auch in Bitterfeld. Außerdem gibt es Spaziergänge in der Gegend, Filme
       sowie Programmpunkte für „Begegnung“ und „Gespräch“.
       
       ## „Gegen den Diskurs, hier geht nichts mehr“
       
       Die stärkende Wirkung von Kunst auf Demokratie schätzt Begrich sachlich
       ein: „Damit erreicht man nicht 80 Prozent der Bevölkerung. Man erwartet da
       zu viel von Kunst.“ Für ihn gehe es mehr darum, dass Kunst überhaupt
       stattfindet. Wenn er mit kuratorischen Anfragen anklopfe, sei die erste
       Reaktion oft: „Das wird doch eh nichts.“ Diese Haltung habe sich in seiner
       Wahrnehmung verstärkt.
       
       Wie soll es dieses Jahr laufen? „Ich wünsche es mir so, wie es war. Aber
       das ist eine Falle,“ lacht Begrich. Er freue sich jedenfalls wieder darauf,
       wenn der Hipster aus Leipzig auf die Seniorin aus Bitterfeld trifft.
       
       18 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.deutschlandfunk.de/polizei-ermittelt-gegen-umstrittene-kunstwerke-auf-dem-osten-festival-102.html
   DIR [2] /Optimismus-in-der-ostdeutschen-Provinz/!5860647
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Adam Schwedhelm
       
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