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       # taz.de -- Nach Protest gegen Rheinmetall-Fabrik: Verhaftet wegen Polizeigewahrsam
       
       > Eine Aktivistin kommt in Sitzungshaft, weil sie ihren Gerichtsprozess
       > verpasst. Das lag allerdings wohl daran, dass sie sich in
       > Polizeigewahrsam befand.
       
   IMG Bild: Die Aktivistin Emma Dorow steht mit Name und Gesicht zu ihren Protestaktionen
       
       Stellen Sie sich vor, Sie kommen in den Knast, weil Sie ihren
       Gerichtstermin verpassen, weil die Polizei sie verhaftet hat. Was abstrus
       klingt, ist so laut der Gruppe Peacefully Against Genocide tatsächlich der
       Klima- und Menschenrechtsaktivistin Emma Dorow passiert.
       
       Was ist geschehen? Am Montag wurde Dorow in Moabit vor ihrer Haustür von
       der Polizei aufgegriffen und in eine sogenannte Sitzungshaft gesteckt. Der
       Grund: Sie hatte am 26. März um 9 Uhr morgens in Nürnberg einen
       Gerichtstermin verpasst, wo sie sich wegen einer [1][Flughafenblockade der
       Letzten Generation] verantworten sollte. Dorow saß allerdings am Vortag bis
       in die Abendstunden hinein im Gewahrsam der Berliner Polizei, weil sie
       [2][mit der Gruppe Peacefully Against Genocide das Dach der
       Rheinmetall-Fabrik im Wedding besetzt hatte], um gegen Waffenexporte nach
       Israel zu protestieren. Laut der Gruppe dauerte der Gewahrsam so lange,
       dass sie nicht mehr rechtzeitig mit dem Zug nach Nürnberg fahren konnte.
       
       Für das Gericht Grund genug, einen Haftbefehl zu erlassen. Das Fernbleiben
       vom Prozess sei „nicht genügend entschuldigt“ gewesen, sagte eine
       Sprecherin des Nürnberger Amtsgerichts der taz. Das Gericht habe Dorow für
       ihren Prozess extra ein Flexticket gestellt, mit dem sie die Fahrt
       „rechtzeitig hätte antreten können“. Das Ausstellen des Haftbefehls sei
       deshalb verhältnismäßig gewesen.
       
       ## Keine Fluchtgefahr
       
       Für die Aktivist:innen ist das absurd. Lina Eichler von Peacefully
       Against Genocide sagte der taz, das Gericht habe mit seiner Entscheidung
       „wirklich jedes Maß und Mittel verloren“. Das Gericht hätte sich auch für
       eine einfache Vorführung durch die Polizei entscheiden können, sagte
       Eichler – dabei bringen Polizist:innen eine Angeklagte unmittelbar zum
       Gerichtstermin. Eine Sitzungshaft dauert dagegen bis zum Prozesstag an –
       der allerdings noch nicht einmal terminiert ist. „Wir befürchten, dass Emma
       wochenlang oder gar monatelang in Haft gehalten werden könnte“, so Eichler.
       Dorow würde nun vermutlich mit Gefangenensammeltransporten von Haftanstalt
       zu Haftanstalt durch die Republik gekarrt, bis sie in Nürnberg eintrifft.
       
       Die Aktivist:innen klagen das auch deshalb an, weil im Prozess wegen
       der Flughafenblockade von einer Bewährungsstrafe auszugehen sei. Zu einer
       solchen wurde jedenfalls die Mitangeklagte von Dorow verurteilt, wie auch
       das Gericht der taz bestätigte. „Emma ist seit Jahren in der Bewegung aktiv
       und hat sich immer allen Konsequenzen gestellt, die ihr friedlicher Protest
       mit sich bringt“, sagt Eichler. Noch nie habe sich ein:e
       Unterstützer:in der Letzten Generation oder von Peacefully Against
       Genocide einem Prozess entzogen. „Es gibt keinen Grund, das jetzt
       anzunehmen.“
       
       Die Gerichtssprecherin sagte der taz, nun, wo Dorow in Haft sei, gelte
       verfassungsrechtlich das Beschleunigungsgebot. Die zuständige Richterin
       wolle sich deshalb „zeitnah“ um einen neuen Termin bemühen. Darüber hinaus
       stünde es Dorow frei, eine Haftbeschwerde einzureichen, um die
       Rechtmäßigkeit der Haft überprüfen zu lassen.
       
       Die Gruppe will derweil eine Solidaritätskampagne für Dorow auf die Beine
       stellen. „Das ist ein Angriff gegen alle Menschen, die friedlich gegen den
       Genozid in Palästina oder die Klimakrise demonstrieren“, sagte Eichler. Der
       Staat habe offensichtlich vor, den Aktivist:innen „Angst zu machen“,
       das werde aber nicht funktionieren. Über die ganze letzte Woche hatte sich
       die Gruppe an [3][Protesten und Blockadeaktionen der Rheinmetall-Fabrik]
       beteiligt, zuletzt am Dienstag gemeinsam mit der Klimaaktivistin Greta
       Thunberg.
       
       15 Jul 2026
       
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