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       # taz.de -- Schnellstraßenprojekt TVO: Es gibt noch Hoffnung für den Igel
       
       > Bei einem Spaziergang in der Wuhlheide werden alle Gründe gegen die
       > Tangentialverbindung Ost aufgefahren. Aber kommt das Projekt überhaupt
       > noch zustande?
       
   IMG Bild: Alternativen zur TVO: Birgit Protze von der BI Wuhlheide erläutert in der Wuhlheide eigene Vorschläge
       
       Man muss schon ein ganzes Stück in den Wald hineingehen, um den Lärm der
       Straße An der Wuhlheide nicht mehr zu hören. Deswegen marschiert die rund
       50-köpfige Gruppe, die sich am Dienstagnachmittag auf Einladung des Bunds
       für Umwelt und Naturschutz (BUND) zum Dialog-Spaziergang in der Wuhlheide
       getroffen hat, erst einmal ein paar hundert Meter unter Eichen und
       efeubewachsenen Birken entlang der Bahntrasse nach Norden. Es soll um die
       TVO gehen – die Schnellstraße „Tangentialverbindung Ost“, die hier durch
       den Forst geschlagen werden soll.
       
       An einer Weggabelung macht man Halt für erste Statements, nur in größeren
       Abständen unterbrochen vom Vorbeirauschen eines Zugs auf dem Bahndamm
       nebenan. Das Sonnenlicht bricht durch die Bäume und fällt auf verblühte
       Maiglöckchenfelder. „Grüne Flächen retten – Hitzeschutz jetzt!“ – in diesem
       Sommer sei das Motto der BUND-Flächenschutzkampagne besonders aktuell, sagt
       Andrea Gerbode vom BUND-Vorstand. Und der Erhalt des alten Eichenbestands
       in der Wuhlheide besonders wichtig.
       
       [1][22 Hektar Wald oder mehr stehen auf dem Spiel], weil der Senat eine
       Straßenverbindung komplettieren will, die schon 1968 von den DDR-Behörden
       im „Generalverkehrsplan Berlin“ konzipiert wurde. Heute gibt es von der
       TVO, die Hellersdorf und Köpenick direkt verbinden soll, die Märkische
       Allee im Norden und die Spindlersfelder Straße im Süden. Für den mittleren
       Teil durch die Wuhlheide und Biesdorf wurde 2023 das
       Planfeststellungsverfahren gestartet. Dass es noch dieses Jahr
       abgeschlossen wird, ist unwahrscheinlich.
       
       „Wie passt so etwas noch in die heutige Zeit?“, fragt Claudia Leistner,
       grüne Verkehrs- und Umweltstadträtin von Treptow-Köpenick, sich und die
       Gruppe. An der Wuhlheide zeige sich exemplarisch, was auf dem Spiel stehe,
       wenn die Politik die alten Ideale einer autogerechten Stadt aufwärme. Dabei
       gehe es nicht nur um Zerstörung von Natur, sondern auch um horrende Kosten
       –nach aktuellen Schätzungen schon 630 Millionen Euro –, [2][die vor allem
       das Land tragen müsste]. Geld, das sich für die Sanierung bröckelnder
       Infrastruktur sinnvoller einsetzen lasse.
       
       ## Angebaggerte Biotope
       
       Leistners Lichtenberger Amts- und Parteikollegin Filiz Keküllüoğlu weist
       auf ein weiteres Problem hin: Die TVO-Planung kollidiert mit dem in
       fernerer Zukunft vorgesehenen Bau einer parallelen S-Bahnstrecke, der
       sogenannten Nahverkehrstangente. Sollte diese irgendwann tatsächlich kommen
       – und gäbe es dann schon die TVO –, müssten wertvolle Biotope wie der
       Biesenhorster Sand angebaggert werden.
       
       Dabei sei der Ausbau des Nahverkehrs rund um die Wuhlheide enorm wichtig,
       so Keküllüoğlu: „Mit dem Auto hätte ich vom Rathaus Lichtenberg 21 Minuten
       hierher gebraucht, mit den Öffentlichen mehr als eine Dreiviertelstunde.“
       Sie habe dann aber ohnehin das Fahrrad genommen.
       
       An einer weiteren Station erläutert Dirk Riestenpatt, der Leiter des
       Köpenicker Forstamts, die ökologischen Folgen einer TVO-Trasse. Schon jetzt
       gleiche die Wuhlheide zwar nicht einem Schweizer Käse, dafür aber einer
       „mehrfach zerschnittenen Scheibe Brot“. Auch wenn die Planung vorsehe, die
       heute schon durch den Wald verlaufende Rudolf-Rühl-Allee nach Eröffnung der
       TVO zu entsiegeln – die trennende Wirkung einer vierspurigen Schnellstraße
       wäre für Wildschwein, Reh und Igel ungleich größer. „Aus Wald-Perspektive
       können wir mit diesem Projekt nicht einverstanden sein“, meint Riestenpatt.
       
       ## Ausgleich des Ausgleichs
       
       Birgit Protze von der Bürgerinitiative Wuhlheide findet es unsäglich,
       welche Ausgleichsflächen sich die Senatsverkehrsverwaltung für den Verlust
       vieler alter Bäume ausgedacht hat. „Das sind oft kleine, längliche Flecken
       am Rand der Trasse, die außerdem der Bahn gehören und eigentlich für die
       Nahverkehrstangente vorgesehen sind.“ Werde diese gebaut, stünde quasi der
       Ausgleich des Ausgleichs an, die neue Bäume müssten schon wieder fallen.
       
       Nur eine einzige der SpaziergängerInnen macht sich mit ihrer Position
       unbeliebt: Die Lichtenberger CDU-Abgeordnete Lilia Usik erklärt, dass ihre
       Partei klar an der TVO festhalte. Sie höre sonst ohnehin meist ganz andere
       Stimmen – in Biesdorf etwa sei die Unterstützung für die TVO groß, und auch
       in Karlshorst glaubten viele, dass das Projekt ihren Ortsteil entlaste.
       
       „Ich weiß, dass ich mich mit dieser Haltung hier unbeliebt mache und das
       Risiko eingehe, damit allein im Wald zu stehen“, so Usik. Sie wird nicht
       allein gelassen – für ihre Partei sieht es aber im Moment ziemlich mau aus,
       und auch für die TVO könnte es einsam werden, sollten am 20. September neue
       politische Mehrheiten entstehen.
       
       15 Jul 2026
       
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