# taz.de -- Sozialkürzungen: Merz leert die Sparschweine meiner Kinder
> Die schwarz-rote Koalition will den Kindersofortzuschlag in Höhe von 25
> Euro streichen. Für Alleinerziehende mit Grundsicherung ist das eine
> Katastrophe.
IMG Bild: In Zukunft gibt es 25 Euro pro Kind weniger
Als alleinerziehende Mutter zweier Kinder musste ich in den letzten Monaten
viel schlucken. Wie über [1][40 Prozent der Alleinerziehenden] bin ich auf
die neue Grundsicherung (ehemals Bürgergeld) angewiesen. Ich stocke auf und
dennoch reicht es hinten und vorne nicht.
Das Familienportal des Bundes empfiehlt für zehnjährige Kinder [2][15 bis
25 Euro Taschengeld im Monat]. Genau dieser Betrag soll mit den
Reformplänen der Bundesregierung nun wegfallen. Dass Friedrich Merz und die
Koalition nun auch dazu bereit sind, die Sparschweine meiner Kinder zu
leeren, macht mich fassungslos. Anstatt Maßnahmen zu ergreifen, um
Kinderarmut zu verhindern, werden Maßnahmen ergriffen, um Kinderarmut zu
fördern.
Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD heißt es: „Wir werden den
Anpassungsmechanismus der Regelsätze in Bezug auf die Inflation auf den
Rechtsstand vor der Corona-Pandemie zurückführen“. Seit Corona gibt es für
jedes Kind seit 2022 20 Euro und seit 2025 25 Euro den sogenannten
Sofortzuschlag, umdie Teilhabe von Kindern und Jugendlichen an Bildung und
Gesellschaft zu verbessern. Auslöser dieses Sofortzuschlages war die
Covid-19-Pandemie.
Nun ist ernsthaft geplant, diesen Zuschlag für Kinder zu streichen. Allein
den Regelsatz nicht mehr an die Inflation anzupassen, hat der Regierung
nicht gereicht. Nun heißt es für uns mit 50 Euro weniger zu leben.
Wer Kinder hat, weiß, was 25 Euro pro Kind bedeuten. Wer arm ist, spürt es
jeden Tag. Die Hosen sind zu klein geworden, die Schuhe zu klein oder
kaputt, immer wieder fallen Geburtstagseinladungen an und es müssen
Geschenke besorgt werden. Ich lebe schon lange im Bürgergeldbezug und hatte
immer viele Ideen, um zu sparen. App-Coupons, Berliner Tafel, Gewinnspiele.
Doch alles kann man so nicht ausgleichen.
## Die Angst vor dieser Regierung war berechtigt
Zwar gibt es für bedürftige Kinder etwas Geld für die Schulausstattung pro
Halbjahr, aber allein das deckt weitaus nicht die gesamten Kosten.
Verabschiedung einer Erzieherin, Klassenkasse, das Eintrittsgeld fürs
Freibad, die Kinderreise in den Ferien sind immer wieder zusätzliche
Ausgaben. Und dann wird noch das Fahrrad vom Schulkind geklaut und die
Hausratsversicherung ordentlich hochgestuft.
Ich bekomme [3][keinen Unterhalt] und kann mit einer halben Stelle nicht
den kompletten Familienbedarf decken. Ein Kind hat Pflegegrad eins und
wöchentlich fallen Therapiebesuche an, sodass höchstens eine halbe Stelle
geht. Schon während des Bundestagswahlkampfes im Frühjahr 2025 hatte ich
Sorge, dass Friedrich Merz und die Koalition uns das Leben schwerer machen.
Jetzt weiß ich, die Sorge war berechtigt.
Dass die Anpassung an die Inflation flachfällt, auch wenn die Stromkosten
gestiegen sind, war absehbar. Sollte ich aus irgendwelchen Gründen einen
Termin beim Jobcenter verpassen, drohen nicht nur mir, sondern auch meinen
Kindern, jetzt auch noch Kürzungen bis hin zur Einstellung aller Zahlungen.
Auch bei der akribischsten Familienplanung kann es doch leicht passieren,
dass Eltern in einer Überlastungsschleife stecken, ein Termin vergessen
wird oder ein Brief verloren geht. Glaubt die Bundesregierung tatsächlich,
dass diesen Menschen mit einer Räumung ihrer Wohnung mehr geholfen ist als
mit sozialarbeiterischer Betreuung, um Briefe durchzugehen, das Leben zu
strukturieren.
## Noch weniger Teilhabe
Gerade Kinder von Alleinerziehenden werden unter der neuen Grundsicherung
leiden, und ich habe Angst davor. Arm und alleinerziehend – diese Kombi ist
nicht selten. Auch meine beiden Kinder gelten als armutsgefährdet. Je mehr
Kinder, desto höher ist die Empfängerquote der
Bürgergeldempfänger*innen in Bezug der jeweiligen Familienform in
der Gesellschaft insgesamt.
