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       # taz.de -- Mutmaßlicher Mehrfachvergewaltiger: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage wegen Vergewaltigung
       
       > Ein 68-jähriger Elektriker muss sich demnächst vor dem Landgericht
       > verantworten. Vorgeworfen werden ihm 22 Fälle von Vergewaltigung.
       
   IMG Bild: Bis das Verfahren beginnt, werden wohl noch mehrere Wochen vergehen
       
       Im Falle des 68-jährigen Deutschen aus Friedrichsfelde, der in seiner
       Wohnung mehrere Dutzend Frauen betäubt und anschließend vergewaltigt haben
       soll, wurde von der Staatsanwaltschaft Anklage erhoben. Der Angeklagte
       sitzt seit März in Untersuchungshaft. Zu den Vorwürfen hat er sich bisher
       nicht geäußert.
       
       Der Berliner Elektriker soll die Frauen auf Onlinedatingplattformen
       kennengelernt und in seiner Wohnung mit verschiedenen Schlafmitteln und
       Alkohol betäubt haben, anschließend soll er sie vergewaltigt und die Taten
       gefilmt haben. Entdeckt wurden die Fälle aufgrund von Videos, die der
       Angeklagte mit einem weiteren Verdächtigen aus Niedersachsen, der
       inzwischen verstorben ist, in Chats geteilt haben soll.
       
       Verhandelt werden nun 22 Fälle, mutmaßlich begangen an 14 verschiedenen
       Opfern. Die Ermittler gehen insgesamt jedoch von mindestens 58 Opfern aus.
       30 davon sind der Polizei namentlich bekannt, allerdings laufen die
       Ermittlungen noch. Bei drei Opfern besteht kein hinreichender Tatverdacht,
       zehn weitere konnten bisher noch nicht identifiziert werden, das Verfahren
       im Fall einer weiteren Betroffenen wurde bereits eingestellt.
       
       Alle Betroffenen erfuhren erst durch die Ermittlungen der Polizei durch die
       vermeintlichen Taten. Die Staatsanwaltschaft möchte laut eigener Aussage
       neben der Verurteilung auch eine Sicherheitsverwahrung erwirken. Den Grund
       für den Zeitpunkt der Anklage trotz laufender Ermittlungen in weiteren
       Fällen erklärte der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, Michael Petzold,
       mit dem Beschleunigungsgrundsatz – nach welchem Gerichtsverfahren zügig und
       ohne unnötige Verzögerungen durchzuführen sind.
       
       ## Ein Verfahren bereits eingestellt
       
       Der Fall ist nicht der erste dieser Art, der nach dem prominenten Fall von
       Gisèle Pelicot in Frankreich nun auch in Deutschland bekannt wurde. Für
       ihre [1][Dokumentation „Das Vergewaltiger-Netzwerk auf Telegram“ auf
       „STRG_F“] – dem öffentlich-rechtlichen Youtube-Format – erhielten die
       Journalistinnen Isabell Beer und Isabel Ströh 2025 den Courage-Preis für
       aktuellen Journalismus. In Chats hatten sich Männer darüber ausgetauscht,
       wie sie Frauen betäuben und vergewaltigen.
       
       Ein Netzwerk dieser Art, bestehend aus acht Männern, war erst letzte Woche
       in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt: Am Mittwoch war am Landgericht
       Berlin ein in Deutschland lebender chinesischer Arzt in einem ähnlichen
       Fall wegen Beihilfe zur schweren Vergewaltigung und schweren sexuellen
       Nötigung zu fünf Jahren Haft verurteilt worden (die taz berichtete).
       
       Im aktuellen Fall des angeklagten Elektrikers wurde bereits ein Verfahren
       eingestellt. Dabei ging es um eine Frau, die von dem Angeklagten in den
       Jahren 2010 bis 2014 insgesamt 36 Mal vergewaltigt worden sein soll. Der
       Grund für die Einstellung war die Verjährung der Straftaten.
       Vergewaltigungen verjähren in Deutschland bereits nach fünf Jahren. Nur in
       Fällen von Gewaltanwendung oder der Ausnutzung einer schutzlosen Lage gilt
       eine Verjährungsfrist von 20 Jahren.
       
       Das Problem ist bekannt. Die Hamburgerin Claudia Wuttke, die durch ihren
       Ex-Partner Opfer ähnlicher Straftaten wurde, setzt sich für eine
       Verlängerung der Fristen ein. [2][Das berichtete unter anderem die
       „Tagesschau“.] Sie selbst war mutmaßlich in 65 Fällen Opfer von Betäubung
       und Vergewaltigung durch ihren damaligen Partner geworden und erfuhr erst
       Jahre später durch Ermittlungen der Polizei davon. Nur zwei der Fälle
       wurden vor Gericht zugelassen, da sie besonders gewaltvoll waren, alle
       anderen gelten bereits als verjährt.
       
       Das Landgericht Berlin muss nun entscheiden, ob es die Anklage zulässt.
       Wann genau die Verhandlungen beginnen, konnte am Mittwoch dort noch niemand
       sagen.
       
       15 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.youtube.com/watch?v=GLrzyOLJUtk
   DIR [2] https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/sexualstrafrecht-justizminister-100.html
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Anna Simbürger
       
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