# taz.de -- Schutzfunktion in Gefahr: Deutschlands Landschaften kühlen nicht mehr gut
> Ein Index zeigt, wo Landschaften noch kühlen und Klimaextreme abfedern.
> Die Faktoren grün, feucht und kühl wurden gemessen. Der Trend ist
> negativ.
IMG Bild: Landwirtschaftlich stark genutzte Landschaften, wie hier auf einem Sonnenblumenfeld in Hessen, erwärmen sich und trocknen immer mehr aus
kna | In Deutschland verlieren Landschaften in der Klimakrise zunehmend
ihre natürliche kühlende Schutzfunktion. Das ist das Ergebnis einer am
Mittwoch in Stuttgart vorgestellten Studie. „Die Verwundbarkeit steigt an“,
sagte der Biologe und Studienautor Pierre Ibisch mit Blick auf die
Ökosysteme in allen Bundesländern.
„Viele Regionen verlieren ihre Fähigkeit, [1][Hitze] zu mildern, Wasser in
der Landschaft zu halten und die Folgen der Klimakrise abzufedern“, so der
Professor für Sozialökologie der Waldökosysteme an der Hochschule in
Eberswalde.
Um die Entwicklung noch besser beobachten zu können, haben der
Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und das Econics Institute in Berlin
einen „Grün-feucht-kühl-Index“ entwickelt, der am Mittwoch vorgestellt
wurde. Diese auf Wetter- und Satellitendaten basierende „Fieberkarte“ zeigt
jährlich bundesweit, wie leistungsfähig die Natur ist, wenn es um Kühlung
von Landschaften, um Wasserrückhalt und Klimaanpassung geht.
Fazit: In Deutschland gebe es einen „großen Grad der Zerschneidung von
funktionsfähigen Ökosystemen“. Nötig sei nun eine Stabilisierung der „noch
grünen Bereiche“ und eine Wiederherstellung lebenswichtiger großräumiger
Ökosysteme.
Der Nabu-Landesvorsitzende für Baden-Württemberg, Johannes Enssle, mahnte
die Politik zum schnellen Handeln: „Was wir gerade erleben mit den
Hitzewellen, sind nur die Vorwehen für das, was uns noch bevorsteht mit dem
Klimawandel.“
Auch Ibisch betonte: „Die Natur arbeitet nicht für uns, sondern für sich
selbst – aber wir hängen davon ab, dass das Ganze funktioniert.“ Intakte
Natur sei wichtig: „Je vitaler, kühler und feuchter, desto
leistungsfähiger.“ Man beobachte gerade jetzt angesichts trockener Wälder
und Niedrigwasserstände, „dass wichtige Ökosystem-Leistungen wegbleiben“.
Ökosysteme seien aber nicht nur eine schöne grüne Kulisse mit ästhetischem
Wert, so Ibisch. Das sei zwar eine Motivation für Naturschutz. „Aber im
Moment geht es schon ein bisschen um die Existenz“, betonte der Experte.
Besonders intensiv genutzte Agrarregionen, stark versiegelte Städte und
ausgebaute Gewässerräume wiesen häufig Defizite auf. Der Trend sei negativ.
15 Jul 2026
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