Mit der Einführung der neuen Grundsicherung wurde auch das sogenannte
Schonvermögen herabgesetzt. Ein Polster für Ausgaben, die der Regelsatz
nicht hergibt (und das sind sehr viele) und eine finanzielle Basis für
meine Kinder, wenn sie erwachsen sind.
Wird nun der Sofortzuschlag gestrichen, bedeutet das noch weniger Teilhabe
für meine Kinder. Unser ganzes Leben, die steigenden Preise, die Eintritte
für soziale und kulturelle Teilhabe, der Wocheneinkauf, die Stromkosten
machen da nicht mit. Der Regelsatz für Kinder sieht 8,82 Euro monatlich als
Beherbergungs- und Gaststättenleistung zu.
Klar sind eine heiße Schokolade und ein Stück Kuchen zum Überleben nicht
notwendig, doch will ich mein Kind nicht ausschließen, wenn die Freunde
nach dem Schwimmtraining im Schwimmcasino noch zusammensitzen.
Für einen kleinen Urlaub gehe ich an das Schonvermögen ran, ebenso für eine
neue Waschmaschine oder eben für ein Fahrrad, einen Roller oder
Inline-Skates, möglichst gebraucht, knapse ich etwas ab. Ein höheres
Kindergeld belohnt alleine die Mittelschicht. Familien mit Grundsicherung
als Einkommen wird es vom Regelsatz gleich wieder abgezogen.
## Keine Rocher-Pralinen bei der Tafel
Merz und Co zeichnen immer wieder das Bild,
Bürgergeldempfänger*innen würden faul rumsitzen und sich, während
andere schuften, goldene Ferrero-Rocher-Pralinen reinpfeifen.
Care-Arbeit wird eben nicht als Arbeit gesehen. Friedrich Merz will mehr
Wohlstand für Deutschland, dafür sollen alle mehr und länger arbeiten.
Meine Arbeit beginnt schon um 6 Uhr mit Frühstückmachen, Streitschlichten
und Zähnenachputzen und endet frühestens um 20 Uhr, wenn die Kinder ins
Bett gehen. Und natürlich gibt es bei der Tafel keine Rocher-Pralinen.
Es ist zwar müßig, immer wieder die steuerpolitische Schieflage zu
beanstanden. Genauso wichtig ist es aber, klar zu benennen: Ungerecht ist
nicht der Sofortzuschlag für arme Kinder, sondern, dass Vermögen nicht
besteuert wird und Unternehmensteuern im Sinne der Profitlogik gekürzt
werden.
Während die Familienministerin Karin Prien am Tag der Familie feierlich
verkündete, Familien seien für viele Menschen, der wichtigste Anker und man
würde deshalb Familien in den Mittelpunkt der Politik stellen, weiß ich
nicht, wie wir mit 50 Euro weniger im Monat klarkommen sollen.
16 Jul 2026
## LINKS
DIR [1] /Kuerzung-des-Unterhaltsvorschuss/!6195408
DIR [2] https://familienportal.de/familienportal/lebenslagen/kinder-jugendliche/taschengeld
DIR [3] /Aktivistin-ueber-Kindergeld-Gleichheit-Alleinerzogene-Kinder-duerfen-nicht-zweiter-Klasse-sein/!6161475
## AUTOREN
DIR Katharina Schwedt
## TAGS
DIR Armut
DIR Bürgergeld
DIR Soziales
DIR Kindergeld
DIR Alleinerziehende
DIR Sozialpolitik
DIR Reden wir darüber
DIR GNS
DIR Grundsicherung
DIR Social-Auswahl
DIR Sozialverband
DIR Friedrich Merz
DIR Kolumne Materie
DIR Finanzen
## ARTIKEL ZUM THEMA
DIR Joachim Rock zu Kürzungsplänen: „Das wäre verheerend für einkommensarme Familien“
Schwarz-Rot will armen Kindern 25 Euro pro Monat streichen. Der
Paritätische Wohlfahrtsverband hält das für fatal und befürchtet noch
Schlimmeres.
DIR Sommer-Pressekonferenz des Kanzlers: Sein schwächster Moment? Darüber müsse er nachdenken.
Bei der traditionellen Sommer-PK versucht Merz, Zuversicht zu verbreiten.
Immer wieder geht es um die Landtagswahlen im Herbst – und um die AfD.
DIR Reformpaket der Regierung: Das kann nicht gut gehen
Die Regierung handelt zwar, aber nicht im Interesse der Mehrheit der
Menschen. Damit stärkt sie die, die sie eigentlich bekämpfen will.
DIR Debatte über Steuerreform: Einige entlastet, viele belastet
Schwarz-Rot will Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen steuerlich
entlasten. Ökonomen warnen vor Haushaltslücken und machen Gegenvorschläge.