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       # taz.de -- Danke, Frankreich: Der (vor)letzte Akkord
       
       > Frankreich scheitert im Halbfinale an Spanien. Dabei hatte die Mannschaft
       > zuvor eine atemberaubende Show abgeliefert. Man kann sich nur bedanken.
       
   IMG Bild: Bei aller Enttäuschung noch ein Applaus für die Fans: Kylian Mbappé
       
       „Darum sagen wir: auf Wiedersehn. Die Zeit mit euch war wunderschön. Es ist
       wohl besser, jetzt zu gehn, wir können keine Tränen sehn. Schönen Gruß und
       auf Wiedersehn.“ So singen es die Toten Hosen in ihrem Song „Schönen Gruß,
       auf Wiedersehn“. Das passt gerade perfekt: Das letzte Album der Band ist
       fertig, die Abschiedstour steht bevor und bald wird der allerletzte Ton
       erklingen.
       
       Ähnlich ergeht es der französischen Équipe Tricolore. Als
       [1][Schiedsrichter Iván Barton] das Spiel abpfiff, war klar: Das war’s.
       Zeit, Abschied zu nehmen. Eine Ära geht zu Ende, die mit dem
       Weltmeistertitel 2018 begann. Doch wie im Lied der Hosen blieb auch hier
       das Meer der Enttäuschung trocken. Kaum eine Träne war zu sehen. Dabei
       hätten die Franzosen allen Grund dazu gehabt. Denn was war das für ein
       Turnier, das hier endete!? Was für eine atemberaubende Show Didier
       Deschamps’ Mannschaft in den Stadien der USA abgeliefert hatte!
       
       Frontmann [2][Kylian Mbappé] führte das Team an. Er glänzte auf dem Platz,
       übernahm Verantwortung neben dem Rasen und erzielte acht Tore. Mal traf er
       aus der Distanz, mal im Strafraum, mal vom Elfmeterpunkt. Er wirkte
       unaufhaltsam. Selbst die [3][rassistischen Äußerungen der paraguayischen
       Senatorin Celeste Amarilla] brachten den 27-Jährigen nicht aus der Ruhe.
       Und Mbappés Stärke beruhte auf einem eingespielten Ensemble. Hinter ihm
       standen Spieler, die für ihn spielten und trotzdem glänzten, als stünden
       sie selbst im Rampenlicht. An solchen Teamplayern mangelte es der
       französischen Offensive nicht.
       
       ## Eine perfekte Mannschaft
       
       [4][Michael Olise] war der Taktgeber. Mit kühlem Kopf lenkte er das
       Offensivspiel und setzte seine Mitspieler immer wieder perfekt in Szene.
       Während Mbappé bis zum Finale mit fast jedem Abschluss Gefahr ausstrahlte,
       sorgte Olise mit nahezu jedem Pass für Präzision. Ousmane Dembélé, Désiré
       Doué und Bradley Barcola kämpften um die beiden Plätze auf den Flügeln und
       stellten ihre Egos hintenan.
       
       Besonders Dembélé beeindruckte in dieser Rolle, obwohl er selbst
       [5][Weltfußballer] und zweifacher Champions-League-Sieger ist. Im letzten
       Gruppenspiel glänzte er mit einem Dreierpack. Es war ein Soloauftritt, der
       sich sehen lassen konnte. Danach fügte er sich wieder ins Ensemble ein. Mit
       explosiven Dribblings und Tempoläufen setzte er Akzente, ohne den Frontmann
       zu überstrahlen.
       
       Dass diese Mannschaft so harmonierte, war auch ein Verdienst von [6][Didier
       Deschamps]. Im Gruppenspiel gegen Norwegen fehlte der Trainer wegen der
       Beerdigung seiner Mutter. Im Sechzehntelfinale gegen Schweden kehrte er
       zurück. Als Mbappé kurz vor der Pause das 1:0 erzielte, rannte er direkt zu
       Deschamps und fiel ihm in die Arme. Sekunden später stürmte die gesamte
       Mannschaft hinzu. Ein Sinnbild für den Zusammenhalt der Mannschaft.
       
       ## Die Auflösung
       
       Doch wie die meisten großen Bands blieb auch das französische Ensemble
       nicht von Auflösungserscheinungen verschont. Spanien hat die Équipe
       Tricolore zermürbt und ihr phasenweise die Lust am Fußball genommen. Die
       zuvor so harmonierenden Stars wirkten plötzlich ratlos. Sinnbildlich dafür
       war Mbappés Frustattacke gegen Spaniens Torhüter Unai Simón kurz vor dem
       Schlusspfiff. Das letzte Konzert findet nun nicht wie erhofft im MetLife
       Stadium in New Jersey statt, sondern in Miami, beim ungeliebten Spiel um
       Platz drei.
       
       Trotzdem reiht sich Frankreich nicht in die Liste jener Starteams ein, die
       an ihrem eigenen Ego zerbrachen, wie Brasilien 2006 oder Deutschland 1994.
       Dafür funktionierte das Miteinander über weite Strecken zu gut. Diese
       Mannschaft wird anders in Erinnerung bleiben. Denn bei aller individuellen
       Klasse war sie mehr als die Summe ihrer Stars.
       
       Und Mbappé ist immer noch ihr Anführer. Das zeigte sich auch nach dem
       Halbfinal-Aus. Die Niederlage stand längst fest, die Spieler waren – mit
       sich selbst beschäftigt – auf dem Weg in die Katakomben, ohne sich von den
       französischen Fans zu verabschieden. Wahrscheinlich wären sie einfach
       verschwunden. Doch Mbappé pfiff seine Mitspieler noch einmal zurück.
       Gemeinsam gingen sie zur Kurve und bedankten sich. Das war ein letzter
       gemeinsamer Akkord, bevor sich der Vorhang langsam schloss.
       
       Noch sagen wir nicht auf Wiedersehen, denn einmal wird man sie noch sehen.
       Trotzdem bleibt: Die Zeit mit euch war wunderschön.
       
       15 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Rico Setz
       
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